„Der Meiler steht in Mechernich“
80-Euro-Waldi entzündet bei Düttling im Beisein der Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick (Mechernich) und Jochen Weiler (Heimbach) traditionellen Holzkohlereaktor – Ein Bericht für die Kölner Tageszeitungen und die Agentur ProfiPress von Stephan Everling
Mechernich/Düttling – „Wo steht er denn nun?“ War noch vor einigen Jahren behauptet worden, der Holzkohlemeiler im Nationalpark unweit des Heimbacher Stadtteils Düttling stehe eigentlich auf Schleidener Stadtgebiet, so kam Pfingstsamstag, als der Meiler entzündet wurde, die Bestätigung: Mechernich kann mit Fug und Recht den Anspruch erheben, Heimatkommune des symbolträchtigen Holzhaufens zu sein.

„Da ist Heimbach, dort ist Schleiden, und hier ist Mechernich“, stellte Oberköhler Gerd Linden die topographische Verortung des Meilers endgültig klar. Und Mechernichs Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick wies darauf hin, dass sich wenige Meter bergauf auch ein Wasserwerk seiner Stadt befinde.

Fast wäre es bei der Entzündung des am Städtedreiecks aufgebauten Meilers auch zu einem interkommunalen Gipfeltreffen gekommen, denn die Bürgermeister von Mechernich und Heimbach, Dr. Hans-Peter Schick und Jochen Weiler, verfolgten die wie immer mit großem Aufwand inszenierte Veranstaltung. Doch Schleidens Bürgermeister Ingo Pfennings musste kurzfristig wegen eines privaten Termins auf seinen eigentlich avisierten Besuch verzichten.

Doch ob Stadtoberhäupter, die Europaabgeordnete Sabine Verheyen, der Landtagsabgeordnete Dr. Ralf Nolten oder der stellvertretende Landrat Leo Wolter – die Aufmerksamkeit der Mehrheit der Besucher zog nur eine Person auf sich: Walter Lehnertz, besser bekannt als „80-Euro-Waldi“ aus der Fernsehkultsendung „Bares für Rares“, Antiquitätenhändler aus Kall-Krekel. Ihn hatte Gerd Linden dieses Jahr auserkoren, den Meiler im Jubiläumsjahr des Nationalparks zu entzünden.
Lanz Bulldog und 80-Euro-Note
Dazu hatte der Köhlerchef sich wie immer eine originelle Methode ausgedacht, um so profane Dinge wie Feuerzeug oder Streichhölzer zu vermeiden. Er hatte Martin Feck aus Düren eingeladen, mit seinem Lanz Bulldog aus dem Jahr 1942 zum Meiler zu kommen, um den entscheidenden Funken zu liefern. Denn der Traktor läuft auch heute noch mit einem Holzvergaser, der in den Jahren des Zweiten Weltkrieges, als Diesel zur Mangelware wurde, gar nicht so selten war.

„Vom Werk aus hat der Lanz 25 PS“, erläuterte Feck. Er hatte das historische Schätzchen mit dem Tieflader in den Kermeter gebracht, denn weder ist der Oldtimer-Traktor für derart weite Fahrten geeignet noch überhaupt für den Straßenverkehr zugelassen. 4,7 Liter Hubraum hat der Lanz laut den Original-Werksangaben, eine Spitzengeschwindigkeit von 15 Stundenkilometern bei einem Holzverbrauch von rund einem Kilogramm pro PS und Stunde.

Während der Lanz gemütlich vor sich hin tuckerte, stellte der kommissarische Nationalparkleiter Michael Lammertz als Moderator dem Publikum den diesjährigen Ehrengast und Feuerteufel vor. „Das ist das erste Mal, das ich etwas anzünde und dann nicht bestraft werde“, scherzte „Waldi“ Lehnertz, als er sich vor dem überdimensionalen Maulwurfshügel aufstellte, wie Heimbachs Pfarrer Kurt-Josef Wecker den Meiler einmal bezeichnet hatte.

Die Idee zu der Aktion mit Lehnertz sei entstanden, als die Eifeler Köhler bei einem Köhlertreffen auf den aus der Fernsehsendung „Bares für Rares“ bekannten Antikhändler angesprochen worden seien, erinnerte sich Linden. „Was ist das denn?“ habe er zuerst gesagt, als er von Linden zum ersten Mal davon gehört habe, er solle einen Meiler anzünden, erinnerte sich Lehnertz.
Grillanzünder und Lötlampe
Und damit keine Missverständnisse aufkämen: „Ich bin für lau hier, damit das Finanzamt das schon mal weiß.“ Eigentlich sollte Lehnertz mit einem seiner selbstgedruckten 80-Euro-Scheine als Fidibus das Feuer aus dem Vergaser holen, doch als diese auch mit der Zugabe von flüssigem Grillanzünder nicht so richtig brennen wollten, nahm Feck kurzerhand die mächtige Lötlampe zu Hilfe, mit der er normalerweise seinen Lanz in Gang setzt.

Damit entzündete er einen Eimer voll Spaltholz, den Lehnertz dann auf den Meiler trug. „Me moss sich ze hellepe wösse“, so Gerd Linden. Nach dem Segen, den der Heimbacher Pfarrer Hubert Wecker sprach, beförderte TV-Star Lehnertz die brennenden Holzstücke mit einer Schaufel in das Zündloch, das sich an der Spitze des mehrere Meter hohen Meilers befindet. Dann kam Bewegung in das Köhlerteam.

In einer Eimerkette beförderten sie die „Füchse“ vom Meilerplatz hoch zum Zündloch, die halbverkohlten Holzscheite, die am Rand des vorherigen Meilers gelegen hatten und nun als Zündmaterial dienten. Mit einer Flasche „Schwazzer Kerl“, dem eigens für das Meilerfest gebrauten Bier, wurde anschließend die erfolgreiche Zündung zünftig begossen.

Nun qualmt er wieder – der Düttlinger Holzmeiler. Voraussichtlich zwischen sechs und neun Tage, abhängig von Wind und Wetter, wird es dauern, bis sich die Glut durch die 60 Raummeter Buchenholz gefressen und damit Holzkohle produziert hat. In dieser Zeit werden die Köhler 24 Stunden pro Tag vor Ort sein und den Verkohlungsprozess überwachen.
Über Besuch freuen sie sich in dieser Zeit immer, wenn sie am Lagerfeuer sitzen, Geschichten erzählen und auch mal eine Gitarre ausgepackt wird. Köhlerfeste werden gefeiert am Sonntag, 26. Mai, und am Donnerstag, 30. Mai. Die Erntephase wird voraussichtlich von Montag, 27. Mai, bis Donnerstag, 30. Mai, andauern.
Fete am Sonntag, 26. Mai
Am Sonntag, 26. Mai, wird am Holzkohlemeiler im Nationalpark der Europäische Tag der Parke gefeiert, der in diesem Jahr mit dem 20. Jubiläum des Nationalparks zusammenfällt. Neben Info-Ständen führen drei Junior-Ranger-Touren in die nahe Wildniswerkstatt Düttling, die ansonsten nur Kindern und Jugendlichen vorbehalten ist.

An einer speziell ausgearbeiteten Tour wollen Ranger des Nationalparks bereitstehen, um über ihre Arbeit zu informieren. Dazu gibt es eine Vorführung der Greifvogelstation Hellenthal, einen Handwerkermarkt und kostenlose Führungen an den Meiler.
pp/Agentur ProfiPress