Hilfe aus der Eifel für die Bundeskunsthalle

LVR-Freilichtmuseum Kommern unterstützt die Museumskollegen in Bonn bei der Realisierung eines Irokesen-Wohnhauses – Museumsförster Ingo Esser macht den Nachbau möglich

Freuen sich über die geglückte Kooperation von LVR-Freilichtmuseum Kommern und Bundeskunsthalle: (v.l.) Dr. Bernhard Spies, Geschäftsführer Bundeskunsthalle Bonn, Museumsleiter Dr. Josef Mangold, Ausstellungsleiterin Henriette Pleiger, Architekt Ekkehard Kandler und Museumsförster Ingo Esser. Foto: Renate Hotse/pp/Agentur ProfiPress

Mechernich-Kommern – Eine Attraktion der besonderen Art wird vom 22. März bis Ende Oktober Besucher aus nah und fern auf den Bonner Museumsplatz locken: Zwischen der Bundeskunsthalle und dem Kunstmuseum Bonn wird dort – inmitten einer indianischen Gartenlandschaft – ein irokesisches Langhaus zu sehen sein. Das traditionelle Wohnhaus der nordamerikanischen Indianer ist der Hingucker der Ausstellung „Auf den Spuren der Irokesen“, die die Bundeskunsthalle präsentieren wird.

Dass es überhaupt möglich war, das Langhaus originalgetreu und nach überlieferter Bautechnik zu errichten, hat die Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, kurz Bundeskunsthalle genannt, dem LVR-Freilichtmuseum Kommern und seinem Museumsförster Ingo Esser zu verdanken. Im Rahmen einer Pressekonferenz im Waldhaus des LVR-Freilichtmuseums wurde die vor einem Jahr gestartete, außergewöhnliche Zusammenarbeit der beiden so unterschiedlichen Museen vorgestellt.

Vorausgegangen war dieser Kooperation ein Besuch der Bonner Museumsleute in den USA, wo man sich ein Original des indianischen Wohnhauses angesehen hatte. Danach herrschte zunächst Ratlosigkeit, wie das Projekt realisiert werden könnte. „Mit einem Stapel Bilder kamen wir ins Freilichtmuseum und dachten uns, wir fragen einfach mal“, erinnerte sich Dr. Bernhard Spies, Geschäftsführer der Bundeskunsthalle. Bei den Museumskollegen auf dem Kahlenbusch fiel die Anfrage der Bonner auf fruchtbaren Boden. Denn das traditionelle Schälen von Baumrinde, der Voraussetzung für den Bau des Indianerhauses, wird vom WaldPädagogikZentrum Eifel auf dem Gelände des LVR-Freilichtmuseums immer wieder vorgeführt. Hier im Museum handelt es sich dabei aber um das Schälen der „Eichenlohe“ und damit schmaler Eichenrindestreifen, die früher für die Gewinnung der Gerbsäure für die Gerbereien in der Eifel genutzt wurden.

Die Schältechnik großflächiger Rindenstücke, wie sie für den Bau des Irokesenhauses benötigt werden, war jedoch auch im WaldPädagogikZentrum Eifel nicht mehr bekannt – und auch nicht anderswo: „Seit mehr als 40 Jahren haben wir so etwas nicht mehr gemacht“, lautete es unisono, als sich Museumsförster Ingo Esser beim jährlichen internationalen Försterbiathlon unter den Kollegen aus 26 Nationen umhörte. Doch Ingo Esser ließ nicht locker, und schließlich konnte ihm ein slowenischer Forstfreund weiterhelfen. Der vermittelte ihn an den Waldbesitzer Iwan Dolenec aus Podobeno, Oberkrain, in der Nähe von Lubljana. Dieser hatte früher mit seinem Vater Fichtenrinde geschält und schlug Esser vor, in seinem Wald einen Versuch zu starten.

Gesagt, getan: Während seines Sommerurlaubs 2012 machten sich Esser, Dolenec und drei Waldarbeiter auf den mühsamen Fußweg in die kaum erschlossene, 1600 Meter hoch gelegene Höhenregion der Oberkrainer Berge. Mit dem örtlichen Förster wurden sorgsam 25 geeignete Baumveteranen ausgewählt, die den erforderlichen Stammesumfang von rund zwei Metern aufwiesen.

Es klappte auf Anhieb wie früher: Iwan und seine Helfer hatten die Schältechnik mit dem einfachen Spezialwerkzeug in kürzester Zeit wieder eingeübt, der Anfang für die Gewinnung von insgesamt 900 Quadratmetern Rinde, die für das Irokesenhaus benötigt werden, war gemacht.

Das Fällen und Schälen der bis zu 35 Meter hohen Fichten war für Museumsförster Esser eine hochinteressante Angelegenheit.  „Hierzulande wird viel früher gefällt, weil die Sägewerke solch mächtige Stämme gar nicht mehr verarbeiten können“, so Esser. Beeindruckt war er vor allem davon, wie die slowenischen Waldarbeiter die riesigen geschälten Stämme – statt mit Hilfe schwerer Maschinen – mit einfachsten Hilfsmitteln ins Tal beförderten: Einmal in die richtige Position gebracht, „flutschten“ die nach dem Schälen glitschigen Stämme wie von alleine den Berg hinab. Esser: „Unten angekommen, lagen die dort in Reih‘ und Glied.“

Ingo Esser organisierte in seiner Freizeit die komplizierte Beschaffung und  Lagerung der Baumrinde, und das LVR-Freilichtmuseum Kommern vermittelte den Bonnern mit Ekkehard Kandler einen Architekten, der erfahren ist in der Rekonstruktion historischer Bauten. „Die Zusammenarbeit auf ganz unterschiedlichen Ebenen war etwas ganz Besonderes“, wertete Dr. Josef Mangold, Leiter des LVR-Freilichtmuseums Kommern, die erfolgreiche Allianz.

In Anbetracht der abenteuerlichen Vorbereitungen waren sich alle Beteiligten einig: „Das wird eine ganz spannende Ausstellung.“

pp/Agentur ProfiPress