„Krautwisch“ gegen Krankheiten und Gewitter

LVR-Freilichtmuseum Kommern begeht den traditionellen Segenstag

Mechernich-Kommern – Am 15. August, an dem die katholische Kirche mit „Mariä Himmelfahrt“ eines ihrer höchsten Feste begeht, erinnert das LVR-Freilichtmuseum Kommern an den traditionellen, heute leider jedoch vielfach in Vergessenheit geratenen „Krautwischtag“. Seit dem Mittelalter wurden zu Mariä Himmelfahrt Kräutersträuße gebunden und in der Kirche gesegnet. Noch vor einigen Jahrzehnten war der Brauch in ländlichen Regionen des Rheinlands verbreitet.

Die Hauswirtschafterinnen des LVR-Freilichtmuseums Kommern binden traditionsgemäß an "Krockwösch", dem katholischen Mariä-Himmelfahrts-Tag (15. August) Sträuße aus Heilkräutern und Getreide. Foto: Alice Gempfer/pp/Agentur ProfiPress
Die Hauswirtschafterinnen des LVR-Freilichtmuseums Kommern binden traditionsgemäß an “Krockwösch”, dem katholischen Mariä-Himmelfahrts-Tag (15. August) Sträuße aus Heilkräutern und Getreide. Foto: Alice Gempfer/pp/Agentur ProfiPress

Im Freilichtmuseum binden die Museums-Hauswirtschafterinnen an diesem Tag wieder nach altem Brauch den „Krautwisch“. Bei einem kleinen Freiluft-Gottesdienst um 11 Uhr vor der aus Schützendorf stammenden Kapelle wird Diakon Manfred Lang die Kräuter segnen. In diesem Jahr fällt der Krautwischtag auf einen Samstag und mit der Veranstaltung „ZeitBlende 1965“ zusammen.

Der Krautwisch wird aus verschiedenen Heilkräutern und Nutzpflanzen gebunden. Je nach Region enthalten die Sträuße sieben bis 99 verschiedene Kräuter. Neben Rainfarn, wildem Oregano, Johanneskraut, Weidenröschen und Großem Wiesenkopf gehören in Kommern auch die vier Haupt-Getreidearten Roggen, Gerste, Weizen und Hafer dazu.

Der Lückerather Diakon Manfred lang segnet nach altem Brauch Heilkräutersträuße am Hochfest „Mariä Himmelfahrt“, Samstag, 15. August, um 11 Uhr. Foto: Alice Gempfer/pp/Agentur ProfiPress
Der Lückerather Diakon Manfred lang segnet nach altem Brauch Heilkräutersträuße am Hochfest „Mariä Himmelfahrt“, Samstag, 15. August, um 11 Uhr. Foto: Alice Gempfer/pp/Agentur ProfiPress

Früher fehlte der Krautwisch in keinem Haushalt. Er schützte Menschen und Vieh vor Krankheit, Feuer und sonstigem Unglück. Bei Krankheit von Mensch oder Tier wurden Teile als Tee oder Aufguss verwendet. Im Frühjahr wurden Wohnhaus und Ställe mit dem Krautwisch ausgeräuchert. Der Krautwisch war nicht nur Haussegen, sondern auch ein langlebiger Hausschmuck.

Der Krautwisch galt auch als Schutz gegen Unwetter. So verbrannte man bei Gewittern einige Zweige im Herdfeuer. Auch der „Krockwösch“ des Vorjahres wurde nicht einfach weggeworfen, sondern dem Feuer überantwortet. Beim Neubau eines Hauses legte man geweihte Kräuter unter die Türschwelle. Dies sollte Unglück vom Haus und seinen Bewohnern fernhalten.

pp/Agentur ProfiPress