„Sheriffs“ ziehen an einem Strang

Ortsvorsteher-Konferenz im Mechernicher Rathaus demonstrierte Geschlossenheit trotz Schließung von Bolz- und Kinderspielplätzen – Bürger sollen sich mehr für die Allgemeinheit einsetzen – Stadtverwaltung hilft, wo sie kann

 Mechernich – Montag war „Sheriff-Konferenz“ im Mechernicher Ratssaal: Die 34 Ortsvorsteher der insgesamt 44 zum Stadtgebiet gehörenden Dörfer und Weiler kamen mit Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick, dem Ersten Beigeordneten Thomas Hambach und ihren Fachbereichsleitern der Stadtverwaltung Mechernich zusammen, um Neuigkeiten zu erfahren und Probleme zu erörtern.

Erörtert wurden die Haushaltsaussichten bis 2015, die verhalten optimistisch sind. Kämmerer Ralf Claßen sprach von einer „schwarzen Null“. Eine stramme Konsolidierungsleistung ist bereits das von Claßen für 2012 prognostizierte Haushaltsdefizit von unter zwei Millionen Euro. Das Haushaltsjahr 2010 war noch mit einer Unterdeckung von 4,9 Millionen Euro abgeschlossen worden.

Die Ortsvorsteher nahmen es Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick und der Verwaltungsspitze erkennbar nicht übel, dass sie im Haupt- und Finanzausschuss gegen das Wiederaufleben von Vereinskartellzuschüssen in Höhe von 27 000 Euro pro Jahr argumentiert hatten.

In der Ortsvorsteherkonferenz wurde vielmehr noch einmal deutlich, dass die Stadt Mechernich alleine im Rahmen des Konjunkturpaketes II eine halbe Million Euro in die Sanierung der vielen Dorfgemeinschaftshäuser gesteckt hat.

Insbesondere die energetische Verbesserung, so Erster Beigeordneter Thomas Hambach, sei Ziel entsprechender Arbeiten gewesen, bei denen ein Großteil der Gelder für Material ausgegeben werden konnte, weil, so Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick, „die Akteure vor Ort so toll angepackt haben“.

Die Turnhalle Vussem beispielsweise wurde isoliert, sodass die Heizkosten sich von 8000 auf 4500 Euro reduziert haben – trotz gestiegener Energiepreise. Beigeordneter Thomas Hambach und Bürgermeister Hans-Peter Schick: „Eine Riesenentlastung für die jeweiligen Dorfgemeinschaften – und zwar auf Dauer!“

Vize-Bürgermeister Robert Ohlerth, der auch Ortsvorsteher von Kallmuth ist, erklärte, wie gerade kleine Dorfgemeinschaften unter den Energiekosten zu leiden hätten: „Das ist bald nicht mehr tragbar.“ Andererseits ist Ohlerth ein Ortsvorsteher, der auch Dinge für Ein-Euro-Jobs und Bürgerarbeitsplätze für „seine“ Dorfgemeinschaft zu nutzen weiß.

Die einmal in der Mitte der Legislaturperiode stattfindende Ortsvorsteher-Konferenz diente einmal mehr auch dem Erfahrungsaustausch, um zu sehen, wie es die anderen „Sheriffs“ machen. Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick: „Der Austausch zwischen den Ortsvorstehern, die ja Ehrenbeamte der Stadt Mechernich sind, und der Stadtverwaltung ist intensiv und dauerhaft. Da gibt es nicht den großen Abstimmungsbedarf bei so einer Zusammenkunft.“

Schick schätzt, dass die 34 Ortsvorsteher insgesamt der Stadtverwaltung so viel Arbeit abnehmen, wie anderthalb Vollzeitkräfte zu leisten vermögen. Und er erinnerte daran, dass die „Sheriffs“ sich laut NRW-Kommunalverfassung auch „Ortsbürgermeister“ nennen dürften, was sie in Fällen ja faktisch auch seien.

Mit dem erkennbaren Willen, Abhilfe zu schaffen, wurde eine Mitteilung der Gemeindeprüfungsanstalt zur Kenntnis genommen, wonach es in der Stadt Mechernich zu viele Bolz- und Spielplätze gibt. Da, wo der Bedarf an Spielfläche erkennbar übererfüllt wird, sollen Spielplätze geschlossen werden.

Die Bolzplätze sollen weitgehend verschont bleiben, so Bürgermeister Schick: „Aber wir müssen den Pflegeaufwand reduzieren, insbesondere beim Mähen.“ Hier ist Manpower aus der Bevölkerung verstärkt gefragt: Menschen sollen mehr und mehr ehrenamtliche Tätigkeiten an der Allgemeinheit übernehmen, für deren Finanzierung durch Hauptamtliche kein Geld mehr da ist.

So signalisierte der Mechernicher „Sheriff“ Günther Schulz, dass er bereits Freiwillige in der Nachbarschaft für die Pflege zweier Kinderspielplätze organisiert hätte. Ein dritter Kinderspielplatz im Kernort, der am Pastor-Harff-Weg, wird überhaupt nicht angenommen und soll als Bauland veräußert werden. Bürgermeister Schick schlug vor, Verkaufserlöse von diesem und eventuell noch anderen früheren Spielplätzen für die bessere Ausstattung der bleibenden Kindergärten zu verwenden.

Ab sofort, so Schick, werden auch alle Spielplätze an den in städtischen Immobilien untergebrachten Awo-Kindergärten für die Allgemeinheit freigegeben, d.h. dort dürfen auch die „Pänz“ des Dorfes spielen, die üblicherweise nicht den Kindergarten besuchen. Robert Ohlerth empfahl der Stadtverwaltung, „das Kind nicht mit dem Bade auszuschütten“, also nicht rigoros die für den städtischen Raum vorgegebenen Quadratmeterzahlen der GPA in der Stadt Mechernich umzusetzen.

Die Ortsvorsteher Hubert Krings (Kalenberg) und Johannes Ley (Kommern) dankten ausdrücklich Stadtverwaltung und Bauhof für ihre reibungslose Kooperation und Mithilfe durch Rat und Tat. Wulf-Dieterich Simon (Strempt) berichtete von seinen guten Erfahrungen, die er mit der projektbezogenen Aktivierung von Mitbürgern gemacht habe: „Das ist heutzutage leichter, als Menschen von einer dauernden ehrenamtlichen Mitarbeit » für immer« zu überzeugen.“

Insgesamt ist und bleibt bürgerschaftliches Engagement in Mechernich enorm wichtig. Die Stadt fördert es nicht nur finanziell, sondern auch ideell. Der Redakteur Manfred Lang von der die Stadt in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit begleitenden Agentur ProfiPress eröffnete den Ortsvorstehern noch einmal die Möglichkeit, über entsprechende Aktionen in ihren Dörfern in den Medien zu berichten.

pp/Agentur ProfiPress