Hausfrauen-Traum in Coloradogelb

„Marktplatz Rheinland“ startet mit 1960er-Jahre-Bungalow – Das LVR-Freilichtmuseum Kommern sorgt mit seiner jüngsten Baugruppe bundesweit für eine museale Neuheit

Hier greift der „Hausherr“, Museumsleiter Dr. Josef Mangold (l.), noch selbst zum Staubsauger und reinigt das Wohnzimmer des 60er-Paares. Foto: Johannes Mager/pp/Agentur ProfiPress

Mechernich-Kommern – Ein Ausflug in die jüngste Vergangenheit ist ab sofort im LVR-Freilichtmuseum Kommern möglich: Dort wurde jetzt mit dem Bungalow „Kahlenbusch“ das  erste Gebäude der neuen Baugruppe „Marktplatz Rheinland“ eröffnet. Damit positioniert sich das LVR-Freilichtmuseum Kommern im Stadtgebiet Mechernich ganz neu in der bundesweiten Museumslandschaft, wie LVR-Kulturdezernentin Milena Karabaic vor den zahlreichen Gästen der Eröffnungsfeier betonte: „Ungewöhnliches zu wagen war schon immer das Markenzeichen des Landschaftsverbandes Rheinland.“ Mit der Aufbereitung der jüngeren Geschichte habe das LVR-Freilichtmuseum Kommern ein weiteres Alleinstellungsmerkmal hinzugewonnen.

Der Flachdachbau, der 1959 – noch vor der Eröffnung des Freilichtmuseums – errichtet wurde und als Pächterwohnung der Museumsgastronomen diente, ist ein Paradebeispiel für die Urbanisierung des ländlichen Raumes. Denn der rasante Wandel in den 1950er bis 1980er Jahren, wie ihn der „Marktplatz Rheinland“ anschaulich machen will, ging einher mit einer neuen Ära im privaten Hausbau. „Damals kam ein ganz besondere Beispiel für modernen Hausbau auf den Markt“, berichtete Museumsleiter Dr. Josef Mangold, „man konnte sich nun Häuser im Katalog bestellen.“ So wird eines der nächsten Bauwerke rund um den „Marktplatz Rheinland“ ein Fertighaus aus dem Quelle-Katalog sein.

Den „speziellen“ Charme des Bungalows können die Museumsbesucher bereits jetzt auf sich wirken lassen. Vom Lebensstil und Geschmack der 1960er und 1970er Jahre zeugen die Gartenzwerge neben dem Hauseingang ebenso wie der gestickte und gerahmte Schäferhund über der Couch im Wohnzimmer, das ganz im Neo-Chippendale-Stil gehalten ist. Dem Wunschtraum der modernen Hausfrau entsprach die Küche der Marke Tielsa in der Farbe „Coloradogelb“ – im Anschaffungsjahr 1973 war das der letzte Schrei. In allen Zimmern werden zeittypische Ensembles der damaligen Zeit gezeigt – und das konsequent bis zur Garage. Dort parkt ein VW-Käfer, Baujahr 1959. War dieses Auto das typische Fahrzeug der Wirtschaftswunderzeit, so traf zumindest die Farbe des Museums-Exemplars nicht den Nerv der Zeit. „Die nannte sich »mangogrün«“, schmunzelte Dr. Josef Mangold. Dass es diese Lackierung nur im Modelljahr 1960 gab, spreche nicht für eine große Akzeptanz.

Anlässlich der Bungalow-Eröffnung gab Museumsleiter Mangold den Gästen einen Ausblick auf die Weiterentwicklung des „Marktplatzes“. Um eine Eiche, einen kleinen Brunnen und eine Bushaltestelle herum werden sich Wohngebäude, aber auch Betriebe und Werkstätten aus den Jahren der Nachkriegszeit bis in die frühen 1980er Jahre gruppieren. Das zu realisieren bedürfe enormer technischer und fachlicher Anstrengungen ebenso wie erheblicher Investitionen, sagte Milena Karabaic. „Mit dem Marktplatz-Rheinland setzen wir Maßstäbe“, verwies Dr. Mangold auf die Innovativität des jüngsten Museumsprojektes. „Kein anderes Freilichtmuseum arbeitet die jüngste Geschichte so konsequent auf wie wir.“

Parallel zur Bungalow-Eröffnung wurde auch der Bunker zur Besichtigung freigegeben. Auf diesen Bestandteil des Westwalls war man während der Erdarbeiten zum Marktplatz Rheinland gestoßen. Unter Leitung von Petra Tutlies hatten Mitarbeiter der Außenstelle Nideggen des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege die gesprengten Teile freigelegt. Wie Petra Tutlies berichtete, hätten sich während der Ausgrabungen Zeitzeugen gemeldet und berichtet, dass der Bunker früher Treffpunkt der Jugend aus Kommern und Eicks gewesen sei. Vorübergehend können diese „Irrtümer aus Beton“, so Tutlies, nun besucht werden, bis sie später als Bodendenkmal wieder zugeschüttet und weitere Gebäude des „Marktplatzes Rheinland“ auf ihnen errichtet werden.