Drei Mechernicher erobern die Eifel

„Eifel-Gäng“ mit Eifel-Award-Träger Ralf Kramp, Liedermacher Günter Hochgürtel und Mundart-Rezitator Manfred Lang spielte im Hillesheimer Kulturkino und im Alten Casino in Euskirchen vor begeisterten und zum Teil auch ausverkauften Häusern 

Ralf Kramp (r.) liest, Günter Hochgürtel hört zu: Der bundesweit bekannte Krimiautor und Karikaturist (r.) wurde vor Jahren gemeinsam mit seinem Freund und Autorenkollegen Jacques Berndorf von der Zukunftsinitiative Eifel mit dem allerersten „Eifel-Oscar“, dem „Eifel-Award 2009“ ausgezeichnet, und zwar im Hotel „Augustiner-Kloster“ in Hillesheim. Jetzt trat Kramp mit seiner „Eifel-Gänger“ unter anderem im Kulturkino Hillesheim auf, außerdem im Alten Casino von Euskirchen. Foto: Steffi Ackermann/KStA/pp/Agentur ProfiPress

Mechernich – Die „Eifel-Gäng“ mit Günter Hochgürtel, Ralf Kramp und Manfred Lang holte am Wochenende mit zwei Auftritten im Hillesheimer Kulturkino und im Alten Casino von Euskirchen zum kulturellen Doppelschlag auf die Lachmuskulatur der Eifelbewohner aus.

„Mordsmäßig starker Auftritt der Eifel-Gäng“ titelt in der heutigen Montagausgabe der „Trierische Volksfreund“, „Aktfotos mit Fleischwurst: Die »Eifel-Gäng«  gastierte im ausverkauften Casino“ schreibt der „Kölner Stadt-Anzeiger“ und die „Kölnische Rundschau“ präsentiert ihren Leserinnen und Lesern die Schlagzeile: „Eifel-Gäng erobert das Alte Casino – Unterhaltsame Stunden mit Günter Hochgürtel, Manfred Lang und Ralf Kramp.“

Die drei aus der Stadt Mechernich stammenden Unterhaltungskünstler treten seit Herbst 2011 zuweilen im Dreierpack auf. „Jeder für sich ist schon gut“, schreibt Tom Steinicke in der „Rundschau“: „Stehen Günter Hochgürtel, Manfred Lang und Ralf Kramp aber zusammen als »Eifel-Gäng« auf der Bühne, gibt es kein Halten mehr. Das ist einfach nur noch Unterhaltung pur.“

Günter Hochgürtel wurde einst in Vollem im zur Stadt Mechernich gehörenden Feytal geboren, Ralf Kramp, der 2009 gemeinsam mit Jacques Berndorf den „Eifel-Award“ der Zukunftsinitiative Eifel erhielt, wohnte zeitweise in Mechernich-Glehn und Manni Lang wurde in Bleibuir geboren und lebt mit Familie in Lückerath, beides liegt in der Stadt Mechernich am Nordrand der Eifel.

Steffi Ackermann schreibt im „Kölner Stadt-.Anzeiger“: „Als das Trio mit dunklen Brillen und khakifarbenen Trenchcoats durch die Reihen im Alten Casino huschte und das Publikum mit Steinschleuder, Axt und Mistgabel bedrohte, sah es so aus, als würde die Zuschauer Schreckliches erwarten. Tatsächlich wurde es ein schrecklich komischer Freitagabend mit Krimiautor Ralf Kramp, Liedermacher Günter Hochgürtel, und Mundartexperte Manfred Lang. »Einer liest, einer singt und einer trägt vor«, lautet das Erfolgskonzept der drei »Gängster« aus der Eifel, mit dem sie einmal mehr vor ausverkauftem Haus für gute Laune sorgten.“

Vladimir Nowakowski urteilt im Trierischen Volksfreund: „Mit dem Krimiautor, dem Liedermacher und dem Mundart-Experten hat sich ein Trio zusammengefunden, das miteinander Spaß hat und es versteht, das Publikum an diesem Vergnügen teilhaben zu lassen. Heimat – also die Eifel – ist das Thema der »Gäng« und wird aus allen Blickwinkeln beleuchtet: Humorvoll, ernst, sentimental, nachdenklich oder laut polternd, bringen die drei die Sache auf den Punkt. Jugend, Familie, Erotik und das Eifeler Platt – all das findet im Laufe des Abends seinen Platz im Programm.“

Abwechselnd spielten sich die drei Protagonisten in ihrem Programm die Bälle zu, vom besungenen „Roten Herz im Wohnmobil“ zum Kurzkrimi „Herzhäuschen“, von den erotischen Eifeler Kalenderfrauen zu den zahlreichen Mundart-Ausdrücken für verschiedene Frauentypen. Für das Publikum entwickelte sich so ein kurzweiliger Abend, an dem gelacht und geschunkelt, gesungen und im hinteren Teil des Saals sogar mal ein Tänzchen gewagt wurde.

„Den Auftakt machte Hochgürtel. Nachdem er seine Gitarre weggestellt hatte und die letzten Akkorde verklungen waren, kam der große Auftritt von Manni Lang. Der Literat, der zudem Diakon ist, erklärte mit Händen und Füßen die Feinheiten und Vorteile des Eifeler Dialekts: Die Konzentration aufs Wesentliche und wie viel Zeit man deshalb mit der Eifeler Sprache sparen kann“, so Tom Steinicke: So habe eine Hellenthaler Großmutter die Geburt ihres unehelichen Enkelkindes im Standesamt mit den Worten angemeldet: „Oss Änn, 15 mohl op de Kirmes – nühs. Oss Draut, eehmohl Katholikendaach – dä!“.

Die Zuschauer im „Alten Casino“ waren begeistert und bogen sich teilweise vor Lachen, als sich die „Eifel-Gäng“ über Themen wie Verwandte, Heimat, Liebe und Kindheit ausließ. So ganz nebenbei hielt Hochgürtel mit seinem Lied „En der ahle Kaschemm“ noch ein musikalisches Plädoyer für den Erhalt von Räumlichkeiten wie das Alte Casino in Euskirchen.

Steffi Ackermann schreibt: „In Kindheitserinnerungen schwelgend stimmte Günter Hochgürtel zum Einstieg sein Lied über die Kakushöhle an, in deren Open-Air-Disco der 50er Jahre er auch seine eigenen Wurzeln vermutet. Dass auch Platt lernen kann, wer nicht in der Umgebung der Kakushöhle gezeugt oder geboren wurde, erklärte der Mundart-Experte Manfred Lang. Der Vorteil gegenüber dem Hochdeutschen sei vor allem: „Man braucht weniger Worte, alles geht schneller.“ Bei einer standesamtlichen Hochzeit etwa reichten über den ganzen Tag verteilt drei Wörter: ein überzeugtes „Jo!“ vor dem Standesbeamten, ein „Prost!“ zum Auftakt der Feier und ein „Da jö!“ zum Einstieg in die Hochzeitsnacht.

Schrecklich erotisch wurde es dann mit dem von Ralf Kramp gelesenen Kurzkrimi „Das Covergirl“ über einen Selfmade-Pinpup-Kalender mittelalter Eifeler Dorfbewohnerinnen. Um ihre Männer von den TV-Bildschirmen wegzulocken, entschieden sich die Canasta spielenden Landfrauen der Altersgruppe Ü-60, einen Aktkalender zu gestalten. Die reifen Eifelerinnen ließen sich dazu von Fritz, dem Fotografen, der ansonsten nur Hochzeiten, Kommunionfeiern und die Zuchtbullen-Schau ablichtet, in typischen Posen fotografieren: mit einem Stück Fleischwurst über der Wursttheke, mit Mistgabel und Gummistiefeln auf dem Bauernhof und auf dem heimischen Sofa beim Stricken von Klorollen-Hütchen. Bis es schließlich im Streit um das Covergirl zu einem Mord kommt…

Von „gut erhaltenen“ Frauen, die ihr Geld als „Verkehrsexpertinnen“ in Wohnmobilen am Ende der Autobahn verdienen, handelte das anschließende Lied vom „Roten Herz im Wohnmobil“. „Die französischen Künstlernamen wie Chantal oder Michelle klingen für mich nach Netzstrümpfen, während Erna sich eher nach Stützstrümpfen anhört“, scherzte Günter Hochgürtel, der sich selbst mit Gitarre und Mundharmonika begleitete. Mit Texten über seine erwachsene Tochter und über die Liebe wurde er dann aber ganz gefühlvoll, ehe Manfred Lang ein Stück aus Carl Zuckmayers Drama „Des Teufels General“ rezitierte, das unter die Haut ging.

Vladi Kowalewski schreibt im „Trierischen Volksfreund“: „Sollte Ralf Kramp irgendwann einmal das Schreiben von Kriminalromanen, seinen Verlag und das Zeichnen von Cartoons an den Nagel hängen, könnte er eine Karriere als Sprecher anpeilen. Er liest seine erotische Geschichte vom Covergirl, die natürlich in Mord und Totschlag mündet (»Was anderes kann ich ja nicht«), und gibt den geschätzt fünfzehn handelnden Personen jeweils eine eigene Stimme.“ Und: „»Kopfkino«, das die Zuschauer in seinen Bann zieht.“

Weiter heißt es im „TV“: Manfred Lang kann auch eine Grippe nicht stoppen: Stimmgewaltig rezitierend und unter vollem Körpereinsatz rennt er durch den Saal, springt von der Bühne und erklimmt sie wieder – schlüpft in verschiedenste Rollen, erklärt die Eigenheiten des Platts, das dem männlichen Eifeler hilft, im Laufe des Lebens Millionen Worte zu sparen und verpasst dem Publikum eine Gänsehaut, als er aus Zuckmayers „Teufels General“ vorträgt. Der Lohn: langer Applaus.“ 

pp/Agentur ProfiPress