Aufschiebende Wirkung bis vier Jahre

Stadt Mechernich stellt einen Bebauungsplan für geplante Putenmastanlage bei Antweiler/Wachndorf auf – Wachendorfer Bauer hat Antrag beim Kreis gestellt, Stadt Mechernich wirkt nun beim weiteren Procedere planungsrechtlich mit

 

Im Hintergrund die Ortslagen Antweiler (links) und Wachendorf (rechts) bei einem Überflug Mitte Oktober 2011. Die geplante Putenmastanlage käme ganz grob auf 11 Uhr, 320 Meter von der Ortslage Antweiler entfernt Richtung Reiterhof (ehedem Gut Mallinckrodt) zu stehen. Luftbild: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

 

Mechernich-Antweiler – Die von einem Wachendorfer Landwirt geplante Putenmastanlage für 26 600 Tiere erhitzt seit Monaten die Gemüter in den zur Stadt Mechernich gehörenden Dörfern Antweiler und Wachendorf. Eine Bürgerinitiative gegen die beiden geplanten 125 Meter langen und sieben Meter hohen Baukörper kam am Dienstag im Stadtentwicklungsausschuss ebenso zu Wort wie einzelne Bürger, darunter potenzielle „Anlieger“ der massenhaften Tierhaltung im freien Feld zwischen der Ortslage Antweiler und dem ehemaligen Gut Mallinckrodt.

Die Stadt Mechernich ist nicht Herrin des Verfahrens, das ist der Kreis Euskirchen, bei dem am Montag tatsächlich ein entsprechender Genehmigungsantrag des Wachendorfer Agariers eingegangen ist. Die Stadt werde in dem Verfahren lediglich „gehört“, versicherte Stadtplaner Thomas Schiefer, man habe aber als zuständige Planungsbehörde die Lufthoheit, ein solches Genehmigungsverfahren „planerisch zu begleiten“.

Genau das hat die Stadt Mechernich vor. Schiefer legte dem Stadtentwicklungsausschuss bereits am Dienstag einen Bebauungsplanentwurf vor, der solche Mastanlagen in einer Entfernung von 500 Meter von der Ortslage generell ausschließt.

Solche Mastanlagen mit einem Betreiber aus ausdrücklich bäuerlicher Landwirtschaft, in der Ackerfläche und Kopfzahl der gehaltenen Tiere in einem ausgewogenen Verhältnis stehen, sieht Schiefers Plan innerhalb einer 1000-Meter Zone um geschlossene Ortsbebauungen vor. Eine gewerbliche so genannte „industrielle“ Putenmastanlage aber müsst nach dem Planpapier der Stadt Mechernich weiter als einen Kilometer vom nächsten Ortsrand entfernt sein.

Die zurzeit für bis zu 26 600 Individuen zählende Putenmast „in gleichgeschlechtlicher Haltung“, wie es im Antrag an den Kreis heißt, wäre „op Kirchfeld“, so die Gemarkung, nur 320 Meter von der Ortslage Antweiler entfernt, würde also erst gar nicht genehmigt werden können, falls der von der Stadt angeregte Bebauungsplan Rechtskraft erlangte.

Stadtplaner Thomas Schiefer betonte immer wieder („Wir verhindern nicht, wir steuern“), warum es wichtig sei, dass die Stadt Mechernich ihre diesbezüglichen Vorstellungen glasklar und verbindlich in einem Plan artikuliere. Das diene sowohl dem Schutz der Bevölkerung als auch der Existenz bäuerlicher Familienbetriebe.

Außerdem habe die Entwicklung klarer Vorstellungen und das damit einhergehende Aufstellen entsprechender Pläne „aufschiebende Wirkung“. Guido Maaßen, der Vorsitzende der Bürgerinitiative gegen die Putenmastanlage, nannte den beabsichtigten Bebauungsplan der Stadt Mechernich einen „Schritt in die richtige Richtung“. Dr. Hans Nositschka, eine ehemaliger hoher Landwirtschaftsministerialer aus Wachendorf,  sprach von einem solcherart „verbesserten Gesundheitsschutz“, der ihm aber noch nicht weit genug ging, weil „resistente Mikroorganismen aus solchen Anlagen noch 1000 Meter von der austretenden Stelle entfernt messbar“ seien.

Auch die beiden in der Stadt Mechernich erscheinenden Tageszeitungen beschäftigen sich mit der geplanten Putenmastanlage und dem Handling dieser Pläne durch die Stadt Mechernich. So konzentriert sich der Redakteur Ronald Larmann in der „Kölnischen Rundschau“ auf einen Wall mit Wassergraben, den der fragliche Bebauungsplan Nr. 111 zwischen Mastställe und Ortslage Antweiler legt.

Für den planerischen Vorstoß der Stadt zur Steuerung der „Intensivtierhaltung um Antweiler und Wachendorf“ war Eile geboten, so Larmanns Einschätzung. Und das nunmehrige planerische Eingreifen der Stadtverwaltung Mechernich habe aufschiebende Wirkung bis zu vier Jahren. „So können wir nun in aller Ruhe weiterplanen“, konstatierte Stadtplaner Thomas Schiefer. Dabei sollen auch die Bürger beteiligt werden.

Der Redakteur Günter Hochgürtel stellt im „Kölner Stadt-Anzeiger“ fest, dass „Rat und Verwaltung der Stadt Mechernich dem umstrittenen Projekt nicht wohlwollend gegenüber stehen“. Die Stadtverwaltung betrete mit  dem vorliegenden Planungsentwurf zwar Neuland zum Thema Bauleitplanung. Die Beschlussvorlage biete jedoch eine gute Ausgangsbasis, um den Bau von Intensivtierhaltungsbetrieben besser zu planen und zu steuern. Hochgürtel: „Auch von den Fraktionen gab es durch die Bank Lob für das Vorgehen der Verwaltung, die den Bebauungsplan-Entwurf offenbar schon länger in der Schublade liegen hatte für den Fall, dass der Bauantrag für die Putenmastfarm eingereicht wird.“

pp/Agentur ProfiPress