Erhöhte Bleiwerte im Blut
Rund 200 Kinder aus Mechernich und Kall haben an einer Untersuchung teilgenommen, 17,6 % lagen über den Referenzwerten – Keine Aussagen über gesundheitliche Beeinträchtigungen und Gefahren – Umweltmedizinische Sprechstunde soll angeboten werden
Mechernich/Kall – Die Bleibelastung im Blut von Kindern und Jugendlichen am Mechernich-Kaller Bleiberg ist höher als es die geltenden Referenzwerte vorsehen. Das ist das Ergebnis einer im Juli vom Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin des Universitätsklinikums Aachen durchgeführten Studie. Aussagen über eventuelle Gesundheitsgefahren oder Risiken sind damit aber nicht verbunden.
Wie die für Umweltlasten und ihre Folgen zuständige Kreisverwaltung Euskirchen mitteilt, sind 182 Kinder aus Kall und Mechernich im Rahmen einer „repräsentativen Stichprobe“ untersucht worden. Bei 32 Teilnehmenden (17,6 %) lag die Bleikonzentration im Blut über den entsprechenden Referenzwerten, die abhängig von Alter und Geschlecht festgelegt sind.
Mehrbelastung
Das Kreisgesundheitsamt: „In der Allgemeinbevölkerung sind fünf Prozent an Referenzwertüberschreitungen normal. Es wurden somit mehr als dreimal häufiger als erwartet Überschreitungen des Referenzwertes festgestellt.“ Unberücksichtigt bleibt bei dieser Aussage allerdings der Umstand, dass der Referenzwert erst kürzlich von 35 um die Hälfte abgesenkt worden war. Nach dem alten Referenzwert soll eine große Zahl der jetzt gezogenen Proben im unbedenklichen Bereich gelegen haben.
Eine Gesundheitsgefährdung oder bereits eingetretene Beeinträchtigung sei mit den jetzt gemessenen Bleikonzentrationen nicht impliziert, hieß es aus Verwaltungskreisen. Eine Mehrbelastung von Kindern und Jugendlichen in der Region des ehemaligen Bergbaugebietes hingegen gelte mit dem Ergebnis als nachgewiesen.

Die repräsentative Untersuchung der Kinder und Jugendlichen sei ein weiterer Schritt zur Schaffung von Problembewusstsein für Blei in der betreffenden Region, so Christian Ramolla, der Leiter des Kreis-Gesundheitsamtes: „Als Risikofaktoren konnten laut der Studie der Verzehr von selbst angebautem Gemüse, die Verweilzeit im Garten und das kleinkindtypische Verhalten, sich Gegenständen in den Mund zu stecken, identifizieren werden.“
„Pädagogische Prävention“
Die persönlichen Befunde werden den Untersuchungsteilnehmern beziehungsweise ihren Erziehungsberechtigten mit der Post zugestellt. Ihnen wird eine individuelle umweltmedizinische Beratung angeboten, die auch für Familienmitglieder gilt. Dazu gehöre auch eine erneute Untersuchung der Blutwerte, so das Kreisgesundheitsamt.
Mittelfristig will der Kreis Euskirchen eine umweltmedizinische Sprechstunde für alle interessierten Einwohner der Kommunen Kall und Mechernich einrichten – also auch für solche, die nicht an der jetzigen Untersuchung teilgenommen haben. Parallel will der Kreis in Schulen, Kindergärten und besonders belasteten Wohngegenden die Leute aufklären, wie man die Aufnahme von Blei in den Körper vermeiden kann („pädagogischer Präventionsansatz“).
Für die Teilnahme an der repräsentativen Studie sind insgesamt 1182 Kinder/Jugendliche angeschrieben worden, von denen letztlich rund 200 ihre Bereitschaft erklärt haben. Sie kamen aus nahezu allen Ortsteilen der Bleiberg-Kommunen Mechernich und Kall, unabhängig von der jeweiligen Bleibelastung der Böden.
Mechernich | Anzahl Teilnehmende | Referenzwert µg/L | Minimalwert µg/L | Maximalwert µg/L | Referenzwert-überschreitung |
♂ 3-10 J. | 38 | 20 | 5,8 | 37,6 | 15,8 % |
♂ 11-17 J. | 38 | 15 | 4,4 | 40,9 | |
♀ 3-17 J. | 59 | 15 | 4,6 | 37,4 | |
♂ 11-17 J. +♀ | 97 | 15 | 4,4 | 40,9 | 21,6 % |
Kall | Anzahl Teilnehmende | Referenzwert µg/L | Minimalwert µg/L | Maximalwert µg/L | Referenzwert-überschreitung |
♂ 3-10 J. | 12 | 20 | 7,3 | 44,0 | 16,7 % |
♂ 11-17 J. | 11 | 15 | 5,3 | 31,4 | |
♀ 3-17 J. | 24 | 15 | 3,9 | 35,0 | |
♂ 11-17 J. +♀ | 35 | 15 | 3,9 | 35,0 | 8,6 % |
hg/pp/Agentur ProfiPress