„Nichts für Feiglinge“
50 Jahre permanentes Diakonenamt im Bistum Aachen – Zum Jahrestag der ersten Weihe 1971 an einem Montagmorgen Pontifikalamt im Hohen Dom zu Aachen – Weihbischof Karl Borsch: „Demütig sein heißt Mut zum Dienen haben“ – Jubiläumsmagazin „DIApositiv“ enstand am Mechernicher Bleiberg
Aachen/Mechernich – In einer Werktags-Frühmesse legte Bischof Johannes Pohlschneider am 5. Juli 1971 Ludwig Lenzen (+ 5.9.1982) und Alfons Pohl (+ 4.8.2011) als den beiden ersten verheirateten Diakonen die Hände auf, einem Ondit zu Folge den Zorn des nicht informierten Generalvikars fürchtend…
50 Jahre später, am 5. Juli 2021, wiederum einem Montag, feierten die Ständigen Diakone im Bistum Aachen ihr goldenes Berufsjubiläum, allerdings in einem festlichen Pontifikalamt, das Weihbischof Karl Borsch in Vertretung des erkrankten Bischofs Dr. Helmut Dieser mit ihnen feierte.
Das ständige Diakonenamt entstand in der jungen Kirche gemeinsam mit dem Bischofsamt – laut Neuem Testament lange vor dem des Priesters. Zu Diakonen wurden ab dem Jahr 1000 aber nur noch angehende zölibatäre Priester geweiht. Verheiratete Geistliche gab es fortan fast ausschließlich als Konvertiten aus anderen Konfessionen.

Köln vor Kamerun und Stuttgart
Das Zweite Vatikanische Konzil allerdings führte das permanente Diakonenamt 1964 auch für verheiratete Männer wieder ein. Vom Gegner zum flammenden Befürworter avancierte unter anderem der Kölner Erzbischof Josef Kardinal Frings. In seiner Erzdiözese wurden 1968 weltweit die ersten Diakone geweiht, gefolgt von Kamerun und dem Bistum Rottenburg/Stuttgart.
Aachen folgte drei Jahre später, zunächst unter schwacher Akzeptanz. Überliefert ist der prophetisch gemeinte Satz von Passanten, die der Prozession der Weihekandidaten zum Aachener Münster begegneten: „Jetzt weihen sie schon verheiratete Männer – das ist der Untergang der Kirche.“

Letzterer scheint weiß Gott nicht wegen der Diakone gekommen zu sein. „Wieviel ärmer wäre die Kirche ohne Sie?!“ fragte Weihbischof Karl Borsch die rund 60 Diakone und Familienangehörigen, Ordensschwestern und Gläubigen, die zum Jubiläumsgottesdienst in den Dom gekommen waren.
Borsch erinnerte an die allerersten Überlegungen zur Wiedereinführung des Ständigen Diakonates noch im 19. Jahrhundert. Noch vor dem Ersten Vatikanischen Konzil hätten wache Geister das Ende der Volkskirche kommen sehen – und die Notwendigkeit verheirateter Geistlicher, die unter den Familien der damals entstehenden Arbeiterklasse leben und wirken würden.

Die mittlerweile in vollem Ausmaß angekommene Krise mache die Kirche „schwächer, ärmer, gegenwärtiger und ehrlicher“, so Bischof Karl. Und die Wahrheit werde offensichtlich, dass diese Kirche Heiliges in zerbrechlichen Gefäßen, ja „zerbeulten Töpfen“ durch die Zeiten transportiere, den Menschen.
Das Diakonenamt sei ein demütiges Amt, so Karl Borsch: „Das ist nichts für Feiglinge, es braucht Mut zum Dienen…“ Und: „Bücken wir uns, um die Wunden der anderen zu berühren und sie auf Schultern zu tragen. Stehen Sie zu Ihrer Schwachheit, dann wächst Ihnen die Kraft Gottes zu.“

Weihbischof Karl Borsch dankte den 116 bislang im Bistum Aachen geweihten Diakonen und ihren Familien „aus ganzem Herzen für Ihr Wirken“. Borsch: „Vergessen Sie nicht, dass Sie niemals allein sind, und Sie keine Angst vor dem Leben haben müssen – und nicht vor dem Tod.“
Der ursprünglich vorgesehene Empfang zum Jubiläum fiel nach der Heiligen Messe ebenso ins Wasser wie vor ihm bereits die Heiligtumsfahrt 2021, während der im Juni eigentlich ein Tag der Diakone zum 50-Jährigen geplant war.

CvD war Steffi Tucholke
Dabei hätte auch das 84seitige Jubiläums-Magazin „DIApositiv“ vorgestellt werden sollen, welches das Generalvikariat von der Mechernicher PR-Agentur „ProfiPress“ des Diakons und Redakteurs Manfred Lang zum 50jährigen Bestehen des Ständigen Diakonates im Bistum Aachen herstellen ließ. Die Federführung hatte die Redakteurin Steffi Tucholke als „Chef vom Dienst“ (CvD).

Beim Pontifikalamt im Hohen Dom konzelebrierte Domvikar Thomas Schlütter, der Bischöfliche Beauftrage für den Ständigen Diakonat. Es assistierte Diakon Matthias Dederichs, der Vorsitzende des Sprecherrats der Diakone im Bistum Aachen. Zugegen waren auch Ex-Diözesanbischof Dr. Heinrich Mussinghoff und Weihbischof em. Dr. Gerd Dicke, Generalvikar Dr. Andreas Frick und sein Stellvertreter Rolf-Peter Cremer sowie Diakon Achim Jaskulski, der Diözesanreferent für Priester und Diakone.
In den 50 Jahren gab es vor Thomas Schlütter vier weitere Bischöfliche Beauftragte: Vor ihm Diakon Achim Jaskulski und Monsignore Dr. Stefan Dückers, längst dienend Ehrendomherr Pfarrer Herbert Steinbusch (25 Jahre), und Monsignore Toni Knippen. Mit der Ausbildung des Nachwuchses beauftragte Diakone waren Michael Lang und Achim Jaskulski, außerdem Gemeindereferentin Hedwig Rekers. Zurzeit ist Diakon René Brockers der Ausbildungsbeauftragte. Spirituale waren und sind Arnold Teunissen, Dr. Johannes Bündgens, Friedhelm Tissen, Eckehard Lossen und Georg Lauscher.
pp/Agentur ProfiPress