Hoffnung in Kriegen und Krisen
Geschäftsführer der weltweit bekannten Hilfsorganisation „Cap Anamur“, Bernd Göken, lebt in Mechernich – 300 Projekte in 63 Ländern trotz eines „kleinen Teams“ umgesetzt – Derzeit unter anderem im Sudan und Libanon aktiv – Humanität und nachhaltige Hilfe
Mechernich – Was Wenige bewirken können, wird an kaum einem Beispiel so deutlich, wie an dem der Hilfsorganisation „Cap Anamur“. Ins Leben gerufen wurde sie vor 45 Jahren von Rupert Neudeck, einem Journalisten aus Troisdorf, mit seiner Frau Christel und Freunden – darunter war auch Heinrich Böll. Schnell erlangte der Verein große Berühmtheit durch die Rettung von rund 50.000 vietnamesischen Flüchtlingen aus dem chinesischen Meer im Jahre 1979.

Das schlug große Wellen, nicht nur wegen des namensgebenden Rettungsschiffes. So schrieb der legendäre Autor Günter Grass in seinem Werk „Mein Jahrhundert“ über die Neudecks, „die aus ihrer Küche in ihrem Reihenhaus“ heraus weltweit halfen. Gedreht wurden in den Folgejahren auch zahlreiche Filme und Dokus über die Hilfsorganisation.
Seitdem ist viel passiert. In 62 Ländern hat der „Cap Anamur/Deutsche Notärzte e.V.“ über 300 Projekte erfolgreich umgesetzt – so zum Beispiel Krankenhäuser und Schulen gebaut oder benötigte Hilfsgüter und Nahrungsmittel in Krisengebiete gebracht. Viele weitere sollen noch folgen.

Aus Mechernich in die Welt
Bernd Göken ist Geschäftsführer von „Cap Anamur“. Der gebürtige Friese ist schon lange in der Hilfsorganisation aktiv, lernte seine Ehefrau sogar während eines Einsatzes im Sudan kennen. Mittlerweile lebt er in seiner Wahlheimat Mechernich – und liebt es, mit seinem Rennrad in der „schönen Eifel“ unterwegs zu sein. Wenn der 57-Jährige nicht gerade Hilfsprojekte in Ländern besucht, die nicht selten Krisen- oder sogar Kriegsgebiete sind…

Heute sind neben den Vorsitzenden Volker Rath, Dr. Werner Höfner und Boris Dieckow über 20 weitere Mitarbeiter fest mit dabei, hinzu kommen weit über 1000 lokale Kräfte in Ländern wie dem Sudan, Libanon, Afghanistan oder sogar Nordkorea. Sie arbeiten sowohl mit zivilen Strukturen als auch mit Regierungen weltweit zusammen, um nachhaltig zu helfen.

Beschossen und gejagt
Bernd Göken kennt die Neudecks noch persönlich und ist mit ihnen „tief verbunden“. Genauso geht es wohl der großen vietnamesischen Community in Westdeutschland. Viele andere sind aber weltweit immer noch dringend auf Hilfe angewiesen – und es werden immer mehr.
Das weiß der Geschäftsführer aufgrund seiner vielen persönlichen Besuche in betroffenen Ländern sehr gut. Denn er arbeitet eng mit den Betroffenen zusammen – und überprüft so auch gleich, dass alle Standards der Hilfsorganisation eingehalten werden. So hat er zwei Jahre im Sudan gelebt, in dem Cap Anamur noch heute ein wichtiges Krankenhaus in den Nuba-Bergen betreibt. Hier tobt seit rund 25 Jahren Krieg. In Syrien wurde Göken sogar beschossen und gejagt.

Er erklärte: „Solche Vorkommnisse gibt es leider. Seit Mitte der 2000er Jahre werden Helfer immer wieder Ziel von Angriffen. Das betrifft Lehrer genauso wie Ärzte und Pflegekräfte. Meist, weil wir Hilfe zur Selbsthilfe geben und Bildungsarbeit betreiben – was Manchen ein Dorn im Auge ist.“ Die Ursachen seien vielfältig. Dies besorge die Helfer zwar, Angst dürfe man aber nicht haben. Trotz alledem bleiben die Mitarbeitenden teils jahrelang in den Gebieten – und seien stets „mit Herzblut bei der Sache“. Der größte Lohn sei dabei, den „Dank, die Herzlichkeit und die Lebensfreude“ derjenigen zu spüren, denen man geholfen hatte und hilft.

Einzige Chance auf Hilfe
Die Arbeit von „Cap Anamur“ wird mit den immer zahlreicheren weltweiten Konflikten nicht einfacher. Sieht man einmal in das Krankenhaus in den sudanesischen Nuba-Bergen, gilt es hier beispielsweise nicht nur Verletzte zu behandeln, sondern auch hunderttausende Kriegsflüchtlinge zu versorgen, die das Gebiet jedes Jahr erreichen. Die Hilfsorganisation sei dabei eine „wichtige Stütze“ für die Menschen in einer Zeit, in der dort sogar Schulen bombardiert und Kinder getötet würden.

Im Libanon gibt man syrischen Geflüchteten-Kindern mit körperlicher oder geistiger Behinderung derweil mit speziell auf sie abgerichteten Therapien die Chance auf ein besseres Leben. „Für viele Familien ist unser Angebot die einzige Möglichkeit, um adäquate Hilfe für ihre Kinder zu erhalten“, so Stephanie Berg von der Hilfsorganisation. Ein Beispiel ist hier der fünfjährige Majed, dessen völlig steife Muskeln man erst lockerte, ihm dann das sitzen beibrachte und der nun an einem „Walker“ erste Schritte in seine Zukunft machen kann.

Spenden und Helfer gebraucht
„Dahinter steckt keine riesige Organisation“, so Bernd Göken: „Wir finanzieren uns ausschließlich durch Spenden.“ Auch wenn es aktuell schwer sei, Prioritäten zu setzen. „Durch die schlanke Struktur sind wir aber sehr flexibel und die Spenden kommen schnell an“, wie er erklärte. Gutes tun kann man über folgendes Spendenkonto:
Sparkasse Köln/Bonn
IBAN: DE85 3705 0198 0002 2222 22
BIC: COLSDE33
„Cap Anamur“ konnte sich über die Jahrzehnte, auch aufgrund seiner transparenten Arbeitsweise, viel Vertrauen aufbauen. Und das sogar in Nordkorea. Hierhin brachte man 1.000 Tonnen an Lebensmitteln in das Land und durfte sich sogar einigermaßen frei bewegen – unter den wachsamen Augen von Aufpassern.

Derzeit suche man aber noch weitere Fachleute und Helfer, die mit anpacken wollen. Dafür sollte man mindestens 25 Jahre alt sein, Experte auf seinem Gebiet und schon drei Jahre an Erfahrung vorweisen können. Wer sich über die tägliche Arbeit der von „Cap Anamur“ informieren will, kann die Hilfsorganisation auch in den sozialen Netzwerken verfolgen.
https://www.instagram.com/capanamur1979
pp/Agentur ProfiPress