Ernte geht weiter
Nach drei Wochen witterungsbedingter Unterbrechung sind Mähdrescher und Ballenpressen wieder im Einsatz
Mechernich – Die Bauern nicht nur im Stadtgebiet Mechernich hoffen jetzt auf einige trockene Tage. Die witterungsbedingt drei Wochen anhaltende Feuchtigkeit hat die Getreideernte 2023 unterbrochen. Erst seit Mittwoch/Donnerstag dieser Woche sind Mähdrescher und Strohballenpressen wieder im Einsatz.

„In der Zülpicher Börde ist das Getreide bis auf einige Restflächen zum Glück abgeerntet“, sagte Helmut Dahmen, Vorsitzender der Kreis-Bauernschaft, im Gespräch mit dem Redakteur Thorsten Wirtz von der Rheinischen Redaktionsgemeinschaft. Aber im Braugerstengürtel am um den Mechernicher Bleiberg und in den Höhenlagen der Eifel stehe noch relativ viel Getreide auf den Feldern.

Mit jedem weiteren Regentag werde die Getreide-Qualität schlechter, so Dahmen: „Wenn die Körner ständig nass sind, besteht die Gefahr, dass sie auf dem Halm wachsen.“ Dieses gekeimte Getreide lasse sich dann nur noch als Futter verwerten. Ende der sechziger, Anfang der siebziger Jahre hatte anhaltender Regen die Getreideernte im Raum Mechernich bis Mitte September hinausgezögert. „Ganze Getreidefelder wurden mit einem Mal wieder grün, weil die Körner in den Ähren hoch aufgesprossen sind“, erinnerte sich ein Landwirt aus Zingsheim.
Rapsschoten könnten platzen
Auch beim im Sommer 2023 noch immer nicht geernteten Raps wird der Regen zu Ernteeinbußen führen. Helmut Dahmen: „Die Schoten können aufplatzen und die Früchte herausfallen. Wir hoffen alle, dass sich ein Erntefenster mit einigen trockenen Tagen auftut.“

Für die anderen Kulturen im Kreis Euskirchen sei der Regen keine Gefahr, im Gegenteil. Dahmen in der „Kölnischen Rundschau“ und im „Kölner Stadt-Anzeiger“: „Für das Grünland ist es ein Segen, und Zuckerrüben, Mais und Kartoffeln kommen damit ebenfalls gut klar.“

Rund die Hälfte der Ackerfläche in Nordrhein-Westfalen wird für den Getreideanbau genutzt. Vor der Nässe seit Mitte Juli hatte bereits im Frühjahr und Frühsommer anhaltende Trockenheit die Ernteaussichten getrübt. Nach Prognose des Deutschen Bauernverbandes ist deutschlandweit mit einer weit unterdurchschnittlichen Getreideernte zu rechnen.

Das nasse Frühjahr erschwerte die Pflege und Düngung der Winterbestände und verzögerte die Aussaat von Sommergetreide, weil die Flächen nicht befahrbar waren. Auf die ausgiebige Regenzeit folgte eine lange, mehrwöchige Trockenzeit von Mai bis Ende Juni. Dann kam nach der Wintergerstenernte die Regenwelle im Juli.

2022 wurden in Nordrhein-Westfalen 491 100 Hektar Getreide angebaut. Das entspricht der Hälfte des Ackerlandes. Die wichtigste Getreideart in NRW ist der Winterweizen, der 2022 auf 244 000 Hektar stand. An zweiter Stelle folgt die Wintergerste mit 144 300 Hektar. Die Anbaufläche von Triticale, einer Getreidesorte, die zur Familie der Süßgräser gehört, lag bei 55 500 Hektar. Roggen, früher das wichtigste Brotgetreide, wurde in NRW nur noch auf 34 700 Hektar angebaut.
pp/Agentur ProfiPress