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Aktiv gegen Islamfeindlichkeit

In Mechernich beschäftigten sich rund 40 Teilnehmer mit dem Rassismus gegen Muslime – Pressespiegel nach einem Bericht von Stephan Everling in der Kölnischen Rundschau und im Kölner Stadt-Anzeiger

Mechernich – Ein gesellschaftliches Thema, das eher selten Aufmerksamkeit erregt, ist der alltägliche Rassismus gegen Muslime in Deutschland. Mit einem Workshop auf Initiative des Kommunalen Bildungs- und Integrationszentrums (Kobiz) des Kreises widmeten sich rund 40 Teilnehmer im Mechernicher Johanneshaus dieser Problematik, heißt es in einem Bericht von Kölnischer Rundschau und Kölner Stadt-Anzeiger.

Als Dozenten zu Besuch in Mechernich: Imam Alban Mazreka (v.l.), Katharina Wonnemann, Bareen Wahed, Lena von Seggern und Roland Kuhlen. Foto: Stephan Everling/pp/Agentur ProfiPress
Als Dozenten zu Besuch in Mechernich: Imam Alban Mazreka (v.l.), Katharina Wonnemann, Bareen Wahed, Lena von Seggern und Roland Kuhlen. Foto: Stephan Everling/pp/Agentur ProfiPress

„Wir sind schon mit vielen Partnern unterwegs“, sagte Roland Kuhlen, Leiter des Kobiz, gegenüber Journalist Stephan Everling. Bereits im März habe es ein erstes Treffen gegeben, doch nun wurde zum ersten Mal in dieser Konstellation zu einer Veranstaltung eingeladen. Mit dabei waren Katharina Wonnemann, Akademie IP-Vogelsang, Lena von Seggern, Servicestellung für Anti-Diskriminierung der Caritas Euskirchen, Bareen Wahed von Coach e.V. und der Imam der Balkanisch-Islamischen Kulturgemeinde, Alban Mazreka.

Ein tabuisiertes Thema

„Wir wollen erfahren, wie es Menschen geht, die als Muslime wahrgenommen werden“, wird Kuhlen in den Zeitungsberichten zitiert. In Gesprächen unter vier Augen hätten ihm Muslime oft von Problemen berichtet. Oft fühlen sie sich in ihrer Religion nicht ernst genommen, habe er festgestellt. Und sie leiden unter Alltagsdiskriminierung, über die sie aber nur selten sprechen. „Wir wollen uns dem Thema widmen, die Menschen wertschätzen und die Religion ernst nehmen“, so Kuhlen. „Das Thema wird tabuisiert“, sagte auch Lena von Seggern. Muslime, die Diskriminierungserfahrungen machen, kommen ihrer Erfahrung nach nicht zu den Servicestellen, um sich dort auszutauschen und Rat zu suchen.

„Ich erlebe es oft, dass ich angerufen werde, und die Menschen berichten über ihre Erfahrungen“, so Imam Mazreka gegenüber Journalist Stephan Everling. Viele offenbarten dann Themen, über die sie in der Öffentlichkeit nicht sprechen würden. Menschen, die als Muslime wahrgenommen werden, erfahren zuweilen Nachteile bei der Wohnungs- oder Jobsuche. „Man sollte über die Ängste und Sorgen dieser Menschen sprechen“, so Mazreka. Auch wer nicht betroffen sei, habe hier Gelegenheit, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Als Nicht-Muslim sei er in der Thematik ein Lernender, bekannte Kuhlen. „Wo sind die Grenzen? Was wird als Diskriminierung empfunden?“, fasste er die Fragestellung zusammen.

Rund 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer nahmen im Mechernicher Johanneshaus an dem Workshop teil. Foto: Stephan Everling/pp/Agentur ProfiPress
Rund 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer nahmen im Mechernicher Johanneshaus an dem Workshop teil. Foto: Stephan Everling/pp/Agentur ProfiPress

Mit einem Impulsvortrag von Imam Mazreka startete die Veranstaltung, heißt es in dem gleichlautenden Bericht in den beiden im Mechernicher Stadtgebiet erscheinenden Tageszeitungen. Mazreka machte zuerst die Position des Islam gegen Rassismus deutlich mit Textpassagen des Propheten Mohammed. „Ein Araber ist nicht besser als ein Nichtaraber“, zitierte er. Und betonte: „Der Islam verneint Rassismus.“

Einen „Safespace“ eingerichtet

Der Mensch entscheide nicht über seine Herkunft, allerdings könne er über die Religion entscheiden. Er stellte sich deutlich gegen den Begriff „Islamkritik“. Dabei werde versucht, unter einem Deckmantel Hass gegen den Islam zu verbreiten. Er wolle nicht gegen die Gesellschaft reden. Deutschland, wo er aufgewachsen sei, sei ein freies Land, aber es gebe Probleme. Auch die Medien hätten zu Islamhass beigetragen, führte er aus. Die Überschriften seien teilweise furchteinflößend. Auch bei islamfeindlichen Wahlplakaten, wie sie etwa von der AfD zu sehen seien, gebe es keinen gesellschaftlichen Aufschrei.

In kleineren Gruppen setzten sich die Teilnehmer des Workshops anschließend zusammen, um über die Thematik zu diskutieren. Als besonderes Angebot gab es einen „Safespace“, der nur für Muslime zugänglich war, und in dem sie geschützt über ihre Erfahrungen mit Alltagsrassismus berichten konnten.

pp/Agentur ProfiPress