Hand-Werk im Lieblingsstein
Die Mechernicher Steinmetzin Beate Simons hat ihre Meisterprüfung mit Auszeichnung bestanden – Für ihre Abschlussarbeit wurde die 26-Jährige mit dem bayrischen Staatspreis geehrt – Nächste Station: Weiterbildung zur Restauratorin
Mechernich – Der Steinmetz ist lediglich als Silhouette dargestellt. Der Körper ist eine abstrakte Darstellung mit dreidimensionalen Dreiecken. Er tritt damit in den Hintergrund zurück, lässt Raum für die drei wesentlichen Dinge: die rechte Hand mit dem Hammer, die linke Hand mit dem Meißel und der zu bearbeitende Stein.

Es ist eine Hommage an ihr Handwerk, das die Mechernicher Steinmetzin und Bildhauerin Beate Simons für ihr Meisterwerk in ihren Lieblingsstein gearbeitet hat – per Hand. „Daher trägt es auch den Titel ‚Hand-Werk‘“, erzählt die 26-Jährige, die nach dem einjährigen Besuch der Meisterschule in Aschaffenburg mit dieser Arbeit ihren Meistertitel gekrönt hat – und dafür mit dem bayrischen Staatspreis ausgezeichnet wurde.
Eine solche Leistung ist keine Selbstverständlichkeit, selbst wenn man – wie Beate Simons – aus einem Familienbetrieb stammt, der seit 1921 am Standort Mechernich ansässig ist. Ihr Ur-Opa Philipp Simons gründete am heutigen Standort die „Steinmetzwerkstätte der Eifel“. 1954 übernahm Steinmetzmeister Georg Simons mit seiner Frau Elisabeth den Betrieb.
Vierte Generation
Seit 1995 führen Markus und Michael Simons den Familienbetrieb in der dritten Generation. Markus Simons als Steinmetz- und Bildhauermeister und geprüfter “Restaurator im Handwerk” leitet die Fertigung, sein Bruder Michael als Diplom-Kaufmann den kaufmännischen Bereich.

Mit Beate Simons schickt sich nun die vierte Generation an, den Betrieb, der vor allem auf Grabanlagen spezialisiert ist, in die Zukunft zu führen. „Darüber freue ich mich sehr“, sagt Markus Simons, als sichtlich stolzer Vater. Denn auch in diesem Handwerk wird es immer schwieriger, Nachwuchskräfte zu finden. Zwar mag es für manch einen Nachkommen mitunter eine Bürde sein, in den Familienbetrieb einsteigen zu müssen, für Beate Simons scheint das nicht zu gelten. „Ich wollte unbedingt etwas mit den Händen machen“, so die 26-Jährige.
Da lag es nahe, die Ausbildung zur Steinmetzin zu beginnen. Dass bei Beate Simons diese Berufswahl nicht nur familienbedingte Bequemlichkeit oder Pflichterfüllung gewesen zu sein scheint, sondern mit Leidenschaft einhergeht, beweist ihr Werdegang: Ihre Ausbildung schloss sie als Innungs- und Landesbeste ab, belegte beim deutschlandweiten Wettbewerb “Die gute Form” den dritten Platz.
Kylltaler Sandstein
Diese Freude am Handwerk setzt sie in besonderen Arbeiten genauso ein, wie in den alltäglichen Aufträgen, wenn es darum geht, Schriften zu setzen, mit den Kunden zu besprechen und dann den Entwurf in den Stein zu übertragen. Ihre Lieblingsschriftart? „Antiqua!“ Die Antwort kommt im Bruchteil einer Sekunde. Also eher die klassische Schrifttype.

Ihr Lieblingsstein? Auch hier muss die Steinmetz- und Bildhauer-Meisterin, die künftig noch die Weiterbildung zur Restauratorin beginnen möchte, nicht lange überlegen. „Der Kylltaler Sandstein, weil er sich sehr gut bearbeiten lässt, weil er eine schöne Struktur hat und weil es eben ein regionaler Stein ist“, so Beate Simons.
Kein Wunder also, dass sie für ihr Meisterstück auch auf ihren Lieblingsstein gesetzt hat, wenn auch in einer anderen Ausprägung, die sich mit Hammer und Meißel einfacher bearbeiten lässt. Denn technische Hilfsmittel, wie der heute oft genutzt Druckluftmeißel, waren in der Prüfung nicht erlaubt.

Für Beate Simons offenbar kein Problem. Denn ihr Hand-Werk hat durch das ursprüngliche Handwerk einen starken Ausdruck erhalten. Gleichzeitig wird man den Eindruck nicht los, dass sie in ihre Meisterarbeit auch ein Stück von sich selbst hineingearbeitet hat. Eine Steinmetzin, die bescheiden und nicht extrovertiert in den Hintergrund tritt. Eine, die den Fokus auf das Handwerk legt, auf den Umgang mit Hammer und Meißel und auf den Stein, den es zu bearbeiten gilt.
pp/Agentur ProfiPress