Im Mechernicher Stadtgebiet beginnt der geförderte Glasfaserausbau – Rund 4.500 Anschlüsse für 6.200 Haushalte - Fertigstellung innerhalb von 24 Monaten geplant
Mechernich-Berg – In der einen Hand hält Gerd Wolter ein dickes, schweres Kupferkabel. In der anderen zeigt der Senior-Projektleiter der Telekom eine kaum sichtbare Glasfaser. Der Größenunterschied ist gewaltig, die Leistungsfähigkeit jedoch genau umgekehrt: „Eine solche Faser kann mehr übertragen als ein ganzes Kupferkabel“, erklärt Wolter.
Anschaulicher hätte das Versprechen kaum ausfallen können, das mit dem symbolischen Spatenstich in Berg verbunden war: In den kommenden zwei Jahren soll im Mechernicher Stadtgebiet ein Glasfasernetz entstehen, das rund 4.500 Anschlüsse und damit etwa 6.200 Haushalte erreicht. Es handelt sich um das größte Ausbaugebiet innerhalb des kreisweiten Förderprogramms.

Die ersten Bagger sind bereits angerückt. Gestartet wurde Anfang September in Berg. Von dort aus soll sich das Netz Schritt für Schritt durch nahezu das gesamte Stadtgebiet ziehen. Nach aktueller Planung soll der Ausbau innerhalb von 24 Monaten abgeschlossen sein.
Beim Spatenstich begleiteten Wolter neben Bürgermeister Michael Fingel, dem Ersten Beigeordneten Thomas Hambach, Wirtschaftsförderer René Zander und Jan Michels vom städtischen Fachbereich Tiefbau unter anderem der Telekom-Regiomanager Stefan Mysliwitz, Projektleiter Michael Klöcker sowie Anna Schnitzler, Geschäftsführerin der Baufirma Franz-Josef Braun sowie die Bauleiter Mahmoud Yassine und Thomas Nöthen den offiziellen Start.
„Eine Hausnummer“
„Der flächendeckende Ausbau wird schon seit Jahren gefordert“, sagte Bürgermeister Fingel beim Spatenstich. Eine leistungsfähige Internetverbindung sei inzwischen im privaten Alltag ebenso unverzichtbar wie für Unternehmen, Schulen, Verwaltung und Menschen, die im Homeoffice arbeiten.

„Glasfaser bedeutet schnelles und stabiles Internet für unsere Bürgerinnen und Bürger. Diese moderne Technologie steigert nicht nur die Lebensqualität, sondern wirkt sich auch positiv auf den Wert von Immobilien aus“, so Fingel. Die angekündigten 24 Monate seien zwar „eine Hausnummer“, doch die bisherige Zusammenarbeit verlaufe konstruktiv und transparent, findet auch Wirtschaftsförderer René Zander. Wichtig sei vor allem die enge Abstimmung mit den Straßen- und Tiefbauarbeiten der Stadt.
Auch der Erste Beigeordnete Thomas Hambach bezeichnete schnelles Internet als entscheidenden Standortfaktor: „Ohne Breitbandausbau funktioniert es heute nicht mehr.“ Bei Neubaugebieten und Grundstücksanfragen gehöre die verfügbare Internetgeschwindigkeit inzwischen zu den ersten Fragen möglicher Neubürger.
1.000 Meter pro Woche
Welche Dimension das Vorhaben hat, machen die Zahlen von Regiomanager Stefan Mysliwitz deutlich: Rund 95 Kilometer Haupttrasse und weitere 40 Kilometer Leitungen zu den einzelnen Gebäuden müssen gebaut werden. Hinzu kommen etwa acht Kilometer oberirdisch geführte Leitungen. Dafür werden allerdings keine neuen Masten aufgestellt, sondern vorhandene Trassen genutzt. Außerdem sind im Stadtgebiet rund 230 neue Verteilerkästen vorgesehen.
Damit der Zeitplan eingehalten werden kann, müssen die Bautrupps im Durchschnitt etwa 1.000 Meter Längstrasse pro Woche schaffen. Gearbeitet werden soll parallel an drei bis vier Stellen im Stadtgebiet.

„Wenn man in die Erde geht, kann immer etwas Unvorhergesehenes passieren“, sagte Projektleiter Gerd Wolter. Bisher sei der Ausbau aber gut gestartet. Als großen Vorteil wertete er, dass mit der Firma Franz-Josef Braun ein ortsansässiges Unternehmen für die Arbeiten gewonnen werden konnte. Kurze Wege und die langjährige Zusammenarbeit sollen helfen, das hohe Tempo zu halten.
Für die Menschen im Stadtgebiet bedeutet das allerdings auch: In den kommenden beiden Jahren wird es an vielen Stellen Baustellen geben. „Die werden massiv zunehmen“, kündigte Hambach offen an. Dennoch sei das Projekt trotz vorübergehender Belastungen eine gute Nachricht: „Die Menschen sind froh, wenn der Ausbau geschafft ist.“
Verlegt werden die Glasfaserleitungen in der Regel in einer Tiefe von etwa 45 Zentimetern. Das ermöglicht ein schnelleres Arbeiten und verkürzt die Beeinträchtigungen für Anwohner. Wo in den kommenden Jahren ohnehin Straßenbauarbeiten geplant sind, sollen Trassenführung und Verlegetiefe mit der Stadt abgestimmt werden, um spätere Doppelarbeiten möglichst zu vermeiden.
Zweistelliger Millionenbetrag
Mechernich stellt rund ein Viertel des gesamten kreisweiten Ausbauprojekts. Für das neue Netz im Stadtgebiet wird ein zweistelliger Millionenbetrag investiert. Das Förderprogramm für den gesamten Kreis Euskirchen umfasst rund 64 Millionen Euro. Die Hälfte der Fördersumme trägt der Bund, 40 Prozent übernimmt das Land Nordrhein-Westfalen. Die verbleibenden rund zehn Prozent entfallen auf Kreis und Kommunen. Hinzu kommen eigene Investitionen des ausbauenden Unternehmens.
Verantwortlich ist GlasfaserPlus, ein Gemeinschaftsunternehmen der Deutschen Telekom und des IFM Global Infrastructure Fund. Das neue Netz soll grundsätzlich allen Telekommunikationsanbietern offenstehen. Möglich werden Übertragungsgeschwindigkeiten von bis zu einem Gigabit pro Sekunde. Im Kreis Euskirchen ergänzt der geförderte Ausbau die eigenwirtschaftlichen Investitionen des Unternehmens. Etwa zwei Drittel der geplanten Anschlüsse sollen über das Förderprogramm, ein weiteres Drittel ohne öffentliche Zuschüsse realisiert werden. Insgesamt umfasst das Vorhaben kreisweit mehr als 18.000 Adressen.
„Bitte jetzt handeln“
Der wichtigste Appell beim Spatenstich richtete sich an die Hauseigentümer im Fördergebiet: Der Anschluss wird nicht automatisch gelegt. Wer die Glasfaser bis ins Gebäude haben möchte, muss der Verlegung ausdrücklich zustimmen und den Hausanschluss beauftragen (www.telekom.de/glasfaser oder telefonisch unter 08 00 2 26 61 00).
Das ist während der geförderten Ausbauphase grundsätzlich kostenlos – unabhängig davon, wie viele Wohneinheiten sich im Gebäude befinden. Ein sofortiger Tarifabschluss ist für den Bau des Hausanschlusses nicht zwingend erforderlich. Wer die Glasfaser anschließend nutzen möchte, benötigt jedoch einen entsprechenden Vertrag bei einem der verschiedenen Anbieter.
„Wenn wir mit dem Bagger vor Ort sind, sollte man sich zumindest die Glasfaser bis ins Haus legen lassen“, sagte Stefan Mysliwitz. Eine nachträgliche Erschließung sei deutlich aufwendiger und könne künftig mit Kosten verbunden sein. Sein klarer Rat lautete daher: „Bitte jetzt handeln.“
Bevor die Arbeiten in einer Straße beginnen, verteilt die ausführende Baufirma Anwohnerschreiben. Darin wird auch noch einmal erklärt, wie ein Anschluss beauftragt werden kann. „Was wir alle nicht wollen, ist, dass der Bagger schon um die Ecke ist und sich jemand dann doch noch für den Anschluss entscheidet“, brachte es Gerd Wolter auf den Punkt. Jetzt werde die Leitung kostenlos bis ins Haus gelegt: „Es gibt eigentlich keinen Grund, es nicht zu tun.“
Informationen zum geförderten Hausanschluss gibt es beispielsweise unter www.glasfaserplus.de/foerderung. Auskünfte zu Verfügbarkeit und Tarifen der Telekom erteilt das Unternehmen wie auch andere Anbieter in eigenen Shops, telefonisch oder online.
pp/Agentur ProfiPress
09/15/2026

