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Steine erinnern an die Verstorbenen

Eine Reportage aus dem Hospiz „Stella Maris“ der katholischen Gemeinschaft „Communio in Christo“ in Mechernich Schüler der städtischen Mechernicher Realschule im Feytal wurden im Zuge des „Zeitungsflirts“ mit der „Kölnischen Rundschau“ zu Reportern und gingen auf Recherche

Steine mit den Namen der Hospizgäste erinnern auch nach deren Tod in einem Steingarten an alle Menschen, die dort kommen und gehen. Im „Hospiz Stella Maris“ geht es nicht um die Vorbereitung auf den Tod im engen Sinne, sondern um die Erfahrung, dass der Menschen zum Leben geschaffen ist. Auch wenn der Hospizträger die katholische Gemeinschaft Communio in Christo ist, werden dort Menschen aller ethnischen, politischen und weltanschaulichen Zugehörigkeiten aufgenommen. Für eine liebevolle Behandlung steht eine 34köpfige Belegschaft aus größtenteils haupt-, aber auch zehn Ehrenamtlichen, hier (von rechts) Margret Henk, Rosemarie Schütz, Ulla Reuter-Klöser, Ulrike Müller und Verena Izzo. Foto: Tom Steinicke/PP/Agentur ProfiPress

Mechernich – „Es war einmal eine Frau, die ihren Papagei mit ins Hospiz brachte“: So beginnen zwei Mechernicher Realschülerinnen, Lorena Miehl und Carina Milz, ihre Reportage über das „Hospiz Stella Maris“ der Communio in Christo an der Mechernicher Bruchgasse. Dort helfen Menschen Menschen über jene Schwelle, vor der die meisten Todesangst haben.

Doch im Sterbehospiz, das mussten die Mechernicher Nachwuchs-Reporter erfahren, wird man nicht in erster Linie auf das Sterben oder den Tod vorbereitet: Dort wird gelebt, dort wird oft in der finalen Phase des Lebens wiederentdeckt, wozu der Mensch geschaffen wurde: zum Leben.

Im Mechernicher Hospiz wird geweint, gelacht und geliebt. An manchem Sterbebett wurde schon Versöhnung gefeiert, einmal sogar Hochzeit, ein andermal Taufe. Und in der Küche backen Menschen Plätzchen oder kochen Marmelade ein, die andere essen, wenn sie selbst nicht mehr dazu in der Lage sind . . .

Als die eingangs erwähnte Dame starb, blieb ihr Papagei im Hospiz „Stella Maris“ zurück. „Er ist im Eingangsbereich zusammen mit einem Baum zu finden, der mit Zetteln verziert ist. Auf den Zetteln stehen die Namen der Verstorbenen. Diese Zettel werden nach einer bestimmten Zeit verbrannt“, schreiben die Realschul-Reporterinnen heute in einer „Rundschau“-Reportage.

„Im Hospiz »Stella Maris« begleiten etwa zehn ehrenamtliche Mitarbeiter sterbenskranke Menschen bis zum Ende ihres Lebens. Das »Stella Maris« (Stern des Meeres) ist kostenfrei für die »Gäste“ genannten im Mediziner-Jargon »austherapierten« Patienten, da die Pflege- und Krankenversicherungen die meisten Kosten übernehmen.“

Zehn Prozent der Gesamtkosten muss das Hospiz der katholischen Gemeinschaft „Communio in Christo“ selbst aufbringen. Dazu werden Spenden gesammelt, ein Förderverein unter Vorsitz des früheren AOK-Rheinland-Direktors Hans-Jürgen Sauer wurde gegründet. Schirmherr des Hospizes ist der Startenor Johannes Kalpers. Er bestreitet auch seit Jahren einnahmeträchtige Benefizkonzerte für das „Stella Maris“ der Communio in Christo.

„Der Aufenthalt im Hospiz kann von ein paar Stunden bis zu über einem Jahr dauern“, schreiben die Realschul-Reporterinnen Lorena Miehl und Carina Milz: „Es können bis zu 14 Patienten gleichzeitig untergebracht werden. »Wir nennen sie lieber Gäste«, sagte eine der ehrenamtlichen Hospizhelferinnen den Schülern. Die Gäste dürfen für sie wichtige Gegenstände, etwa einen Sessel, Bilder oder eine Kommode mitbringen. Ihre Haustiere können sie auch mitbringen, solange sie noch in der Lage sind, sich um die Tiere zu kümmern.

Die zehn ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer der 24 hauptamtlichen examinierten Pflegekräfte und anderen Hospiz-Beschäftigten müssen eine Ausbildung machen und kümmern sich um Sozialkontakte oder machen alltägliche Dinge mit den „Gästen“. In der „Zeitungsflirt“-Reportage heißt es dazu: „Vor allem versuchen sie, das Leben ihrer Gäste durch Schminken, Streicheln oder Ähnliches so schön wie möglich zu gestalten.“

Ursula Reuter-Klöser, eine frühere hauptamtliche und jetzt ehrenamtlichen Mitarbeiterin: „Es ist am schlimmsten, die Angehörigen trauern zu sehen, da man mit ihnen mitfühlt.“ Zusätzlich könne man selbst keine Bindung mit ihnen eingehen, Patienten seien oft nicht lange genug im Hospiz.

Sie arbeite 19 Jahre als Krankenschwester, mittlerweile als Ehrenamtliche im Hospiz „Stella Maris“, sagte Ulla Reuter-Klöser, die den Reporterinnen auch von Mutter Marie Therese erzählte, der Gründerin der Mechernicher Gemeinschaft und der weltweiten christlichen Ordensbewegung Communio in Christo sowie ihrer Einrichtungen in Blankenheim und Mechernich, zu denen neben dem Hospiz auch die Seniorenpflegeeinrichtung „Haus Effata“ und die Langzeitpflegeeinrichtung „Communio in Christo“ mit alleine 153 Betten gehören.

Den Hospizbewohnern werde sehr viel Freiheit geboten, schreiben die Realschülerinnen. „Sie dürfen zum Beispiel in ihren Zimmern rauchen. In jedem Zimmer befindet sich eine Rufanlage für Notfälle. Im Mechernicher Hospiz fanden schon eine Hochzeit, eine Taufe und sogar schon einmal Karneval vor Weihnachten statt. Die Bewohner haben viele Möglichkeiten, so etwa am Wochenende nach Hause zu gehen oder eine wichtige Person bei sich im Hospiz schlafen zu lassen. Das Hospiz ist freundlich gestaltet und hat ein paar Rituale wie zum Beispiel ein Buch, in dem man sich eintragen kann. Im Flur werden Steine mit dem Namen der Verstorbenen gesammelt. Diese werden in Kürze, wenn genug Steine vorhanden sind, im Garten zu einer Spirale gelegt.“

Im kommentierenden Resümee der Reportage heißt es: „Wir finden, es ist ein beeindruckendes Engagement, sich so um die Menschen zu kümmern und Zeit freiwillig für diese Arbeit bereitzustellen.“ Als Autorinnen zeichnen Lorena Miehl und Carina Milz aus der Klasse 9c der städtischen Mechernicher Realschule im Feytal.

pp/Agentur ProfiPress