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Der Müll von 190.000 Bürgern

Grundschüler aus Lückerath haben das Abfallwirtschaftszentrum des Kreises Euskirchen bei Strempt besucht – Forderung nach Mülltrennung in städtischen Schulen

Mechernich-Strempt/Lückerath – Papier kommt in die blaue Tonne, Restmüll in die schwarze, Verpackungsmaterial aus Plastik und Metall in die gelbe und die meisten Essenreste in die braune Tonne. So ist es in Mechernich üblich, so lernen es die Kinder zu Hause. Nur in den städtischen Schulen läuft das etwas anders. „Einem unserer Schüler war aufgefallen, dass es bei uns nur für Papier separate Tonnen gibt, alles andere kommt in die Restmülltonne“, berichtet Daniela Müller, Klassenlehrerin der 3b an der Grundschule Lückerath.

Was wiegen 21 Schüler und ihre Lehrerin? Die Klasse 3b der Grundschule Lückerath brachte 770 Kilogramm auf die Waage des Abfallwirtschaftszentrums. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress
Was wiegen 21 Schüler und ihre Lehrerin? Die Klasse 3b der Grundschule Lückerath brachte 770 Kilogramm auf die Waage des Abfallwirtschaftszentrums. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

Bereits im vergangen Jahr hatte der Klassenrat bei der Stadt einen Antrag auf Mülltrennung gestellt, der aber aufgrund der zu hohen Kosten bei einer Umsetzung abgelehnt wurde. Jetzt startet der Klassenrat einen erneuten Versuch. Weil auch Schulleiterin Rita Jenniges das für ein sinnvolles Anliegen hält, rief sie kurzerhand für die Klasse 3b eine Müllaktionswoche aus.

Karen Beuke, Abfallberaterin beim Kreis Euskirchen, führte 21 Schüler der Klasse 3b der Grundschule Lückerath durch das Abfallwirtschaftszentrum. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress
Karen Beuke, Abfallberaterin beim Kreis Euskirchen, führte 21 Schüler der Klasse 3b der Grundschule Lückerath durch das Abfallwirtschaftszentrum. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

Karen Beuke, Abfallberaterin beim Kreis Euskirchen, brachte den Kindern während des Sachkundeunterrichts Wissenswertes zur Mülltrennung bei und wie Müll wiederverwendet werden kann: So wird aus Papier und Pappe Recyclingpapier, etwa für Schulhefte, aus Altreifen Granulat. Damit die Grundschüler aber auch lernen, was mit dem Müll nach dem Einwurf in die Tonne passiert, lud Karen Beuke die Klasse 3b zu einer Führung durch das Abfallwirtschaftszentrum (AWZ) des Kreises bei Strempt ein.

„Supertolle saubere Erde“ entsteht laut Karen Beuke aus dem Biomüll nach dem Kompostiervorgang. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress
„Supertolle saubere Erde“ entsteht laut Karen Beuke aus dem Biomüll nach dem Kompostiervorgang. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

„Eure Eltern nennen das oft nicht AWZ, sondern Deponie“, wusste Beuke. Denn viele der älteren Bürger kennen den Bereich auf dem ehemaligen Blei- und Zinkbergwerk noch als zentrale Mülldeponie, die von 1981 bis 2005 in Betrieb war. „Hier war ein riesiges Loch, wo der ganze Abfall reingeworfen wurde“, erzählte Beuke den Kindern. An der höchsten Stelle sei der Berg 70 Meter hoch.

275 Müllanlieferungen pro Tag

Als 2005 die Mülltrennung beschlossen wurde, wurde aus der Mülldeponie das Abfallwirtschaftszentrum. Was viele vermutlich nicht wissen: Der Abfall aus den blauen und gelben Tonnen landet dort nicht, sondern wird an anderer Stelle entsorgt. Stattdessen werden in Strempt jährlich rund 30.000 Tonnen Restmüll, 26.000 Tonnen Bioabfall, 8500 Tonnen Sperrmüll, 500 Tonnen Bau- und Abbruchabfälle sowie knapp 7000 Tonnen Grünabfälle von den rund 190.000 Kreisbürgern entsorgt. Täglich bringen 75 Lastwagen und 200 Autos aus dem Kreis Euskirchen ihren Müll ins AWZ.

Gehört der Deckel mit in den Altglascontainer oder nicht? Diese und mehr Fragen beantwortete Karen Beuke den Kindern. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress
Gehört der Deckel mit in den Altglascontainer oder nicht? Diese und mehr Fragen beantwortete Karen Beuke den Kindern. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

Oft werden die Fahrzeuge an der Pforte gewogen. Die 21 mitgereisten Schüler der 3b und ihre Klassenlehrerin durften sich ebenfalls auf die Wiege stellen. Anschließend bewegten sich die 770 Kilogramm einmal über das Gelände. Immer wieder machte Beuke halt, erklärte den Kindern, was sie sehen und stellte auch Fragen. „Darf man den Deckel vom Nutellaglas mit in den Altglascontainer werfen oder nicht? Und muss das Glas ganz leer oder sogar gespült sein?“ Die Antworten: Ja, der Deckel darf mit in den Container, weil er entweder weggeblasen (bei Plastikdeckeln) oder mit einem Magnet (bei Metalldeckeln) aussortiert wird. Und jein, das Glas muss nur restentleert sein, aber keinesfalls gespült, denn das würde nur Wasser verschwenden. „Ist das Glas aber noch halbvoll oder hat sich Schimmel darin gebildet, gehört es in den Restmüll“, erklärt Beuke.

Der Biomüll fällt von oben in das Kompostwerk und wird mit Baggern in die Tunnel gebracht, wo er dann kompostiert wird. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress
Der Biomüll fällt von oben in das Kompostwerk und wird mit Baggern in die Tunnel gebracht, wo er dann kompostiert wird. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

Nase zuhalten war im großen Kompostwerk angesagt. Auf einer riesigen Fläche stieg Qualm auf, Wurzeln lagen über dem Kompost und filterten den Gestank. „Das funktioniert wie ein Auspuff“, sagte Beuke. Im Innern des Kompostwerks wird der Biomüll in große Tunnel gefahren. Dort wird der Müll aufgeheizt und lagert für zwei Wochen im Dunkeln. „Die kleinen Tierchen im Biomüll haben es gerne dunkel“, weiß Beuke. Weil „kleine Tierchen“ erwünscht sind, Bakterien aber nicht, wird der Kompost am Ende auf 62 Grad Celsius erhitzt, damit diese sterben. „Am Ende haben wir supertolle saubere Erde“, erzählt Beuke den Grundschülern aus Lückerath.

pp/Agentur ProfiPress