Kinder stark machen

Fortbildung zum Thema „Sexueller Missbrauch an Mädchen und Jungen“ im Mechernicher Ratssaal – Rund 200 Fachkräfte folgten der Einladung der Kreispolizeibehörde Euskirchen und des Vereins MumM e.V.

„Humor ist eine Kraftquelle“ lautet das Credo der Fachreferentin Gisela Braun von der AJS. Dementsprechend war ihr Vortrag im Mechernicher Ratssaal ebenso kurzweilig wie informativ. Foto: Alice Gempfer/pp/Agentur ProfiPress

Mechernich – Rund 200 Fachkräfte aus meist pädagogischen Berufen waren der Einladung der Kreispolizeibehörde Euskirchen und von MumM e.V. (Verein gegen sexuellen Missbrauch an Mädchen und Jungen) gefolgt und zu einer Fortbildung in den Mechernicher Ratssaal gekommen. „Ich bin überwältigt von der großen Resonanz“, freute sich die Organisatorin und Vorsitzende des Vereins MumM e.V. Sigrid Arabin-Möhrer von der Euskirchener Kreispolizei (Kriminalitätsvorbeugung/Opferschutz) über die vielen Gäste, die teils auch aus den Nachbarkreisen angereist waren. Unter den Teilnehmern waren neben Lehrern und Erziehern unter anderem auch Kriminalbeamte, Psychologen und Mitarbeiter des Jugendamtes, der Caritas, der Diakonie, der AWO, des Landschaftsverbandes Rheinland sowie der katholischen wie evangelischen Kirche.

Der Erste Beigeordnete der Stadt Mechernich Thomas Hambach betonte in seiner Begrüßung die Bedeutung der Präventionsarbeit: „Sie als Pädagogen sind nach den Eltern häufig am nächsten an den Kindern und Jugendlichen dran“, so Hambach. Auf Anfrage der Kreispolizeibehörde hatte die Stadt Mechernich den Ratssaal für die Fortbildungsveranstaltung spontan kostenfrei zur Verfügung gestellt.

Den Hauptpart der Veranstaltung bestritt die bundesweit gefragte Fachreferentin und Diplom-Pädagogin Gisela Braun von der Kölner Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz NRW (AJS) – und das in überaus unterhalsamer Art und Weise. Denn auch ein so ernstes Thema, so die Autorin und Fortbilderin Braun, schließe Humor nicht aus – im Gegenteil: „Humor ist eine Kraftquelle, und wir brauchen alle verfügbare Kraft, um gegen sexuellen Missbrauch anzugehen.“

Und so beließ Braun es nicht bei einem trockenen Referat, auch eine Powerpont-Präsentation kam nicht zum Einsatz. Dafür aber viel Körpereinsatz und theaterpädagogische Elemente, als die Referentin ihrem Publikum in insgesamt drei Stunden neben Hintergründen und Fakten zum Thema sexueller Missbrauch auch etwa Täterstrategien und wirkungsvolle Präventionsmaßnahmen vermittelte. Wichtig sei beispielsweise eine präventive Erziehungshaltung: „Es geht darum, das Kind stark zu machen, und sein Selbstwertgefühl zu stärken, damit es lernen kann, die eigenen Grenzen zu sehen und auch zu verteidigen.“

Auch gelte es, das Umfeld der Kinder und Jugendlichen, also auch beispielsweise Pädagogen aufzuklären und für das Thema zu sensibilisieren.

An der Aufklärung wirkten auch die Aussteller am Rande der Veranstaltung mit, die allesamt dem „Opfer-Netzwerk“ angehören. Neben MumM e.V. waren das auch der „Weiße Ring“, das Euskirchener Jugendamt, der Verein „Frauen helfen Frauen“ und die Kreispolizei. Zusätzlich war der Verein „B.A.C.A.A. e.V.“ vertreten, hinter dem eine Biker-Gruppierung steht, die sich bundesweit gegen Kinderpornographie und Missbrauch engagiert und dafür schon rund 80.000 Euro an Spenden gesammelt hat. Die Autorin und Verlegerin Marion Mebes war mit einem Bücherstand vertreten. Dort bot sie auch das Buch „Kein Küsschen auf Kommando“ an, das Sozialarbeiterin Mebes 1989 als erstes Präventionsbuch für kleine Kinder geschrieben hatte und das heute als Klassiker für die Präventionsarbeit in Kindergärten und Grundschulen gilt.

 pp/Agentur ProfiPress