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Haltung fürs Leben lernen

Der Rotkreuz-Kindergarten „Die kleinen Strolche“ in Dollendorf füllt seinen Schützlingen den „Lebensrucksack“ eigener Erfahrungen – Zum wiederholten Mal wieder als „Haus der kleinen Forscher“ ausgezeichnet

Dollendorf/Kreis Euskirchen – Wenn die Begriffe „ganzheitlich“ und „nachhaltig“ auf eine Einrichtung zutreffen, dann auf die Rotkreuz-Kindertagesstätte „Kleine Strolche“ in Dollendorf (Gemeinde Blankenheim).

Der von Birgit Bresgen und sechs Erzieherinnen geleitete Kindergarten ist unter anderem Klimakindergarten, „Nationalpark“-Kita, naturwissenschaftlich ausgerichtetes „Haus der kleinen Forscher“, Bewegungskindergarten und verfügt über einen eigenen Obst- und Gemüsegarten, in dem die Kinder von der Saat bis zur Ernte die Vegetationsperioden miterleben.

Birgit Bresgen: „Es geht in allem um Haltung und Bildung…“ Man bemüht sich in Dollendorf um die Erweiterung des Horizonts der jungen Schützlinge in jeder Hinsicht und bringt ihnen andere Länder und Kulturen nahe, man engagiert sich im Dorf und in der Welt, kümmert sich um Abfallvermeidung und Recycling.

Heike Iven (r.) und Birgit Bresgen mit elektrotechnisch bereits versierten „kleinen Strolchen“ im Rotkreuz-Kindergarten in Dollendorf. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

„Beim Erntedankgottesdienst in der Dollendorfer Pfarrkirche machen auch die muslimischen Kinder mit“, so Birgit Bresgen: „Und die christlichen Jungen und Mädchen wissen, was Ramadan und Zuckerfest sind.“ Heimatbewusstsein und Weltoffenheit sind in dieser wie anderen Rotkreuz-Einrichtungen keine Widersprüche, sondern Programm.

Seit 13 Jahren kindgerechte Wissenschaft

Jetzt überbrachte Heike Iven, die Leiterin der Rotkreuz-Familienbildung, zum wiederholten Male nach neuerlicher Überprüfung und Check durch die Trägerstiftung die Urkunde zur Rezertifizierung als „Haus der kleinen Forscher“ nach Dollendorf.

Die Erzieherinnen nahmen die neuerliche Auszeichnung mit Freuden entgegen. Man ist seit 13 Jahren dabei – von Anfang an. Die Kita-Leiterin: „Es geht nicht darum, dass wir uns eine weitere Urkunde an die Eingangstür hängen, sondern, dass wir das mit den Kindern auch leben…“ Die Stichworte sind Kontinuität, Konsequenz und Relevanz. Heike Iven: „Man muss die Dinge im Alltag erfahrbar machen, es reicht nicht, dreimal in der Woche ein Reagenzglas zur Hand zu nehmen, um Miniforscher zu werden…“

Das ganze Gartenjahr hindurch können die 45 „Pänz“ der Rotkreuz-Kindertagesstätte „Die kleinen Strolche“ eigene Erfahrungen in Aussaat, Pflanzung, Pflege, Ernte und Verzehren von Obst und Gemüse sammeln. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Die Schützlinge sollen den Rotkreuz-Kindergarten „Die kleinen Strolche“ irgendwann mit einer menschen- und umweltfreundlichen Haltung verlassen, so Birgit Bresgen, und das im Laufe ihrer weiteren Entwicklung zur Lebenseinstellung formen. Deshalb machen die Dollendorfer Kindergarten-„Pänz“ auch viel in Wald und Natur – und interessieren sich als „kleine Forscher“ spielerisch und wie nebenbei für Physik, Chemie und Biologie. 

In hundert Schulen und Kindergärten im Kreis Euskirchen forschen und experimentieren Kinder nach Lust und Neugier. Diese 87 Kindertagesstätten und 13 Grundschulen sind im Netzwerk „Haus der kleinen Forscher“ zusammengeschlossen, das 2011 gegründet wurde und von Rolf Klöcker, dem Kreisgeschäftsführer des Roten Kreuzes, als lokalem Netzwerkkoordinator geleitet wird.

Birgit Bresgen schult Erzieher

Das Rote Kreuz beteiligt sich seit Gründung der Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ im Jahr 2006 an dem Projekt und hat sich wegen des überaus positiven Feedbacks der Kinder, Eltern, Erzieher und Kindergartenträger im Jahr 2011 dazu entschlossen, die Angebote auch trägerübergreifend für andere Kindergartenbetreiber anzubieten. Ebenfalls seit 2011 ist das lokale Netzwerk um den Kreis Euskirchen erweitert worden.

Heike Iven (l.), die Leiterin der Rotkreuz-Familienbildung, überbrachte zum wiederholten Male nach neuerlicher Überprüfung und Check durch die Trägerstiftung die Urkunde zur Rezertifizierung als „Haus der kleinen Forscher“ nach Dollendorf. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Heike Iven: „Über 800 Erzieherinnen, Erzieher und Lehrer sind im Rahmen dieses Netzwerks schon ausgebildet worden, eine ganze Reihe davon sind durch Birgit Bresgens Hände als Multiplikatorin und Ausbilderin gegangen – und zwar längst nicht nur welche, die in der Trägerschaft des Roten Kreuzes arbeiten.“

Die Leiterin der Rotkreuz-Familienbildung: „Es geht darum, dass die Kinder eigene Sinneserfahrungen mit ihren »naturwissenschaftlichen Erkenntnissen« verbinden: Wasser im Tümpel oder Regen auf der eigenen Haut sind etwas völlig anderes als Wasser im Tablet oder im Fernsehen. Mit dem Experiment »Wie viele Wassertropfen gehen auf ein Centstück?« lernen sie etwas Unvergessliches über die Oberflächenspannung des Wassers…“

Birgit Bresgen war mit ihrem Dollendorfer Rotkreuz-Kindergarten „Die kleinen Strolche“ einer der ersten überhaupt. Das Kindergartengebäude musste damals saniert und energetisch überholt werden. Die „Pänz“ hatten Fragen: Warum Isolierung, warum neue Fenster, warum werden die guten Pfannen auf dem Dach erneuert? Birgit Bresgen: „Energie und Umweltschutz bestimmten fortan unsere pädagogische Arbeit.“ Die logische Konsequenz: 2009 wurden „Die kleinen Strolche“ per Zertifikat erstmals zu jungen Forschern ernannt.

„Bei der spielerischen Beschäftigung mit Klängen und Geräuschen, Strom und Energie, Licht und Farben gibt es kein »Richtig«, sondern viele Erklärungen sind zulässig“, so Heike Iven, die Leiterin des Familienbildungswerks, bei der Übergabe der neuerlichen Rezertifizierungs-Urkunde.

Auf dem kindergarteneigenen Energierad können die jungen Forscher per Stromerzeuger eine Lichtleiste zum Leuchten bringen. Ein aus Dollendorf stammender US-Klimaforscher hat es gestiftet. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Mehrere Generationen stehen hinter DRK-Kita

Der Kindergarten Dollendorf ist schon über 50 Jahre der zentrale Anlauf- und Erziehungspunkt in den Blankenheimer Highlands, zunächst unter kommunaler Trägerschaft, jetzt unter dem Dach des Roten Kreuzes im Kreis Euskirchen. Die nach den Prinzipien Maria Montessoris arbeitende Erzieherin Birgit Bresgen ist schon seit 25 Jahren die Leiterin. Ihr Anspruch: „Möglichst viele dauerhafte Bildungsanlässe für die Kinder schaffen, die sie in den Rucksack ihrer Lebenserfahrungen packen können.“

Das funktioniert über die Generationen. Heute steht eine Elternschaft hinter dem Rotkreuz-Kindergarten, die ihn selbst bereits besucht hat. Die Unterstützung bei allen Projekten, wo Hilfe nötig ist, ist gigantisch. Birgit Bresgen: „Ich erfahre stets große Unterstützung der Eltern und aus dem Dorf!“

Die Erzieherinnen in ihrem Team identifizieren sich nicht nur ausdrücklich mit den Zielen des Rotkreuz-Kindergartens Dollendorf, sie nehmen auch, jede für sich, regelmäßig an unterschiedlichen Fortbildungsangeboten teil.

pp/Agentur ProfiPress