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Auf der Suche nach Gott

Impulsabend bei der Communio in Christo: Diakon fragte nach dem Standort der Kirche und fand Antwort bei Christus

Mechernich – „Ubi Christus, ibi Ecclesia“ lautete der Titel des jüngsten Impulsabends bei der Communio in Christo in Mechernich. Der Mechernicher Diakon und stellvertretende Generalsuperior Manfred Lang beschäftigte sich mit der Suche nach Gott, Christus und der Kirche. Nur wenige Zuhörer lauschten seinen Ausführungen, die mit einem Abschnitt aus dem Johannesevangelium von Schwester Lidwina eingeleitet wurden.

Um zu klären, ob die Kirche dort ist, wo Christus zu vermuten ist, so das Thema des Abends müsse man erst den Aufenthaltsort Gottes klären, meint Lang: „Ist er tausend Lichtjahre über uns oder uns näher als die eigene Nasenspitze?“ Weder noch? Sowohl als auch?

Die Zahl der Zuhörer bei Manfred Langs Impulsabend auf der Suche nach Gott und dem Standort der Kirche war überschaubar. Foto: Sabine Roggendorf/pp/Agentur ProfiPress

Befand sich „Jahwe“ im Tempel in Jerusalem, wie die Mehrheit der sich selbst als rechtgläubig empfindenden Juden annahm, oder auf dem Berg Garizim im heutigen Westjordanland, wie die Samaritaner glauben, eine kleine Religionsgemeinschaft, die wie das Judentum aus dem Volk Israel hervorging?

Weder – noch? Sowohl, als auch? „Jesus erklärt im Johannesevangelium einer samaritanischen Frau am Jakobsbrunnen Revolutionäres“, so der Diakon: „Gott ist Geist und alle, die ihn anbeten, müssen im Geist und in der Wahrheit anbeten.“

Der Allmächtige befinde sich demnach nicht zuvorderst im Tempel, der von den Römern zerstört werden würde, eher, was die Juden gotteslästerlich fanden, im „wahren Tempel“, als den das Evangelium Jesus selbst ausmacht, und der nach seiner Zerstörung vom Vater in drei Tagen wiedererrichtet würde.

Ist Kirche, wo der Bischof ist?

Ist Gott bei Christus, ist dann auch die Kirche automatisch dort, wo sie hingehört, nämlich ebenfalls bei Christus? Es gibt auch andere Stimmen, ebenfalls in altem Kirchenlatein, etwa „Ubi Episcopus, ibi Ecclesia“, die Kirche ist vielmehr dort, wo der Bischof ist, so Ignatius von Antiochien.

Der Impulsgeber zog besonders prägnante Bibelstellen zu Rate, so genannte „Evangelien im Evangelium“, wie das Gleichnis vom Barmherzigen Samariter, in dem es um den Erwerb des ewigen Lebens durch rechtes Handeln geht.

Oder das Gleichnis vom Barmherzigen Vater, in dem sich die grenzenlose Güte und Barmherzigkeit Gottes zeigt. Oder die Seligpreisungen der Bergpredigt, in denen sich Jesus mit den Trauernden, Wahrheits- und Friedliebenden, den Armen, Trauernden und Gerechtigkeitssuchenden solidarisiert.

Um zu klären, ob die Kirche dort ist, wo Christus zu vermuten ist, müsse man erst den Aufenthaltsort Gottes definieren, so Manfred Lang: „Ist er tausend Lichtjahre über uns oder uns näher als die eigene Nasenspitze?“ Foto: Sabine Roggendorf/pp/Agentur ProfiPress
Um zu klären, ob die Kirche dort ist, wo Christus zu vermuten ist, müsse man erst den Aufenthaltsort Gottes definieren, so Manfred Lang: „Ist er tausend Lichtjahre über uns oder uns näher als die eigene Nasenspitze?“ Foto: Sabine Roggendorf/pp/Agentur ProfiPress

„Was ihr einem der Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan“, heißt es in einer Endzeitvision, in der Jesus die Menschen wie Böcke und Schafe scheidet, je nachdem, ob sie Hungernde gesättigt, Durst gestillt, Kranke verbunden und Gefangene besucht haben. „Oder ob sie einen großen Bogen um die Hilfsbedürftigen machen, bei denen der Platz der Kirche zu suchen wäre“, so Diakon Lang.

Rechtes Handeln genügt aber nicht, um die Standortfrage zu klären. Die Kirche trage auch die Gnade der Barmherzigkeit und Gottes aktives Tun und Handeln in den Sakramenten mit sich. Eine der Lieblingsbibelstellen von Mutter Marie Therese, der Gründerin des Ordo Communionis in Christo, sei der Dialog Jesu am Kreuz mit den mitgekreuzigten Verbrechern, in dem Jesus dem Reumütigen verspricht, „heute noch wirst Du mit mir im Paradiese sein.“

Nicht erst nach dem Jüngsten Gericht, so der in Bleibuir geborene Geistliche: „Gleich und sofort, das lässt Rückschlüsse zu, dass der Himmel kein Ort und die Ewigkeit keine nicht endende Zeit ist“, so Lang, „sondern Befindlichkeit bei Gott außerhalb von Raum und Zeit in einer Dimension seiner Liebe, in die auch Mutter Marie Therese in ihren mystischen Gottesbegegnungen immer wieder eingetaucht ist“.

Vor Schwestern der Kommunität und Gästen zitierte der Referent den Aachener Weihbischof Karl Reger: „Man sollte nicht so tun, als habe man Gott in seiner Westentasche…“ Foto: Sabine Roggendorf/pp/Agentur ProfiPress

Sakramente, Nächstenliebe

„Gott in der Wahrheit anbeten“ bedeute, nicht in Samarien ist Gott und nicht zuvorderst in Jerusalem, so Lang: „Gott ist in meiner Haltung, in meiner Gläubigkeit, in meinem Gebet, in meinem Herzen. Er ist in den Sakramenten, nicht eher im Petersdom in Rom oder im Aachener Münster, als in der Anbetungsskapelle der Communio, nicht eher evangelisch oder orthodox, als dass er katholisch wäre. Er ist vor allem in der Liebe…“

In einem Interview mit ihm habe Weihbischof Karl Reger die Sache auf den Punkt gebracht: „Man sollte nicht so tun, als habe man Gott in der Westentasche!“ Manfred Lang: „Gott ist da, wo wir Jesus begegnen – am Brunnen in Samarien, im Tempel in Jerusalem, in der Heiligen Messe in Mechernich, im stillen Kämmerchen zu Hause, wo immer zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind, am Krankenbett eines geliebten Menschen und am Sterbebett eines Fremden…“

pp/Agentur ProfiPress