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Manfred Lang

05/27/2026

Eicks feiert seine musische Seele

Bürgermeister Michael Fingel bezeichnete den Musikverein Sankt Martin Eicks, der Pfingsten sein 70-jähriges Jubiläum feierte, als lebendiges Stück Heimat, das weit über das Dorf hinausstrahlt

Bürgermeister Michael Fingel bezeichnete den Musikverein Sankt Martin Eicks, der Pfingsten sein 70-jähriges Jubiläum feierte, als lebendiges Stück Heimat, das weit über das Dorf hinausstrahlt – Internationale Freundschaften entstanden – Zum Jubiläumsfest, das mit Festgottesdienst und Gräbersegnung begann, reiste auch der Trachtenverein Neuötting an, der seit über 40 Jahren mit der Eifel verbunden ist   

Mechernich-Eicks - Wenn in Eicks die Musik spielt, ist das weit mehr als Unterhaltung. Dann geht es um Tradition, Verlässlichkeit und Zusammenhalt. Der Musikverein St. Martin, der am Pfingstsonntag 70jähriges Bestehen feierte, ist für die Menschen am Nordwestrand des Mechernicher Stadtgebiets ein Stück Heimat.

Zu neuen Ehrenmitgliedern des Musikvereins St. Martin Eicks wurden Johanna Voissel aus Eicks und Thomas Kelnhofer vom befreundeten Trachtenverein Neuötting ernannt. Die Ehrung erfolgte im Rahmen des Jubiläumsabends zum 70-jährigen Bestehen durch die Vorsitzenden Stephan Hüllenkrämer (l.) und Erwin Contemprée. Foto: Privat/pp/Agentur ProfiPress
Zu neuen Ehrenmitgliedern des Musikvereins St. Martin Eicks wurden Johanna Voissel aus Eicks und Thomas Kelnhofer vom befreundeten Trachtenverein Neuötting ernannt. Die Ehrung erfolgte im Rahmen des Jubiläumsabends zum 70-jährigen Bestehen durch die Vorsitzenden Stephan Hüllenkrämer (l.) und Erwin Contemprée. Foto: Privat/pp/Agentur ProfiPress

Das würdigten in ihren Ansprachen auch Mechernichs Bürgermeister Michael Fingel und Vize-Landrat Ralf Claßen, der bis vor kurzem noch Kämmerer und Dezernent der Mechernicher Stadtverwaltung war. Stadtverwaltungschef Michael Fingel nannte das Eickser Blasorchester, das sich aus rund 50 Musikerinnen und Musikern im Alter zwischen zehn und 76 Jahren zusammensetzt, einen „lebendigen Verein, der weit über den Ort hinaus ausstrahlt“.

Seit seiner Gründung 1956 gehöre St. Martin Eicks fest zum kulturellen Leben des früheren Amtes Eicks und seit den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts der kommunal neugegliederten Stadt Mechernich mit ihren heute 28.000 Einwohnern. Besonders beeindruckend sei die Verbindung der Generationen unter den Orchestermitgliedern.

Ein besonderer Moment des Jubiläumsfestes: Bürgermeister Michael Fingel (m.) und Vize.-Landrat Ralf Claßen (r.) dankten dem scheidenden Dirigenten Stephan Hüllenkrämer für zwei Jahrzehnte musikalische Leitung. Er erhielt auch die Dirigentennadel in Gold des Volksmusikerbundes Nordrhein-Westfalen. Sein Vorgänger, Ehren-Dirigent Bernd Claßen, hatte den Verein zuvor mehr als 30 Jahre geprägt. Foto: Privat/pp/Agentur ProfiPress
Ein besonderer Moment des Jubiläumsfestes: Bürgermeister Michael Fingel (m.) und Vize.-Landrat Ralf Claßen (r.) dankten dem scheidenden Dirigenten Stephan Hüllenkrämer für zwei Jahrzehnte musikalische Leitung. Er erhielt auch die Dirigentennadel in Gold des Volksmusikerbundes Nordrhein-Westfalen. Sein Vorgänger, Ehren-Dirigent Bernd Claßen, hatte den Verein zuvor mehr als 30 Jahre geprägt. Foto: Privat/pp/Agentur ProfiPress

Dass der Verein sieben Jahrzehnte überdauert hat, grenze beinahe an ein kleines Wunder. Denn begonnen hatte alles vergleichsweise schlicht. „Heute, den 29.04.1956, sind die Jungmänner und Männer von Eicks zusammengekommen, um einen Musikverein zu gründen“, heißt es in der von Diana Klinkhammer aufgearbeiteten Chronik. Angestoßen hatte Pfarrer Herbert Michael Fritz die Gründung, der sich nicht damit abfinden konnte, dass Floisdorf über einen Musikverein verfügte, Eicks aber nicht.

Mit Dirigent Hans Fiedler begann eine Entwicklung, die das Dorf nachhaltig prägen sollte. Schon 1958 richtete das Orchester St. Martin sein erstes Musikfest aus. Es folgten Jahrzehnte voller Konzerte, Prozessionen, Reisen und legendärer Burgfeste am Wasserschloss Eicks.

Nach dem Festgottesdienst segnete Diakon Manfred Lang auf dem Friedhof auch die Vereinsfahne und das Grab des verstorbenen Ehren-Vorsitzenden Manfred Voissel. Foto: Tanja Hüllenkrämer/pp/Agentur ProfiPress
Nach dem Festgottesdienst segnete Diakon Manfred Lang auf dem Friedhof auch die Vereinsfahne und das Grab des verstorbenen Ehren-Vorsitzenden Manfred Voissel. Foto: Tanja Hüllenkrämer/pp/Agentur ProfiPress

Gerade diese Burgfeste wurden weit über die Region hinaus bekannt. Die in Kommern lebenden Kölner Originale Toni und Heli Steingass moderierten, die „Höhner“, „Bläck Fööss“, die „Räuber“ und Heino standen auf der Bühne, selbst Nationaltorwart Toni Schumacher schaute vorbei.

Musik, Dorfleben und Glaube

Besonders prägend wurden auch die internationalen Freundschaften: Reisen zu Folklorefestivals in Spanien, in die Mechernicher Partnerstadt Nyons und die seit mehr als 40 Jahren bestehende Verbindung zum Trachtenverein Neuötting machten aus musikalischen Begegnungen echte Freundschaften. Auch beim Jubiläum waren die Freunde aus Bayern wieder dabei – ebenso wie zahlreiche Wegbegleiter aus der Region.

Schon der Festgottesdienst am Pfingstsonntagmorgen in der Pfarrkirche St. Martin zeigte, wie eng Musik, Dorfleben und Glaube in Eicks miteinander verbunden sind. Gemeinsam mit zahlreichen Musikerinnen und Musikern gestaltete Diakon Manfred Lang die von Tanja Hüllenkrämer und Diana Klinkhammer konzipierte Feier, die ganz im Zeichen von Zusammenhalt und Gemeinschaft stand.

Im Rahmen des 70-jährigen Jubiläums ehrte der Musikverein St. Martin Eicks langjährige und verdiente Mitglieder für ihr Engagement in der Amateurmusik. Von links: Stephan Hüllenkrämer, Franz-Josef Lux, Klaus Lux, Karl Lux, Erwin Contemprée, Frank Müller, Diana Klinkhammer und Rudolf Voissel. Alle erhielten die Goldene Ehrennadel des Volksmusikerbundes, Stephan Hüllenkrämer zudem die Dirigentennadel in Gold und Diana Klinkhammer und Karl Lux die Landesehrenmedaille. Foto: Tanja Hüllenkrämer/pp/Agentur ProfiPress
Im Rahmen des 70-jährigen Jubiläums ehrte der Musikverein St. Martin Eicks langjährige und verdiente Mitglieder für ihr Engagement in der Amateurmusik. Von links: Stephan Hüllenkrämer, Franz-Josef Lux, Klaus Lux, Karl Lux, Erwin Contemprée, Frank Müller, Diana Klinkhammer und Rudolf Voissel. Alle erhielten die Goldene Ehrennadel des Volksmusikerbundes, Stephan Hüllenkrämer zudem die Dirigentennadel in Gold und Diana Klinkhammer und Karl Lux die Landesehrenmedaille. Foto: Tanja Hüllenkrämer/pp/Agentur ProfiPress

In seiner Predigt verglich Lang den Musikverein mit dem Bild des Apostels Paulus vom „einen Leib und den vielen Gliedern“. Wie in einem Orchester brauche es unterschiedliche Stimmen und Instrumente, damit am Ende Harmonie entsteht und Verlässlichkeit, denn ein Zusammenschluss von Menschen unterschiedlicher Generationen, der so lang gehalten hat, habe auch gelernt, mit Schwierigkeiten und Differenzen umzugehen.

Gemeinschaft sei nicht selbstverständlich, so der aus dem Nachbardorf Bleibuir stammende Diakon. Sie brauche Menschen, „die Verantwortung übernehmen“ und bereit seien, Zeit und Herzblut einzubringen – genau das sei in Eicks seit 1956 über Generationen geschehen. Deshalb sei der Musikverein „ein Stück Heimat“ geworden: In der Freude ebenso wie in der Trauer.

Mit einem festlichen Wortgottesdienst in der Pfarrkirche St. Martin begann das Jubiläum des Musikvereins Eicks. Gemeinsam mit Diakon Manfred Lang feierten Musikerinnen, Musiker und zahlreiche Gäste 70 Jahre gelebte Gemeinschaft und Musiktradition im Dorf, darunter auch der Trachtenverein Neuötting. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress
Mit einem festlichen Wortgottesdienst in der Pfarrkirche St. Martin begann das Jubiläum des Musikvereins Eicks. Gemeinsam mit Diakon Manfred Lang feierten Musikerinnen, Musiker und zahlreiche Gäste 70 Jahre gelebte Gemeinschaft und Musiktradition im Dorf, darunter auch der Trachtenverein Neuötting. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Vor dem Bürgerhaus wurde anschließend gelacht, erzählt und angestoßen. Kinder liefen zwischen Instrumentenkoffern umher, ältere Vereinsmitglieder erinnerten sich an frühere Zeiten – und immer wieder wurde deutlich: Dieser Verein ist tief im Ort verwurzelt.

Ehrenmitgliedschaften und Ehrennadeln

Emotional wurde es bei den Ehrungen verdienter Mitglieder. Für jahrzehntelange aktive Tätigkeit in der Amateurmusik erhielten Karl Lux (60 Jahre), Klaus Lux (55 Jahre), Franz-Josef Lux, Erwin Contemprée, Frank Müller und Rudolf Voissel (jeweils 50 Jahre) die Goldene Ehrennadel des Volksmusikerbundes Nordrhein-Westfalen (VMB NRW). Die Landesehrenmedaille des VMB NRW ging an Diana Klinkhammer für 30 Jahre Vorstandsarbeit sowie an Karl Lux für 25 Jahre Engagement im Vorstand.

Auch der im Nachbardorf Hostel lebende Kölschrockstar Stephan Brings ließ sich von den Eicksern nicht zweimal bitten, beim Pfingstsonntagsnachmittagsprogramm in die Saiten zu greifen. Foto: Tanja Hüllenkrämer/pp/Agentur ProfiPress
Auch der im Nachbardorf Hostel lebende Kölschrockstar Stephan Brings ließ sich von den Eicksern nicht zweimal bitten, beim Pfingstsonntagsnachmittagsprogramm in die Saiten zu greifen. Foto: Tanja Hüllenkrämer/pp/Agentur ProfiPress

Zu Ehrenmitgliedern wurden Johanna Voissel aus Eicks und Thomas Kelnhofer vom befreundeten Trachtenverein Neuötting ernannt. Und dann war da noch dieser Moment, der vielen besonders naheging. Denn mit dem Jubiläum endete zugleich eine Ära: Stephan Hüllenkrämer verabschiedete sich nach 20 Jahren als Dirigent des Musikvereins.

Der gebürtige Mechernicher hatte 2006 den Taktstock von seinem Vorgänger Bernd Claßen übernommen und den Verein musikalisch modernisiert. Rock, Pop und Unterhaltungsmusik hielten stärker Einzug ins Repertoire – ohne die traditionellen Wurzeln zu verlieren. Unter seiner Leitung entwickelte sich der Musikverein kontinuierlich weiter.

Auch der Trachtenverein Neuötting trat auf, der seit über 40 Jahren mit dem Musikverein St. Martin und der Eifel verbunden ist. Auch die Bergkapelle Mechernich und der Musikverein Nöthen sowie Kinderliedermacher Uwe Reetz machten ihre Aufwartung. Foto: Tanja Hüllenkrämer/pp/Agentur ProfiPress
Auch der Trachtenverein Neuötting trat auf, der seit über 40 Jahren mit dem Musikverein St. Martin und der Eifel verbunden ist. Auch die Bergkapelle Mechernich und der Musikverein Nöthen sowie Kinderliedermacher Uwe Reetz machten ihre Aufwartung. Foto: Tanja Hüllenkrämer/pp/Agentur ProfiPress

Beim Frühjahrskonzert im März hatte Hüllenkrämer seinen letzten großen Auftritt als musikalischer Leiter. Besonders die Stücke „With or without you“ von U2 und „Über sieben Brücken“, die die Musikerinnen und Musiker gemeinsam mit Uwe Reetz, mit dem sie ebenfalls eine sehr lange Freundschaft verbindet, zusammen aufführten, sorgten damals für Gänsehautmomente. „Nach so vielen Jahren war der ganze Auftritt und auch die vielen Gespräche im Anschluss ein krönender Abschluss“, sagte der 56-Jährige rückblickend.

Ganz verabschiedet hat er sich allerdings nicht. Künftig sitzt Stephan Hüllenkrämer wieder „im zweiten Glied“ – bei den Trompetern und Flügelhornisten. Stephan Hüllenkrämer erhielt Pfingstsonntag die Dirigentennadel in Gold des Volksmusikerbundes. Zudem wurden zahlreiche weitere aktive Mitglieder für aktive Mitgliedschaft für zehn, 15, 20, 25, 30, 35, 40 und 45 Jahre mit der Ehrennadel des Musikvereins St. Martin Eicks ausgezeichnet.

pp/Agentur ProfiPress