„Gott glaubt an Euch“

Mechernicher Messdiener/innen waren bei der zweiten Ministranten-Wallfahrt der nordwestdeutschen Bistümer nach Kevelaer mit von der Partie

Was bedeutet Gott für mich? Was wollte ich ihn schon immer fragen? Welche Menschen haben mir zum Glauben verholfen? Die Antworten konnten junge Christen Plexiglaswänden in der Kerzenkapelle des niederrheinischen Marienwallfahrtsortes Kevelaer anvertrauen. Hier Steffi Meyer, Samira Geller, Lea Keul und Fabian Hensch aus St. Agnes, Bleibuir (GdG St. Barbara, Mechernich). Foto: Manfred Lang/KirchenZeitung für das Bistum Aachen/pp/Agentur ProfiPress

Mechernich – „Ich glaube, dass Deutschland Fußballeuropameister wird“, versicherte Weihbischof Karl Borsch unter dem zustimmenden Jubel der Aachener und Essener Messdiener bei deren Abmarsch-Auftakt zur zweiten Ministranten-Wallfahrt der nordwestdeutschen Bistümer nach Kevelaer.

Er glaube auch, dass sich punkt 12 Uhr der Himmel erhellen werde und der Nieselregen aussetze, scherzte Borsch angesichts der eher trüben Großwetterlage auf dem Sportplatz Wetten, fünf Kilometer vor den Toren des niederrheinischen Marien-Wallfahrtsortes, in dem sich am Samstag über 10 000 Messdiener  aus den Erzdiözesen Hamburg, Köln und Paderborn sowie aus den nordwestdeutschen Bistümern Aachen, Essen, Münster und Osnabrück sowie aus den niederländischen Nachbardiözesen Roermond und  Herzogenbusch trafen.

Die nach 2009 zweite Messdienerwallfahrt dieser Art und Größe stand unter dem Motto „Ich glaub an Dich!“ Insofern seien die von ihm angeführten „Glaubenspostionen“ etwas völlig anderes als der Glaube an Gott, befand Karl Borsch. Denn der Glaube an Gott sei Beziehung. „Gott glaubt auch an Dich“, versicherte der Bischof. Er empfahl den jungen Christen, die sich zum „Chat“ mit Gott gewissermaßen eingeloggt hätten: „Es gibt Hochzeiten, aber auch Tiefzeiten im Glauben. Wichtig ist, dass Ihr online bleibt!“

„Jeder einzelne ist wichtig für Gott“

Mit von der Partie bei dieser Wallfahrt unter anderem Fabian aus Bleibuir, Brigitte aus Nöthen, Niklas aus Zingsheim: Drei Messdiener unter 130 Teilnehmern der Region Eifel, 1400 aus der Diözese Aachen, über 10 000 aus den nordwestdeutschen Bistümern, die am Samstag an der zweiten Ministrantenwallfahrt der nordwestdeutschen Bistümer nach Kevelaer teilnahmen. Drei unbedeutende Tröpfchen in einem dazu noch bei der Open-Air-Abschlussmesse von oben heftig beregneten Menschenmeer?

„Nee, jeder einzelne ist wichtig für Gott“, sagt Steffi aus Bescheid, Messdienerin aus der GdG Mechernich, und rekapituliert so das christliche Welt-,  Gottes- und Menschenbild. Es war am Samstag unter dem Motto „Ich glaub an Dich“ Thema und Botschaft dieser zweiten gemeinsamen Kevelaer-Wallfahrt der Ministranten aus den Erzdiözesen Hamburg, Köln und Paderborn sowie aus den anderen nordwestdeutschen Bistümern Aachen, Essen, Münster und Osnabrück.

Angeschlossen hatten sich bei der zweiten Wallfahrt nach 2009 auch eine Reihe Messdiener aus den niederländischen Nachbardiözesen Roermond und  S`Hertogenbosch.

Die knapp 1400 Ministranten aus dem Bistum Aachen trafen sich zunächst mit Wallfahrtsorganisator Gerhard Nellessen und den Aachener Weihbischöfen Karl Borsch und Johannes Bündgens zum Auftakt auf dem Sportplatz Wetten vor den Toren Kevelaers. Von Wetten aus machten sich die 77 Gruppen aus allen acht Bistumsregionen nach dem Reisesegen von Bischof Johannes Bündgens gemeinsam mit den Ministranten aus der Diözese Essen zu einer 2300 Teilnehmer starken Fußprozession ins fünf Kilometer entfernte Wallfahrtszentrum um Gnaden- und Kerzenkapelle und Basilika auf.

Das gleiche taten im Sternmarsch rund um Kevelaer 11 000 andere Messdiener. Ein Wahnsinnsbild. „So viele junge Menschen auf einmal sieht man in Kevelaer selten“, kommentierte ein Passant in der Fußgängerzone die Prozession der durchziehenden Aachener. Und das will bei einer Million Pilgern pro Jahr etwas heißen.

„Keine Einzelgänger vom Eifeldorf, Teil einer weltweiten Bewegung“

Beim Sternmarsch auf Kevelaer machten die Mechernicher Messdiener, zu denen die eingangs erwähnten Fabian, Brigitte, Niklas und Steffi gehörten, die beglückende Erfahrung, als Ministranten tatsächlich Teil einer Massenbewegung zu sein. Samira  aus St. Agnes (Bleibuir) meinte angesichts der Menschenscharen, die sich zunächst zum Auftakt im Wallfahrtszentrum und später auf dem Rathausplatz zur Open-Air-Messe mit den Bischöfen trafen: „Das ist echt klasse, das ist wie 2010 bei der Internationalen Ministranten-Wallfahrt nach Rom, da haben wir auch gesehen und gespürt, wir sind nicht auf verlorenem Posten im Eifeldorf, sondern als junge Kirche Teil einer weltweiten Riesengemeinschaft.“

Unter den zahlreichen Angeboten, Konzerten, Workshops und Besichtigungen, die während der 2. Ministranten-Wallfahrt der Nordwestdeutschen Bistümer in ganz Kevelaer offen standen, wählten die Mechernicher Teilnehmer, die von der KirchenZeitung für das Bistum Aachen begleitet wurden, eher sehr kontemplative Elemente.

Die Nöthener und Gilsdorfer nahmen für sich die Möglichkeit der stillen Anbetung in Anspruch. Die Bleibuirer schrieben in der Kerzenkapelle versunken auf Plexiglas-Tafeln, was sie Gott schon immer fragen wollte, was der Glaube ihnen bedeutet und welche Menschen ihnen zum Glauben verhalfen. Christina, Messdiener-„Chefin“ aus St. Willibrordus Nöthen, artikulierte ein kontemplatives Bedürfnis unter den jungen Christen, aber auch den Erwachsenen ihrer Gemeinde. Es werde allgemein bedauert, dass die Gottesdienstform der eucharistischen Anbindung nicht mehr stattfinde.  

Tolle Musik open Air und in der Basilika, Talk-Treffs und Entdeckungsrunden, Bastelangebote und Werkstattbesuche wurden auch gestreift, die eine oder andere Eisdiele besucht, und abschließend , von den Zelebranten und vom Himmel selbst im strömenden Regen reichlich gesegnet, Heilige Messe mit den Bischöfen gefeiert.  

Unter den zahlreichen Angeboten, Konzerten, Workshops und Besichtigungen, die während der 2. Ministranten-Wallfahrt der Nordwestdeutschen Bistümer in ganz Kevelaer offen standen, konnten die Teilnehmer frei wählen. Das Nachmittagsprogramm bestand aus einer  Mischung aus Spiritualität und Begegnung, es gab Entdeckungstouren, Talk-Treffs, Workshops, Musik, Chill- und Fun-Angebote, Werkstattbesuche beim Goldschmied und Orgelbauer, Workshops zum Rosenkranzknüpfen, Spontantheater und Musical, einen Fotokreuzweg und eine Liturgische Revue. Den Abschluss bildete die Heilige Messe mit dem Münsteraner Bischof Felix Genn und zahlreichen anderen Bischöfen.

Gut gelaunt trotz strömendem Regen

Dabei regnete es in Strömen. Der Aachener Weihbischof Karl Borsch und die anderen Konzelebranten reichten die Kommunion unter Schirmen an die Tausende weiter. Der guten Stimmung auf dem Peter-Plümme-Platz tat der Dauerregen kaum Abbruch. Die Organisation des Tages war sowohl auf Aachener Bistumsseite als auch bei den Münsteraner Gesamtverantwortlichen perfekt, auch der Abzug der über 10 000 Kinder und Jugendlichen und der erwachsenen Messdiener funktionierte reibungslos.

pp/Agentur ProfiPress