Kein Urlaubs- und Weihnachtsgeld?

Kein Urlaubs- und Weihnachtsgeld?
Betriebsversammlung bei der Deutschen Mechatronics – Am 17. April vors Schiedsgericht – Überleben des Unternehmens soll gesichert werden
Mechernich – Am 8. April 2009 hat bei der Deutschen Mechatronics (DMT) in Mechernich eine Betriebsversammlung stattgefunden, bei der Betriebsrat, die IG-Metall und die Geschäftsführung über die Fortschritte der Verhandlungen zum Interessenausgleich informiert haben.
“Angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung arbeiten alle Parteien weiterhin mit vereinten Kräften an der langfristigen Zukunftssicherung des Unternehmens”, schreibt die Unternehmenssprecherin Astrid Voß in einer offiziellen Pressemitteilung: “So schmerzhaft die Wirtschaftskrise die DMT auch trifft: Sie ist bereit, sich neu zu strukturieren, aufgrund des Umsatzrückgangs von über 50 Prozent die Belegschaftsstärke auf 360 Mitarbeiter zu reduzieren und für den Fortbestand des Unternehmens mit Zukunftskonzepten zu kämpfen.”
Kontroverse über Finanzen
für Transfergesellschaft
In vielen kleinen Schritten sei zusammen mit dem Betriebsrat erreicht worden, dass die ursprüngliche Größenordnung von 220 zu entlassenden Mitarbeitern “deutlich und gleichzeitig sozialverträglich reduziert” werden könne. Wie die “Kölnische Rundschau” in ihrer aktuellen Ausgabe an Gründonnerstag schreibt, müsse trotz einiger Verhandlungsfortschritte “in einem Punkt die Einigungsstelle des Schiedsgerichts am 17. April entscheiden – und zwar über die finanzielle Ausgestaltung der Transfergesellschaft”. Das hätten ihm Betriebsrat und Geschäftsleitung bestätigt, so der Redakteur Ronald Larmann.
Beide Seiten hofften, zu einer einvernehmlichen Lösung zu kommen.
Von den letztlich aktuell von Entlassung bedrohten 160 Mitarbeitern könnten bis zu 70 Mitarbeiter bis zu zwei Jahre an einer Qualifikation teilnehmen. Rund 80 bis 100 Mitarbeiter erhielten ein Angebot zum Wechsel in eine Transfergesellschaft. Allerdings müssten auch die verbleibenden Mitarbeiter ihren Beitrag leisten. “Wir sind daher mit dem Tarifpartner in Verhandlung, das Weihnachts- und Urlaubsgeld für 2009 und 2010 auszusetzen”, wird Dr. Andreas Kosmider, der kaufmännische Geschäftsführer, zitiert.
Nach Qualifizierung wieder
zurück ins Unternehmen?
Wie Unternehmenssprecherin Astrid Voß betont, gehe die Geschäftsführung davon aus, dass die weiterqualifizierten Mitarbeiter “zu einem späteren Zeitpunkt wieder an verantwortungsvollen Positionen im Unternehmen eingesetzt werden können”. Gespräche mit verschiedenen Qualifizierungsgesellschaften hätten bereits begonnen und die DTMT rechne damit, dass die ersten Kurse Anfang Mai starten können.
“Abhängig vom Ergebnis der Gespräche wird rund 80 bis 100 Mitarbeitern ein Angebot auf den Übergang in eine Transfergesellschaft gemacht werden”, heißt es in der Presseerklärung: “Dabei ist es der Geschäftsführung besonders wichtig, die Mitarbeiter auf ihrem Weg optimal zu betreuen. Deshalb hat sie in den letzten Tagen intensiv mit dem Betriebsrat die Ausgestaltung, den Service und die Leistungen der Transfergesellschaft verhandelt.”
Lediglich die finanziellen Aspekte der Transfergesellschaft würden noch kontrovers diskutiert. “Mit Stand von heute findet am 17. April ein Termin mit der Einigungsstelle des Schiedsgerichts statt, um auch in diesem Punkt zu einer einvernehmlichen Lösung zu kommen”, heißt es wörtlich in der Unternehmenserklärung.
“Neues in den letzten
beiden Aprilwochen”
“Wir sind uns unserer Verantwortung für die Mitarbeiter und das Unternehmen bewusst und sind daher um die bestmögliche Lösung bemüht”, versicherte der Geschäftsführende Gesellschafter, Dr. Karlheinz Sossenheimer. “Sobald hierzu die letzten Entscheidungen gefallen sind, werden wir alle Mitarbeiter darüber informieren können – wir gehen davon aus, dass dies in den letzten beiden Aprilwochen geschehen wird.”
Eine Reduktion der Mitarbeiterzahl als alleinige Reaktion auf den zurückgehenden Umsatz sei allerdings nicht ausreichend. Auch die verbleibenden Mitarbeiter müssten ihren Beitrag leisten, heißt es in der Erklärung der Unternehmensleitung. “Wir sind daher mit dem Tarifpartner in Verhandlung, das Weihnachts- und Urlaubsgeld für 2009 und 2010 auszusetzen. Gleichzeitig werden auch die Tantiemen aller außertariflich bezahlten Mitarbeiter und der Geschäftsführung für diesen Zeitraum gestrichen”, so Andreas Kosmider.
Unterstützende
Konzernbürgschaft
Der kaufmännische Geschäftsführer weiter: “Darüber hinaus werden unsere Gesellschafter diese Bemühungen mit einer Konzernbürgschaft unterstützen, die den Fortbestand des Unternehmens sichert, und auf diesem Wege einen Beitrag zur Zukunftssicherung leisten. Nur durch die Kombination aller dieser Maßnahmen haben wir die Chance, unser Unternehmen langfristig wieder auf Erfolgskurs zu bringen. Die Maßnahmen werden somit uns allen enorme Einschnitte abverlangen. Doch nur so können wir die Überlebensfähigkeit unseres Unternehmens und den Fortbestand der Arbeitsplätze sichern.”
Die Geschäftsführer versicherten, dass sie aufs Äußerste bedauern, dass das Unternehmen und die Mitarbeiter durch die Krise in diese bedrohliche wirtschaftliche Lage geraten seien und dass derart einschneidende Maßnahmen ergriffen werden müssten. Alle Beteiligten hofften, im Sinne des Erhalts des Unternehmens und der Arbeitsplätze so schnell wie möglich zu einer Einigung zu kommen und kurzfristig über Ergebnisse berichten zu können.
pp/Agentur ProfiPress

Manfred Lang

27.04.2009