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Manfred Lang

05/27/2026

Rauch über dem Kermeter

Beim Holzkohlenmeilerfest in Düttling wird aus Buchenholz wieder Holzkohle – Eifel-Gäng half beim spektakulären Entzünden


Beim Holzkohlenmeilerfest in Düttling wird aus Buchenholz wieder Holzkohle – Eifel-Gäng half beim spektakulären Entzünden – Mechernichs Bürgermeister Michael Fingel würdigte Tradition und Gemeinschaft

Mechernich/Schleiden/Heimbach-Düttling - Wenn über dem Kermeter wieder der würzig-süßliche Rauch von kokelndem Buchenholz aufsteigt, dann ist das für viele Menschen weit mehr als bloß der Duft der kleinen nostalgischen Eifelwelt. Der zum neunten Mal von Köhlermeister Gerd Linden und seinen Gesellinnen und „Köhlerbuben“ aufgeschichtete Meiler ist ein Stück Heimatgeschichte.

Mitten im Grünen erläuterte Nationalparkleiter Michael Lammertz der Moderatorin Sabine Wichmann und zahlreichen Gästen die Bedeutung der Holzkohle im Eifelraum, links neben ihm der stellvertretende Euskirchener Landrat Ralf Claßen, Mechernichs Bürgermeister Michael Fingel und der Tageszeitungsredakteur Stephan Everling. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress
Mitten im Grünen erläuterte Nationalparkleiter Michael Lammertz der Moderatorin Sabine Wichmann und zahlreichen Gästen die Bedeutung der Holzkohle im Eifelraum, links neben ihm der stellvertretende Euskirchener Landrat Ralf Claßen, Mechernichs Bürgermeister Michael Fingel und der Tageszeitungsredakteur Stephan Everling. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Linden hat in seiner Ära als Landwirt des Rheinischen Freilichtmuseums in Kommern vor mehr als 40 Jahren damit angefangen – und setzt das uralte Handwerk, das im Zusammenhang mit der frühen Eisenindustrie im Schleidener Tal stand, in seinem Heimatdorf Düttling auch nach seiner Pensionierung fort.

Mit einem Gebet auf dem Meiler segnete der aus Indien stammende und lange unter den Aborigines in Australien wirkende Heimbacher Pfarrer John Bosco Thippartie Menschen und Meiler, neben ihm Moderatorin Sabine Wichmann, Köhlermeister Gerd Linden sowie die „Eifel-Gängster“ Lang, Hochgürtel und Kramp. Foto: Michael Fingel/pp/Agentur ProfiPress
Mit einem Gebet auf dem Meiler segnete der aus Indien stammende und lange unter den Aborigines in Australien wirkende Heimbacher Pfarrer John Bosco Thippartie Menschen und Meiler, neben ihm Moderatorin Sabine Wichmann, Köhlermeister Gerd Linden sowie die „Eifel-Gängster“ Lang, Hochgürtel und Kramp. Foto: Michael Fingel/pp/Agentur ProfiPress

Die dabei gewonnene Holzkohle wird auch nicht mehr zur Verhüttung von Eisenerz verwendet, sondern zum Grillen in der Freizeit. „Hier oben in Düttling bedeutet Rauch: Es ist wieder Leben im Wald“, brachte es Mechernichs Bürgermeister Michael Fingel in seinem Grußwort folgerichtig auf den Punkt. „Op dämm Döddeling“ treffe alte Handwerkskunst auf Geselligkeit und Tradition auf Gemeinschaft. Genau dies mache das Meilerfest jedes Jahr aufs Neue ganz besonders.

Viele Redner im Dreikommuneneck

Zu den Festrednern gehörten neben Bürgermeister Michael Fingel auch dessen Heimbacher Kollege Jochen Weiler und der Schleidener Verwaltungschef Ingo Pfennings sowie Landrat Dr. Ralf Nolten (Düren) und Landratsstellvertreter Ralf Claßen (Euskirchen).

Denn „de Döddeling“, wie das knapp hundert Einwohner zählende Dörfchen an der B 265 zwischen Wolfgarten und Hergarten genannt wird, liegt genau auf der Grenze der Kreise Euskirchen und Düren und der Kommunen Mechernich, Heimbach und Schleiden.

Konzentrierte Handarbeit auf dem Meiler: Markus Linden kontrolliert das Feuer im Inneren des Holzkohlenmeilers und sorgt mit Glut und „Anstochholz“ dafür, dass die Verkohlung kontrolliert in Gang kommt. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress
Konzentrierte Handarbeit auf dem Meiler: Markus Linden kontrolliert das Feuer im Inneren des Holzkohlenmeilers und sorgt mit Glut und „Anstochholz“ dafür, dass die Verkohlung kontrolliert in Gang kommt. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Der Meiler selbst allerdings liege zu einhundert Prozent auf Mechernicher Terrain, betonte Köhlermeister Gerd Linden, weshalb Bürgermeister Michael Fingel auch den außerordentlich langen Festrednerreigen eröffnen solle. „Man kann den Köhlern über die Schulter schauen, den Duft von feuchten Waldsoden und glimmenden Buchenscheiten einatmen und eintauchen in eine Zeit, in der vieles noch ein Stückchen ursprünglicher war“, sagte der Mechernicher Verwaltungschef.

Landratsvertreter Ralf Claßen, der aus Mechernich-Kalenberg stammt und bis vor kurzem bei der Stadtverwaltung Mechernich beschäftigt war, lobte auch im Zusammenhang mit der Düttlinger Meilertradition das Ehrenamt, ohne das auf den Dörfern kaum etwas los sein würde.

Die „Eifel-Gäng“ mit (v.l.) Ralf Kramp, Manni Lang und Günter Hochgürtel neben Oberköhler Gerd Linden (ganz rechts) beim spektakulären Entzünden des Düttlinger Holzkohlenmeilers. Foto: Privat/pp/Agentur ProfiPress
Die „Eifel-Gäng“ mit (v.l.) Ralf Kramp, Manni Lang und Günter Hochgürtel neben Oberköhler Gerd Linden (ganz rechts) beim spektakulären Entzünden des Düttlinger Holzkohlenmeilers. Foto: Privat/pp/Agentur ProfiPress

Zu Wort kamen auch der Kommerner Freilichtmuseumschef Dr. Carsten Vorwig, der Anfang der 2000er Jahre bei Gerd Linden im Freilichtmuseum als „Köhlerpraktikant“ in die Lehre gegangen war, und dessen langjähriger Vorgänger Dr. Dieter Pesch, in dessen Ägide die Wiederbelebung des Eifeler Köhlerhandwerks gefallen war.

Pesch sagte im Interview mit Moderatorin Sabine Wichmann vom Förderverein Nationalpark Eifel: „Gerd Linden hat 1985 als Museumslandwirt bei mir angefangen und unmittelbar seine mehrere Jahre dauernde Lehrzeit bei den Museumsköhlern Karl Schregel und Josef Meurer aufgenommen.“ Seit dem Jahr 2008 brennt Linden mit seiner Mannschaft auch am Rand des Kermeters bei Düttling Meiler ab.

Olympisches Feuer und Adler im Einsatz

Zum Thema Köhlereiwirtschaft, die vor der Industriellen Revolution im 19. Jahrhundert mit einem Kahlschlag der Eifeler Buchenurwälder einherging, äußerten sich auch Christoph Bölz, der Leiter des Forstamtes Hocheifel-Zülpicher Börde in Nettersheim, und Michael Lammertz, der Chef des Nationalparkforstamtes in Schleiden. Zu einem völlig anderen Sujet gehört ein weiterer Festredner, der aus der Schweiz stammende Bad Münstereifeler Hotelier Michael Starkel, der im Auftrag von Gerd Linden das „Meilerbier“ kreiert hat. Gebraut wird es in Gemünd.

Oberköhler Gerd Linden, der gemeinsam mit seinen Söhnen Daniel, Markus und Ingo sowie zahlreichen Helfern aus dem Dorf den traditionellen Holzkohlenmeiler aus rund 60 Raummetern Buchenholz aufgebaut hat, ist auch der Zeremonienmeister und Choreograph der Meilerfeste. Jedes Jahr lässt sich der gelernte Land- und Forstwirt etwas Neues einfallen, wie der Meilerbrand entfacht wird.

Es standen schon olympische Feuer zur Debatte, die man während des Fackellaufs nach Paris beleihen wollte, wovon das Olympische Komitee aber nicht begeistert war – und Gerd Linden und sein Team kurzerhand auf einen Lanz Bulldog zurückgriffen, dessen Glühkopf sie mit Hilfe eines Rechauds vom Restaurant „Olympisches Feuer“ in Mechernich-Heufahrtshütte in Aktion versetzten.

Großes Interesse am traditionsreichen Köhlerhandwerk: Gemeinsam mit zahlreichen Gästen verfolgten (vorne von links) Barbara Hochgürtel, Forstamtsleiter Christoph Böltz, Freilichtmuseumsleiter Dr. Carsten Vorwig, Mechernichs Bürgermeister Michael Fingel, Vize-Landrat Ralf Claßen, Nationalparkleiter Michael Lammertz und Eifel-Gängster Ralf Kramp die Eröffnung des Meilerfestes. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress
Großes Interesse am traditionsreichen Köhlerhandwerk: Gemeinsam mit zahlreichen Gästen verfolgten (vorne von links) Barbara Hochgürtel, Forstamtsleiter Christoph Böltz, Freilichtmuseumsleiter Dr. Carsten Vorwig, Mechernichs Bürgermeister Michael Fingel, Vize-Landrat Ralf Claßen, Nationalparkleiter Michael Lammertz und Eifel-Gängster Ralf Kramp die Eröffnung des Meilerfestes. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Selbst Adler aus dem Wildfreigehege Hellenthal flogen bereits Werg und Streichhölzer zum Düttlinger Meilerplatz, im vergangenen Jahr betätigte sich der aus der Fernsehshow „Bares für Rares“ als „80-Euro-Waldi“ bekannte Krekeler Antiquitätenhändler Walter Lehnertz als Brandstifter.

Diesmal sollte das Feuer mit Hilfe eines historischen „Opel Admiral“ aus dem LVR-Freilichtmuseum Kommern entfacht werden. Der Oldtimer diente der legendären „Eifel-Gäng“ als Fluchtfahrzeug nach einem fingierten Überfall auf die Gaststätte Watteler aus Eschweiler über Feld, die am Marktplatz im Freilichtmuseum Kommern wiederaufgebaut wurde.

Vor der Kneipe stand das Fluchtfahrzeug

Am Steuer des Fluchtwagens saß unter den Augen von Freilichtmuseumsleiter Dr. Carsten Vorwig sein Mitarbeiter Reinhold Heller aus Rupperath. Ellen Thannhäuser und Markus Linden filmten die spektakuläre Flucht auf den Düttling, nachdem ein WDR -Team Gerd Linden kurzfristig einen Korb gegeben hatte. Die Fernsehprofis aus Köln rückten erst Pfingstdienstag am Meiler an.

Krimiautor Ralf Kramp, Musiker Günter Hochgürtel und Journalist und Diakon Manfred Lang entfachten zunächst mit dem Zigarettenanzünder des Oldtimers Zeitungspapier in einem Blecheimer. Der wurde dann in einem tiefen Loch in der Mitte des Meilers versenkt und einige Eimer Glut und „Füchse“ hinterhergekippt. Letzteres sind nur teilweise verkohlte Holzstücke vom äußeren Rand, der sogenannten „Fülle“, des Vorjahresmeilers.

Kurz darauf zogen dichte helle Rauchschwaden über den Kermeter und das Bergbuirer Feld. Zwischen rauchendem Holz, Musik, Gesprächen, Grillgut und frisch gezapftem Meilerbier entstand die besondere Mischung aus Brauchtum und Dorfleben, die den Meilerplatz am Kermeter seit Jahren auch als Festplatz ausweist.

Pfarrer John Bosco sprach auf dem Meilerplatz den Segen über Menschen, Handwerk und Gemeinschaft. Unterstützt wurde er dabei von Moderatorin Sabine Wichmann vom Förderverein Nationalpark Eifel. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress
Pfarrer John Bosco sprach auf dem Meilerplatz den Segen über Menschen, Handwerk und Gemeinschaft. Unterstützt wurde er dabei von Moderatorin Sabine Wichmann vom Förderverein Nationalpark Eifel. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Dass hinter dem Fest enorme Arbeit steckt, wurde ebenfalls deutlich. Mehr als 50 Helfer seien allein während des Meilerfestes im Einsatz, berichtete Daniel Linden dem Journalisten Stephan Everling, der Pfingstdienstag in der „Kölnischen Rundschau“ und im „Kölnmer Stadt-Anzeiger“ berichtete.

Acht Rentner hätten in den vergangenen Wochen maßgeblich am Aufbau des Meilers gearbeitet – teilweise noch bei winterkaltem Wetter. Den Segen Gottes gab ihrer Arbeit und dem Meiler der Heimbacher Pfarrer John Bosco Thippartie, der aus Indien stammt und lange unter den Aborigines in Australien wirkte.

Für einen stillen Moment sorgte zudem die Vorstellung der Skulptur „Ahle Köbes“ der Mechernicher Künstlerin Rendel Freude. Das aus einem umgedrehten Baumstamm mit der Motorsäge herausgeschnitzte Gesicht mit den Wurzeln als Haare soll an den Bergbuirer Jakob Gresser erinnern, den unlängst verstorbenen Senior unter Gerd Lindens „Meilerbuben“.

„Sogar ein Bundespräsident war Köhler“

Die „Eifel-Gängster“ sollten laut Lindens Drehbuch zündeln und nicht reden, dennoch verkniffen sich „Rolf“ Ralf Kramp, „Hunnes“ Hochgürtel und „Manni“ Lang keineswegs boshafte Kommentare zum Geschehen. Nach der soundsovielten Auflage nicht enden wollender Festreden, befand der Kriminalschriftsteller und Komiker Ralf Kramp, es sei bislang bei der Würdigung der Holzkohlenwirtschaft als besondere Form der Schwarzarbeit viel zu wenig berücksichtigt worden, „dass wir in Deutschland sogar einen Bundespräsidenten hatten, der Köhler war“.

Am Steuer des Fluchtwagens der „Eifel-Gäng“, einem Oldtimer der Marke Opel Admiral, saß Reinhold Heller aus Rupperath. Ellen Thannhäuser und Markus Linden filmten die spektakuläre Flucht von Manni Lang, Günter Hochgürtel und Ralf Kramp (v.l.) auf den Düttling. Foto: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress
Am Steuer des Fluchtwagens der „Eifel-Gäng“, einem Oldtimer der Marke Opel Admiral, saß Reinhold Heller aus Rupperath. Ellen Thannhäuser und Markus Linden filmten die spektakuläre Flucht von Manni Lang, Günter Hochgürtel und Ralf Kramp (v.l.) auf den Düttling. Foto: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress

Manfred Lang wiederum fuhr dem Ex-Landtagsabgeordneten und amtierenden Dürener Landrat Dr. Ralf Nolten in die Parade, nachdem dieser wahrheitswidrig behauptet hatte, der Düttling sei deshalb in seinem Sonnerreich so unbekannt, weil „das Dörfchen auf keiner Landkarte verzeichnet ist“. Der aus dem Nachbardorf Bleibuir stammende „Manni“ Lang belehrte den Unionspolitiker eines Besseren: „Der Döddeling ist nicht auf keiner, sondern auf JEDER Landkarte dieser Welt verzeichnet.“

Der Eifel-Gängster und katholische Diakon empfahl Nolten und anderen Ignoranten, die das nicht glauben wollten, einen Blick auf die Windrose in den Kartenlegenden zu werfen: „Dieses untrügliche Zeichen der Kompassrose erinnert uns daran, dass in Düttling der Wind gedreht wird.“ Womit der Kabarettist ein in der Nordeifel weit verbreitetes Wortspiel über Düttling aufgriff, in dessen exponierter Lage an der Schnittstelle zwischen Eifel/Ardennen und Köln-Bonner Bucht angeblich „et Wödde jemaaht“, als das Wetter „gemacht“ wird.              

pp/Agentur ProfiPress