Kaminbrand im Januar bei 20 Grad
Feuerwehr Mechernich bildete sechs Kameraden zu Drehleiter-Maschinisten aus – 40 Übungsstunden in vier Wochen – Training bei der Bundeswehr, Prüfung am GAT
Mechernich – Dass man mit einer Drehleiter sonntagskonform und dezent üben kann, das zeigte jetzt die Feuerwehr Mechernich. Beinahe unsichtbar für den Bürger legten am letzten Sonntag im Mai vier Kameraden aus Mechernich und zwei aus Weilerswist ihre Prüfungen im Rahmen der Drehleiter-Maschinisten-Ausbildung auf dem Gelände des Gymnasiums am Turmhof (GAT) unweit des Oktogons ab. Und das, obwohl die Mechernicher Drehleiter bis zu einer Maximalhöhe von 23 Metern ausgefahren werden kann (die Leiter selbst ist sogar 30 Meter lang).

Rund 40 Stunden in nur vier Wochen haben die sechs Feuerwehrleute mit ihren Ausbildern Stadtbrandinspektor Markus Kurtensiefen, gleichzeitig Zugführer des Löschzugs Mechernich, und Hauptbrandmeister Gerd Nelles geübt – und zwar an zwei Samstagen und ansonsten in den Abendstunden.
Übungsschauplatz ist normalerweise das Materialdepot der Mechernicher Bundeswehr. Markus Kurtensiefen ist als Zivilist Oberbrandmeister der Bundeswehrfeuerwehr und hat deshalb den perfekten Draht zum Standortältesten. „Im Materialdepot finden wir alles, was wir für die Ausbildung brauchen, beispielsweise einen hohen Turm“, beschreibt es Kurtensiefen.

Für die Prüfung hat er sich aber bewusst gegen das Bundeswehrgelände entschieden – schließlich sollen die Feuerwehrkameraden an einem „fremden“ Ort proben. In der Vergangenheit waren schon der Barbarahof, die Gesamtschule oder das Schmidtenloch Schauplatz der Übungen. Auch das GAT-Gelände am Oktogon ist perfekt dafür geeignet. Von der Bruchgasse aus ist das Gelände abschüssig, sodass man am Sonntag niemanden belästigt. „Und es bietet uns alle Möglichkeiten, die wir brauchen. Wir können beispielsweise den Vollbrand eines Daches als Aufgabe stellen“, erklärt Kurtensiefen.

„Brennender“ Kamin funkelt in der Sonne
Der Prüfling, der beim Besuch der Agentur ProfiPress an der Reihe war, musste sich mit einem Kaminbrand beschäftigen. „Wir nehmen den, der gerade so schön von der Sonne angestrahlt wird“, sagt Kurtensiefen dem Prüfling und zeigt auf einen Kamin auf dem Schulgebäude. Das Szenario sieht vor, das der Brand im Januar um 19 Uhr stattfindet. „Da muss er an Beleuchtung denken.“ Kaum hat Kurtensiefen das ausgesprochen, geht das Licht an der Drehleiter an.

Für den Prüfling gilt es außerdem, bei der Platzierung der Drehleiter die HAUS-Regel zu beachten. Gibt es Hindernisse? Wie groß ist der Abstand zum Einsatzgeschehen? Ist der Untergrund für die Stützen des Fahrzeuges geeignet? Habe ich die Sicherheit der Kameraden, der möglichen Opfer und beispielsweise des Straßenverkehrs beachtet?
Während der Prüfling die Drehleiter platziert, hat er einen Kameraden damit beauftragt, die imaginäre Straße mit Pylonen zu sichern. Auch auf die Gullideckel achtet der Prüfling. Er fährt die vier Stützen nicht so weit aus, wie er könnte, da er das Gewicht des Fahrzeugs auch nicht auf einem möglichen Kanal lagern will.

Bei der Entfernung zum Gebäude hat er sich aber verschätzt. Der Kamin ist zu weit weg, kurz vor dem Ziel schrillt ein Alarm – die Drehleiter steht zu flach. „Da hätte er bestimmt fast zehn Meter näher ranfahren können“, erklärt Gerd Nelles. Da der Prüfling ansonsten aber alles richtig gemacht hat, ist das kein Grund zum Scheitern. Die Prüfer sind sich sicher: Den Fehler wird er nicht noch einmal machen. Am Ende haben alle sechs Kameraden die Ausbildung zum Drehleiter-Maschinisten erfolgreich abgeschlossen.
pp/Agentur Profipress