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Da interessierte die Bohne

Das Tambourcorps Einigkeit Kommern feiert im Herbst sein 75-jähriges Bestehen – Gegründet wurde der Verein im Mai 1949 an der Kapelle St. Severinus – Heute freuen sich die Musiker um Tambourführer Walter Schäfer immer über neue Mitglieder

Mechernich – Mit der Einigkeit ist das so eine Sache – selbst, wenn man sie im Namen trägt. Davon weiß auch Balthasar Müller zu berichten. Er gehörte als Neunjähriger zwar nicht zu den Gründungsmitgliedern des Tambourcorps „Einigkeit“ Kommern, aber 1949 zu den Musikern der ersten Stunde. Und als kleiner musizierender Steppke musste er miterleben, dass die Einigkeit kurz nach der Gründung auf eine harte Probe gestellt wurde. „Es gab irgendwann zwei Tambourcorps in Kommern, weil man sich zerstritten hatte“, sagt der heute 84-Jährige.

Das älteste, noch erhaltene Foto zeigt das Tambourcorps „Einigkeit“ Kommern im August 1950. Die Gründung erfolgte im Mai 1949, so dass in diesem Jahr das 75-jährigen Bestehen gefeiert wird. Foto: TC „Einigkeit“ Kommern/pp/Agentur ProfiPress
Das älteste, noch erhaltene Foto zeigt das Tambourcorps „Einigkeit“ Kommern im August 1950. Die Gründung erfolgte im Mai 1949, so dass in diesem Jahr das 75-jährigen Bestehen gefeiert wird. Foto: TC „Einigkeit“ Kommern/pp/Agentur ProfiPress

Diese Zeiten waren schnell vorbei. Vielleicht auch, weil die Aktiven in der Folgezeit ganz viel Wert auf Harmonie legten. „Wenn damals ein neues Mitglied aufgenommen werden sollte, ging bei der Probe ein Sack Bohnen durch die Reihen“, berichtet Walter Schäfer, der bereits seit 1972 Tambourführer ist. Eine Bohne sei schwarz gewesen, die anderen weiß.

Der Verein heute: Eine bunt gemischte Truppe mit drei Nachwuchsmusikern um Tambourführer Walter Schäfer (ganz hinten links, weißes Hemd). Foto: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress
Der Verein heute: Eine bunt gemischte Truppe mit drei Nachwuchsmusikern um Tambourführer Walter Schäfer (ganz hinten links, weißes Hemd). Foto: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress

Jeder musste sich verdeckt eine herausnehmen. „War die schwarze Bohne am Ende noch im Sack wurde der Kandidat aufgenommen“, so Schäfer weiter. Wäre sie nicht mehr drin gewesen, dann hatte ein Aktiver ein Veto eingelegt. Dieses Veto hatte solch ein Gewicht, dass die Aufnahme verweigert wurde. „Uns war die Harmonie in der Truppe wichtiger“, sagt der Tambourführer.

MV Eicks und „Von Stülp Revival“

Um Harmonie geht es auch heute noch. Wer Montagabends ab 19 Uhr zu Besuch bei der Probe ist, merkt, dass sich die Truppe aus 20 Musikerinnen und Musikern sowie drei Nachwuchinstrumentalisten bestens versteht. Alle freuen sich schon auf das Jubiläumsfest, das für Samstag, 5. Oktober, geplant ist. Schließlich probt Walter Schäfer für diesen besonderen Anlass mit seinen Musikern bereits Stücke ein, die man nicht sofort mit einem Tambourcorps in Verbindung bringen würde. „Wir wollen zeigen, dass wir nicht nur Marschmusik können“, sagt der musikalische Leiter mit einem Schmunzeln.

„Auf der Festwiese (Wettspiel unter Paul Heck)“, lautete die Unterschrift zu diesem Bild in der Chronik zum 25-jährigen Bestehen . Foto: TC „Einigkeit“ Kommern/pp/Agentur ProfiPress
„Auf der Festwiese (Wettspiel unter Paul Heck)“, lautete die Unterschrift zu diesem Bild in der Chronik zum 25-jährigen Bestehen . Foto: TC „Einigkeit“ Kommern/pp/Agentur ProfiPress

Welche Stücke das sein werden, verrät er derweil nicht. Spannungsaufbau nennt man so etwas. Was das Orga-Team um Ralf Mertens, Maike Henric-Petri und Bianca Düren aber schon verraten kann, ist, dass neben dem jubilierenden Tambourcorps auch der befreundete Musikverein Eicks im Bürgerhaus aufspielen wird. Mit der Band „Von Stülp Revival“ soll das Fest schließlich zur ungezwungenen und fröhlichen Feier werden.

Anlass dazu gibt die Gründung vor 75 Jahren. Im Mai 1949 fanden sich musizierende Kommerner an der St. Severinus Kapelle ein, um das Tambourcorps „Einigkeit” aus der Taufe zu heben. „Zu einer Zeit, in der man begann, das kulturelle Leben wieder zu pflegen“, heißt es dazu in der Chronik zum 25-jährigen Bestehen. Instrumente und sonstiges Zubehör seien zum Teil von dem bereits vor dem Krieg bestehenden Tambourcorps übernommen, zum Teil aber auch von den damaligen Mitgliedern angeschafft worden.

Schokolade und Fahrradreifen

„Schon tauchte eines der schwierigsten Probleme des jungen Vereins auf. Man fragte sich, wo man während der Wintermonate proben könne“, heißt es in der Chronik weiter. Der Wirt des Gasthofes „Zur Post” habe sich schließlich bereiterklärt, die Spielleute aufzunehmen. Der Anfang war gemacht, zahlreiche Proberäume im Ort sollten im Laufe der 75 Jahre noch genutzt werden, bis die Musiker heute ihr Domizil in der Bürgerhalle gefunden haben.

Zwar nicht mehr aktiv dabei, aber dafür immer noch mit dem Herzen: Der heute 84-jährige Balthasar Müller gehörte zu den Musikern der ersten Stunde. Foto: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress
Zwar nicht mehr aktiv dabei, aber dafür immer noch mit dem Herzen: Der heute 84-jährige Balthasar Müller gehörte zu den Musikern der ersten Stunde. Foto: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress

Aber das Leben eines Spielmannszuges besteht natürlich nicht nur aus Proben. Im April 1950 reisten die Aktiven nach Friesheim zu ihrem ersten Auswärtsspiel. Für Balthasar Müller eine wunderbare Erinnerung. „Damals gab es als Belohnung eine Tafel Schokolade, etwas ganz Besonderes“, kann sich der 84-Jährige, der zunächst Lyra und bis zu seiner musikalischen Rente vor einigen Jahren Flöte spielte, noch lebhaft daran erinnern. Auch daran, dass bei solchen musikalischen Wettstreiten so nützliche Dinge wie Fahrradreifen gewonnen werden konnten.

Das erste eigene Stiftungsfest des Vereins wurde dann am 16. Juli 1950 gefeiert. „Nach dem Weckruf hielt der damalige Kaplan Fuchs den feierlichen Festgottesdienst. Am Nachmittag wurden die auswärtigen Vereine aus Wachendorf, Stotzheim, Eiserfey, Harzheim, Satzvey und vielen anderen Orten erwartet. Aus Zeitungsberichten und den Erinnerungen alter Mitglieder geht hervor, dass an diesem Tag ein rauschendes Fest gefeiert wurde. Tagessieger wurde das Tambourkorps aus Wachendorf“, ist dazu in der 50 Jahre alten Chronik nachzulesen.

Disneyland und Mallorca

Nach lebhaften Jahren des Musizierens sei es in der Zeit von 1960 bis 1965 etwas ruhiger um das Corps geworden. „In dieser Zeit des Wohlstandswachstums gingen die Interessen eines jeden einzelnen andere Wege. Das waren wohl mit die schwersten Jahre in der Vereinsgeschichte“, schreibt der Chronist. Doch danach ging es wieder bergauf. Auch weil Gemeinschaft gelebt wurde. In den 80er, 90er und 2000er Jahren etwa bei Vereinsfahrten nach Paris ins Disneyland, nach Mittenwald, Andalusien oder nach Mallorca.

Ein Bild aus dem Jahr 1959: Das Kommerner Tambourcorps beim Junggesellenfest Gehn. Foto: TC „Einigkeit“ Kommern/pp/Agentur ProfiPress
Ein Bild aus dem Jahr 1959: Das Kommerner Tambourcorps beim Junggesellenfest Gehn. Foto: TC „Einigkeit“ Kommern/pp/Agentur ProfiPress

Die Chronik zum 25-jährigen Bestehen endet derweil mit der positiven Botschaft, dass die Proben wieder besser, der Verein wieder aktiver wurde: „Kurzum, man sprach wieder vom Tambourcorps“. Das tut man auch heute noch, weil die Musikerinnen und Musiker ihren wertvollen Beitrag zum Dorfgeschehen leisten. Mit den etwas über 20 Aktiven an Lyra, Becken, Flöte, Trommel und Pauke werden immer wieder Feste und Festlichkeiten musikalisch gestaltet.

Damit das auch in Zukunft so ist, freuen sich die Aktiven um Walter Schäfer über die Unterstützung aus dem Ort. So hat sich das Vereinskartell dazu entschieden, dass ein Teil des Erlöses der Vatertagsfeierlichkeiten, die am Donnerstag, 9. Mai, ab 11 Uhr auf dem Arenbergplatz stattfinden, der Jugendförderung des Tambourcorps zufließen soll.  Auch über neue Mitglieder freuen sich die Musiker immer. Interessierte können sich an Ralf Mertens wenden per Mail an mertensralf@mail.de oder per Telefon an 0152 03747311.

Auf diesem undatierten Foto präsentieren die Aktiven des Tambourcorps Kommern ihre neuen Uniformen. Foto: TC „Einigkeit“ Kommern/pp/Agentur ProfiPress
Auf diesem undatierten Foto präsentieren die Aktiven des Tambourcorps Kommern ihre neuen Uniformen. Foto: TC „Einigkeit“ Kommern/pp/Agentur ProfiPress

Das Ritual mit der schwarzen und den weißen Bohnen gibt es derweil nicht mehr. Auf Harmonie und gute Stimmung untereinander legen die Mitglieder des Tambourcorps aber auch heute noch großen Wert. Schließlich soll der Verein noch lange bestehen bleiben und dem Namen „Einigkeit“ alle Ehre machen.

pp/Agentur ProfiPress