Vom Höhlen- zum Stadtmensch
Mechernich feiert 50 Jahre Stadtrechte mit einem großen Brunnen- und Stadtfest am 9. und 10. August – Musikalische Zeitreise mit Feuerwerk in Kommern, Festumzug, Partnerstädte zu Besuch und ganz viel Programm in der Stadt am Bleiberg
Mechernich – Es ist eines dieser Bilder, das hängen bleibt: Ein Umzugswagen zieht durch die Innenstadt, darauf ein zotteliger Höhlenmensch mit erhobenem Arm, ein Schild in der Hand – „Vom Höhlenmenschen zum Stadtbewohner!“ steht darauf. Drum herum verkleidete Mechernicher mit Hörnerhelmen, Fellen und viel Humor. Der Festzug zur Stadtwerdung im Jahr 1975 wurde von der Bevölkerung mit einer Prise Selbstironie begleitet. Und doch schwang Stolz mit – über das Erreichte, über den Wandel, über die neue Rolle. Denn was damals gefeiert wurde, war mehr als ein neuer Titel. Die Entscheidung des Düsseldorfer Landeskabinetts, Mechernich zur Stadt zu erheben, war ein Meilenstein in der jüngeren Geschichte des einstigen Bergarbeiterdorfes.
Es war ein Freitagnachmittag im Juli 1975, genauer gesagt, der 25. Juli, als der damalige Gemeinde- und spätere Stadtdirektor Helmut Rosen nach einer Urlaubswanderung von der Nachricht überrascht wurde: Das Landeskabinett in Düsseldorf hatte beschlossen, der Gemeinde Mechernich den Titel „Stadt“ zu verleihen. „Die dpa-Nachricht löste bei der Bürgerschaft freudige Überraschung und bei mir im Hause in der früheren Bergarbeitersiedlung der Bergstraße einige Sektkorken aus“, schreibt Rosen später im Kreisjahrbuch. Schließlich war die Stadtwerdung ein weiterer Beleg für den erfolgreichen Wandel eines ehemaligen Bergarbeiterdorfs hin zu einem aufstrebenden Mittelzentrum.

Helmut Rosen schreibt weiter: „Man möge es mir nachsehen, wenn ich stolz auf diese Meldung war; aber nicht aus einem persönlichen Ehrgeiz heraus, sondern aus der Tatsache, dass man von höchster Stelle die Aufbauleistungen von Mechernich und seiner kommunalen Gemeinschaft gewürdigt und durch die hervorgehobene Titelverleihung anerkannt hat.“ Die Stadtwerdung war also das Ergebnis jahrelanger Aufbauarbeit.
Über Jahrhunderte hatte der Bleibergbau Mechernich geprägt, und mit der industriellen Entwicklung kamen neue Wohnsiedlungen, Infrastruktur und Verwaltungsfunktionen hinzu. Nach dem Ende der Bergbautätigkeit in den 1950er Jahren übernahm die Bundeswehr eine tragende Rolle für Arbeitsplätze und Stadtentwicklung. Mechernich wurde Garnisonsstadt mit Kaserne, Untertageanlage im ehemaligen Bergwerksstollen, neuen Wohnquartieren und militärischen Einrichtungen, die das Stadtbild prägten.

Im Zuge der kommunalen Neugliederung wurde Mechernich zur größten Gemeinde des neuen Kreises Euskirchen – mit damals 42 Ortsteilen, starken wirtschaftlichen Verflechtungen und wachsender Infrastruktur. Diese Entwicklung war es, die schließlich zur offiziellen Stadtwerdung führte.
Musikalisches Feuerwerk
50 Jahre später möchte Mechernich dieses Jubiläum mit einem großen Stadt- und Brunnenfest am Wochenende des 9. und 10. August gebührend feiern. Den Auftakt macht ein musikalisches Feuerwerk am Samstagabend auf dem Arenbergplatz in Kommern, das mit einem echten Feuerwerk zum Finale endet. Dort lädt Dieter Kirchenbauer mit seiner zwölfköpfigen Band „Decay and the Tone Kings“ zu einer musikalischen Zeitreise ins Jahr 1975 ein: Von AC/DC bis Dire Straits, von Joe Cocker bis Santana – unter dem Motto „Golden Years – Golden Hits“.

Dass der Eintritt für das Open-Air-Konzert frei ist, wird erneut durch die Unterstützung des Hauptsponsors Westenergie ermöglicht. „Als im Januar die Anfrage von der Stadt kam, ob wir uns wieder engagieren möchten, war das für uns eine Herzensangelegenheit“, sagte Westenergie-Regionalmanager Achim Diewald zuletzt während einer Pressekonferenz. Bereits beim Stadtfest vor drei Jahren war das Unternehmen als Hauptsponsor mit dabei. „Wir wissen, wie viel Arbeit in der Organisation steckt, und wir freuen uns, wieder vor Ort mit dabei zu sein.“
Ralf Claßen, Dezernent und Kämmerer der Stadt Mechernich, dankte dem Unternehmen herzlich für diese Unterstützung. Zudem stellte er das umfassende Programm für das Festwochenende vor. „Es soll vor allem ein Fest für die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt sein“, betonte Claßen.

Mit Dose, Pinsel und Kamera
Am Sonntag beginnt das Programm in Mechernich mit einem ökumenischen Gottesdienst auf dem Brunnenplatz. Danach zieht ein großer Festumzug vom Grundschulparkplatz durch die Innenstadt bis zum Rathaus. Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick eröffnet dort gegen Mittag offiziell das Bühnenprogramm. Musik, Infostände, Familienangebote, kulinarische Vielfalt und ein verkaufsoffener Sonntag runden das Stadtfest ab. Auch die Partnerstädte Nyons (Frankreich) und Skarszewy (Polen) haben sich angekündigt.
Besonders lebendig wird es auch abseits der Bühne: Mit Pinsel, Dose und Kamera bringt Mechernich sich selbst ins Bild. So werden gleich drei verschiedene Projekte das Brunnenfest am Sonntag bereichern. Dazu soll das bald abzureißende Gebäude des ehemaligen Getränkemarktes von jungen Kunstinteressierten ab zehn Jahren bemalt und besprayt werden. Zudem wird auch der Ratssaal für die Besucher zugänglich sein. Neben einer Sammlung von Ortsporträts in Form von kleinen Filmen sollen hier auch neun Staffeleien Mechernicher Kunstschaffenden ausgestellt werden.

Die Idee, einen Teil der Fassade des ehemaligen China-Restaurants, schräg gegenüber des Rathauses, vor dem Abriss neu zu gestalten, entstand dabei zwischen dem Mechernicher Künstler Franz Kruse und Daniel Ottersbach der K.O.T. (Kleine Offene Tür) Mechernich. Unterstützung erhielten die Beiden von dem Verein Mechernich Aktiv.
Die „Kunst am Bau auf Zeit”, wie Ottersbach das Projekt spontan benannte, soll dabei von Jugendlichen gemalt werden. Auch wenn er bereits Kontakt mit der Gesamtschule herstellte, sind die Organisatoren weiterhin auf der Suche nach kreativen Köpfen für diese wohl einmalige Aktion. Für den Tag des Brunnenfestes soll an der Fassade dann noch eine Ecke freigelassen werden, so dass auch die jungen Besucher sich an dieser Fläche austoben können. „Eine schöne Idee wäre es, die Wand mit Handabdrücken der Kinder zu gestalten” fügte Ottersbach hinzu.

Aktionen im Ratssaal
Am Sonntag wird es zudem in der obersten Etage des Rathauses etwas zu entdecken geben. Im Raum 203 wird sich das Bergbaumuseum mit einer kleinen Ausstellung und einem Video präsentieren. Im Ratssaal werden Franz Kruse und Donata Reinhard gemeinsam mit Akteuren des Mechernicher Kunst Vereins eine kleine Ausstellung, bestehend aus neun Staffeleien, zeigen.
Unter dem Motto „Wir sind gerne Mechernicher“ durften Künstler aus der Umgebung kreativ werden und Bezug auf alles nehmen, was einem an der Stadt so gefällt. „Egal ob Landschaft, Verkehrsanbindung oder die medizinische Versorgung”, so Kruse. Wichtig sei nur der Bezug zum Geburtstagskind Mechernich gewesen. Zudem wurde ein großes Banner mit dem Motto und ein Schild mit der Aufschrift „50 Jahre Mechernich“ gestaltet, die dann am Tag des Festes den Zaun des Ratsaal-Balkons zieren.

Außerdem wird im Ratssaal ein Videoprojekt gezeigt, in dem die verschiedenen Ortsteile Mechernichs vorgestellt werden sollen. Die Idee wurde dabei maßgeblich von Dr. Manfred Rechs vorangetrieben. „Im Januar haben ich mich mit den Ortsbürgermeistern getroffen. Die Resonanz war sehr gut”, berichtet Rechs. „Wir haben hier ja auch ein paar Perlen von Ortschaften“, fügte Heinz Schmitz hinzu. Die bisherigen Einsendungen und das, was noch in Bearbeitung ist, kann sich bereits sehen lassen. Trotzdem freut sich Dr. Rechs über weitere Ideen und Zusendungen.
Ein Projekt, in das viel Herzblut fließt. „Es ist wirklich schön, wie viel Mühe sich die Menschen geben. Von Bildern über kleine Interviews bis zu Drohnenfahrten ist alles dabei.“ Teilweise mit großer Unterstützung seinerseits. „Da steckt wirklich sehr viel Arbeit hinter“, lobte Björn Schäfer, der im städtischen Orga-Team mitarbeitet. Für Rechs Ehrensache: „Ich mache das wirklich gerne.“

So bringt das Projekt nicht nur die Vielfalt der Ortsteile zum Ausdruck, sondern auch das Engagement der Menschen, die Mechernich zu dem machen, was es ist. Draußen auf den Straßen setzt sich diese Lebendigkeit fort: Musikalisch sorgen unter anderem Uwe Reetz, die PGM Big Band und die „Männer von Flake“ für Unterhaltung. Zahlreiche Aussteller, Vereine und Kinderattraktionen beleben die Innenstadt. Neben der Bundeswehr präsentieren sich auch Blaulicht-Organisationen wie Feuerwehr, Polizei und DRK. „Mit einer umherwandernden Band wird Musik in alle Ecken der Stadt gebracht“, erklärt René Zander vom städtischen Orga-Team.
Verkaufsoffener Sonntag
„Gleichzeitig lädt der Einzelhandel zum verkaufsoffenen Sonntag ein“, betont Petra Himmrich. Ihre Mitstreiterin Margret Eich sagt: „Wir von Mechernich Aktiv sind natürlich super gerne wieder dabei. Es macht immer große Freude mit der Stadt zusammenzuarbeiten.“
Denn, was damals mit einem Festzug durch die Straßen gefeiert wurde – begleitet von einem Höhlenmenschen auf dem Wagen und einem Augenzwinkern – setzt sich heute fort: Wieder wird gefeiert, wieder zieht ein Umzug durch die Stadt. Inzwischen ist Mechernich längst angekommen als Stadt und das mit Geschichte, gewachsener Struktur, starkem Gemeinschaftsgefühl und tollen Partnerstädten – und so werden auch wieder Delegationen aus Nyons (Frankreich) und Skarszewy (Polen) zum Jubiläumswochenende erwartet.
pp/Agentur ProfiPress