2100 Menschen folgten Sankt Martin

Einer der ersten Martinszüge in der Eifel ist alljährlich der historische Zug durch das idyllisch illuminierte LVR-Freilichtmuseum in Kommern (Nordeifel) – 2100 Teilnehmer, 900 Wecken verteilt – Gänse waren nur zur Strafe mit dabei – Stellvertretender Museumsleiter Dr. Michael H. Faber erklärt die historischen Hintergründe

Rund 2100 Besucher waren ins Freilichtmuseum gekommen. Foto: Johannes Mager/pp/Agentur ProfiPress

 

Mechernich-Kommern/Eifel – Am 11.11. ist nicht nur Karnevalsauftakt. Am Festtag des Heiligen Martin wechselten in der Eifel früher Dienstboten, Knechte und Mägde ihre Arbeitsstellen, es fanden große Gesindemärkte statt. Auch die Landpacht wird vielerorts bis heute auf das landwirtschaftliche Wirtschaftsjahr abgerechnet, das von Martinstag zu Martinstag geht. Natürlich gehen am 11. November und in den Tagen davor und danach in der ganzen Eifel Martinszüge. 

Einer der ersten ist dabei stets der historische St.-Martinszug im LVR-Freilichtmuseum Kommern. An diesem Zug nahm für das Internetportal der Zukunftsinitiative Eifel und für die Medien in der Eifel unser Reporter Johannes Mager teil. Er schreibt:

Schon von weitem war das Martinsfeuer zu riechen, das hinter der Kappenwindmühle aus Cantrup in hellen Flammen loderte. Leichter Nebel zog über die Wege des LVR-Freilichtmuseums Kommern hinweg. Kein Wunder, hatte es doch eine Stunde, bevor der traditionelle Martinszug starten sollte, sintflutartig geregnet.

Das Team dieses Museums am Nordabhang der Eifel und im Zuständigkeitsgebiet der die ganze Region verbindenden Zukunftsinitiative Eifel hatte sich bereits darauf eingestellt, die Traditionsveranstaltung aus Sicherheitsgründen ausfallen zu lassen und durch eine Martinsfeier im Saal Pingsdorf zu ersetzen. Doch dann schlossen sich die himmlischen Schleusen,  und gegen 17 Uhr machten sich Sankt Martin, dargestellt von Museums-Landwirtschaftsmeister Karl-Heinz Hucklenbroich, hoch zu Roß und seine Gefolgschaft auf den Weg.

Rund 2100 Besucher hatten sich vom Wetter nicht abschrecken lassen und erlebten einen wunderschönen Martinszug in der Abenddämmerung. Sankt Martin war dabei nicht die einzige symbolische Figur.  Auch zwei Gänse und drei junge Gänselieseln komplettierten das stimmungsvolle Szenario. Auf einem Anhänger, der von einem Trecker gezogen wurde, war das Federvieh in einen Käfig gesperrt worden.

„Den Brauch kennt man hier in der Gegend gar nicht so“, erklärte der stellvertretende Museumsleiter Dr. Michael H. Faber. „Der Verzehr von Gänsen zu Sankt Martin ist eine uralte Sitte, die bis auf das Mittelalter zurückgeht.“  Zum einen seien die Gänse zu dieser Jahreszeit schlachtreif gewesen. Zum anderen begann nach Sankt Martin die vorweihnachtliche Fastenzeit und man schlug sich vorher den Bauch noch mal richtig voll.

„Im 19.Jahrhundert wurde das mit Martin in Verbindung gebracht und eine vermutlich aus dem Rheinland stammende Legende konstruiert“, so Faber.  Diese besagt, dass Martin Bischof von Tours  werden sollte. Das habe er nicht gewollt und zudem als römischer Soldat zunächst getauft werden müssen. Um beidem zu entgehen, versteckte er sich in einem Gänsestall, wurde aber von den zeternden Gänsen verraten. „Die Gänse werden also zur Strafe mitgenommen“, so Dr. Faber.

Die Tradition der Martinszüge hingegen ist eine vergleichsweise junge. Sie  breitete sich, vom Niederrhein kommend, rheinaufwärts aus. Ging in Düsseldorf der erste Zug 1890, so folgten Umzüge in Euskirchen und Bonn bereits im Jahr 1920.

Natürlich teilte Sankt Martin am Feuer auch seinen Mantel mit dem Bettler, den Museumslandwirtin Antonia Zimmermann darstellte. Liebe zum Detail bewies das Museum auch bei weiteren Szenen, die sich am Wegesrand abspielten. So zeigten die „lebenden Puppen“ sowohl die Taufe Martins als auch den Verrat durch die Gänse.

Ein passendes Bild bot die Löschgruppe Obergartzem. In historischen Uniformen begleitete sie den Zug mit Pechfackeln. Gleich vier Musikkapellen spielten Martinslieder. Mit Lehrer Hans-Josef Möhrer, stilecht in Frack und Zylinder gekleidet, übten die Kinder zuvor noch einige Lieder, auch auf Platt. Einen schönen Ausklang fand der Martinszug schließlich im Pingsdorfer Tanzsaal, wo Sankt Martin rund 900 Weckmänner mit Pfeife an die Kinder verteilte. Die hatte die Museumsbäckerei alle eigenhändig hergestellt.

pp/Agentur ProfiPress