Azubi Schick im Dauerstress
Mechernichs Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick setzte sich für den guten Zweck für eine Stunde an die Kasse des „dm“ in Kommern – Je 2500 Euro für die Awo-Kita „Kunterbunt“ in Roggendorf und den Kinderschutzbund Mechernich
Mechernich-Kommern – Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft. Doch das stimmt dann offenbar nicht immer. Denn als Mechernichs Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick im Mai 2011 mit dem Kommerner Ortvorsteher Johannes Ley an der Kasse der damals neuen Kommerner Filiale der Drogeriemarktkette „dm“ für den guten Zweck um die Wette kassierte, kamen insgesamt 4000 Euro zusammen. Schick hat die Aktion, diesmal ohne Konkurrenten, am Freitag, 8. Juli, wiederholt. „Ich bin sehr gerne wiedergekommen“, sagte er. Und siehe da: Diesmal betrug die von „dm“ aufgerundete Spendensumme sogar 5000 Euro.
Die Kommerner „dm“-Filiale feierte die ganze Woche über ihr fünfjähriges Bestehen. Die Rückkehr des Bürgermeisters an die Kasse war eine von vielen Aktionen. Von 11 bis 12 Uhr wechselte das Stadtoberhaupt seinen Platz am Schreibtisch gegen den am Warenlaufband. Und der neue Job hatte es in sich.
Bonuszettel hier, Payback-Karten da, manche Kunden bezahlten bar, andere mit EC-Karte, manche legten alle Einkäufe aufs Band, andere behielten Gegenstände im Wagen und legten nur ein Exemplar davon aufs Band mit dem Hinweis, dass noch weitere abgerechnet werden müssten. „Man kann schon nachvollziehen, dass man geschafft ist, wenn man das jeden Tag acht Stunden macht“, sagte Schick.
Die Zeit, in der der Bürgermeister kassierte, war auch eine, in der im „dm“ oft ganz besonders viel los ist, wie Marktleiterin Swetlana Kühn erzählte. Das war aber keine Boshaftigkeit von „dm“, sondern war Schicks vollem Terminkalender geschuldet. Die Marktleiterin stand dem besonderen „Lehrling“ deshalb mit Rat und Tat zur Seite, und wenn die Schlange an des Bürgermeisters Kasse einmal zu lang wurde, öffnete flugs eine zweite. Die Einnahmen dieser Kasse kamen natürlich ebenfalls der Spendenaktion zugute.
Der Bürgermeister bekam es mit der gesamten Bandbreite an Kunden zu tun: Solche, die nur einen Artikel kauften, waren ebenso dabei wie Menschen, die ihren Wocheneinkauf erledigten. Schick sah bei beiden Varianten Vorteile für sich und die Aktion: „Großeinkäufe sind effizient, bei den Kleineinkäufen kommt man mit mehr Leuten in Kontakt.“
Obwohl dem Beamten die Anstrengung anzusehen war, hatte er immer einen lockeren Spruch auf den Lippen. „Ich habe Sie ja schon öfter abkassiert, dann aber auf andere Art und Weise“, scherzte er mit einem Kunden, den er kannte. Einer Dame riet er: „Zählen Sie nach, ob ich Sie nicht betuppt habe.“ Doch die Frau hatte keine Bedenken: „Sie sind doch vertrauensselig.“
Ganz besonders schwer hat es dem Bürgermeister die Awo-Kindertagesstätte „Kunterbunt“ in Roggendorf gemacht. Die Kita ist selbst einer der beiden Begünstigten der Aktion. Und damit auch ordentlich Geld in die Kasse kommt, hat die Erzieherin Elke Lengersdorf mit Tochter Celina den wöchentlichen Einkauf von Toilettenpapier, Küchentüchern und Notfallwindeln auf den Freitag gelegt. Zwei Einkaufswagen waren randvoll. Rund 140 Euro hat die Kita ausgegeben. Die aneinandergereihten Kassenzettel hatten eine Länge von mindestens einem Meter.
„Wir wollen von dem Geld den Außenbereich neu gestalten und Spielgeräte für die Turnhalle kaufen“, erzählte Kita-Leiterin Nicole Hilgers. So sollen ein Weidenzelt, Turnmatten, Reifen und Bälle angeschafft werden. „Die Aktion ist prima“, fand auch Hildegard Busch von der Arbeiterwohlfahrt, dem Eigentümer der Kita. Insgesamt erhält die Tagesstätte in Roggendorf 2500 Euro.
Die zweite Hälfte der Einnahmen geht an den Kinderschutzbund in Mechernich. „Wir erfüllen damit gleich mehrere Aufgaben“, erzählte Schatzmeisterin Christel Hufschlag. So werden zwei Kindertheater organisiert, eines für die Grundschüler, eines für die Ferienfreizeit der Stadt. Außerdem fließt das Geld in die Hausaufgabenbetreuung, die für die Teilnehmer kostenlos ist. Außerdem will man Kindern einen Konzertbesuch ermöglichen. „Es gibt tatsächlich Kinder, die waren noch nie bei einem Konzert“, war Hufschlag erstaunt. Und auch die Aktionen „Jedem Kind ein Instrument“ und „Starke Eltern, starke Kinder“ sollen unterstützt werden.
pp/Agentur ProfiPress