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Manfred Lang

09/15/2026

„Et Lövve öss schön!“

Familienvater, Menschenfreund und Eifeler Mundartsprecher, Rotkreuzfunktionär, Pfadfinder, Irlandfan, Weltbürger, Eurochild und Rheinalandtaler-Inhaber Rolf Zimmermann (74) ist am Sonntagmorgen nach langer Krankheit friedlich entschlafen - Weggefährten aus dem Roten Kreuz erinnern an den langjährigen Kreisbereitschafts- und Geschäftsführer

Familienvater, Menschenfreund und Eifeler Mundartsprecher, Rotkreuzfunktionär, Pfadfinder, Irlandfan, Weltbürger, Eurochild und Rheinalandtaler-Inhaber Rolf Zimmermann (74) ist am Sonntagmorgen nach langer Krankheit friedlich entschlafen - Weggefährten aus dem Roten Kreuz erinnern an den langjährigen Kreisbereitschafts- und Geschäftsführer

Vogelsang/Kreis Euskirchen – „Hoppla, jetzt komm ich“ war der Titel eines Schlagers von Hans Albers und das Lied stand für ein selbstbewusstes, freches und optimistisches Lebensgefühl. „Das Leben ist schön“, pflegte Rolf Zimmermann dieser seiner Haltung hinzuzufügen und es so zu leben. Der Menschenfreund und Rotkreuzfunktionär, der allen Verboten zum Trotz immer und überall Pfeife rauchte und Eifeler Platt sprach, ist am Sonntagmorgen nach langer schwerer Krankheit in der Universitätsklinik Bonn friedlich entschlafen.

Rolf Zimmermann war ein Mann des offenen Wortes, der klaren Haltung und der unmittelbaren Ansprache. Mit seiner unverwechselbaren Mischung aus Ernst, Humor und Eifeler Bodenständigkeit verstand er es, Menschen für die Ideale des Roten Kreuzes zu gewinnen. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress
Rolf Zimmermann war ein Mann des offenen Wortes, der klaren Haltung und der unmittelbaren Ansprache. Mit seiner unverwechselbaren Mischung aus Ernst, Humor und Eifeler Bodenständigkeit verstand er es, Menschen für die Ideale des Roten Kreuzes zu gewinnen. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Der 74-jährige Begründer des Rotkreuzmuseums für Menschenrecht und humanitäres Völkerrecht in Vogelsang, des größten Rotkreuz-Museums der Bundesrepublik Deutschland und nach Genf und Castiglione zugleich weltweit drittgrößten Museums der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung, hinterlässt Ehefrau Dr. Barbara Roitzheim, seine Kinder Kathrin, Thomas und Laura, zahlreiche Enkel und einen großen Kreis von Freunden und Bewunderern.

Für seine Verdienste wurde der selbsterklärte Liebhaber des Lebens und der Menschen, Pfadfinder von Kindesbeinen, Euro Children- und Rotkreuz-Funktionär unter anderem wegen seiner bodenständigen Lebensart mit dem Rheinlandtaler ausgezeichnet. Er war auch nach seiner eigenen Überzeugung ein Mann mit Ecken und Kanten, der selbst darum wusste, dass er bei vielen „Großkopfeten“ aneckte und er selbst seine Beziehungen nicht „pflegte“, sondern lieber stets Vollgas für seine Projekte und Ziele gab.

Neugierig, tatkräftig und stets bereit, sich auf Neues einzulassen: Bei einem Besuch der Bergwacht in Bad Tölz nahm Rolf Zimmermann auch im Cockpit eines Hubschrauber-Simulators Platz. Über viele Jahre leitete er selbst die Bergwacht im Kreis Euskirchen. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress
Neugierig, tatkräftig und stets bereit, sich auf Neues einzulassen: Bei einem Besuch der Bergwacht in Bad Tölz nahm Rolf Zimmermann auch im Cockpit eines Hubschrauber-Simulators Platz. Über viele Jahre leitete er selbst die Bergwacht im Kreis Euskirchen. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Was andere für überzogen und unrealistisch halten mochten, Rolf Zimmermann setzte es in die Tat um, egal ob es sich um Weltpfadfindertreffen in den USA und Japan handelte, Ferienaktionen für Kinder aus dem bürgerkriegserschütterten Nordirland, handfeste Hilfe für Erdbebenopfer in Pakistan, vom Tsunami arm und obdachlos gemachte Menschen in Südostasien oder DDR-Flüchtlinge in der Prager Botschaft handelte oder seinen Einsatz für ein Rotkreuz-Museum des internationalen Völkerrechts in der ehemaligen NS-Ordensburg Vogelsang, das andere unverhohlen zur Spinnerei erklärten und das er gegen alle Probleme dennoch in die Tat umsetzte.

„Mann mit Ideen und Haltung“

Jahrgang 1952 und aufgewachsen in Euskirchen am Rand der Eifel, trat Rolf Zimmermann mit 18 Jahren ins Rote Kreuz ein. Als Quereinsteiger ging er dort, wie relativ viele aus seiner Generation, für zehn Jahre zum Katastrophenschutz. Nachdem er anschließend länger im elterlichen Betrieb, dem Tabak- und Pfeifenhaus Quaedvlieg tätig war, wurde er Ende der 80er Jahre Kreisbereitschaftsführer und leitete parallel die örtliche Bergwacht.

Von 1997/98 an wirkte er schließlich 15 Jahre lang als Geschäftsführer des Rotkreuz-Kreisverbandes Euskirchen. Sowohl ehren- als auch hauptamtlich war er in den verschiedensten Bereichen des Roten Kreuzes aktiv, unter anderem als Vorsitzender des Ortsvereins Schleiden und Begründer und Betreiber des Rotkreuzmuseums für Menschenrechte und humanitäres Völkerrecht in Vogelsang.

Rolf Zimmermann koordinierte nach dem verheerenden Erdbeben von 2005 Hilfsmaßnahmen des Roten Kreuzes in Pakistan. Während ein Hubschrauber des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz Hilfsgüter in die schwer zugängliche Bergregion bringt, hält der Euskirchener Rotkreuzmann telefonisch Verbindung zu den Einsatzkräften vor Ort. Foto: Rotes Kreuz/pp/Agentur ProfiPress
Rolf Zimmermann koordinierte nach dem verheerenden Erdbeben von 2005 Hilfsmaßnahmen des Roten Kreuzes in Pakistan. Während ein Hubschrauber des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz Hilfsgüter in die schwer zugängliche Bergregion bringt, hält der Euskirchener Rotkreuzmann telefonisch Verbindung zu den Einsatzkräften vor Ort. Foto: Rotes Kreuz/pp/Agentur ProfiPress

Sein Nachfolger als Rotkreuz-Kreisgeschäftsführer und persönlicher Freund Rolf Klöcker findet „kaum Worte für das, was Rolf Zimmermann für unser Rotes Kreuz getan hat, ein Mensch mit Ideen, Haltung und einem großen Herzen für die Menschen, der begeistern konnte und sich nicht damit abfand, wenn andere sagten, das geht nicht“.

„Wenn man sich umhört, was ist Rotes Kreuz, dann sagen die Leute Blutspende und Blaulicht“, so Rotkreuz-Vorsitzender Karl-Werner Zimmermann: „Dass wir in Deutschland in fast hundert Arbeitsgebieten tätig sind, die meisten davon im sozialen Bereich, das wissen die wenigsten. Es geht nicht nur darum, Wunden zu verbinden, eine Trage zu tragen oder ein Zelt aufzubauen. Rolf Zimmermann hatte die sieben Grundsätze des Roten Kreuzes verinnerlicht und zu seinem Lebenskompass erklärt: Menschlichkeit, Unparteilichkeit, Neutralität, Unabhängigkeit, Freiwilligkeit, Einheit und Universalität.“

„Gefetzt, aber immer Freund“

Erwin Doppelfeld, Karl-Werner Zimmermanns Vorgänger als Rotkreuzchef, bezeichnet Rolf Zimmermann als einen seiner engsten Freunde, „auch wenn wir uns manchmal gefetzt haben, was nie persönlich wurde, sondern immer ums Rote Kreuz ging“: Montagmorgens sei er regelmäßig in sein Büro gekommen und habe ihm eröffnet: „Ich habe nicht gut geschlafen.“ Dann habe Rolf wieder etwas umgetrieben, was im Internationalen Rotkreuzmuseum Vogelsang nach seiner Auffassung noch gezeigt oder noch deutlicher gemacht werden müsse.

Rolf war forsch und ungeduldig, sagen seine Freunde, ohne ihm deshalb ernsthaft böse zu sein. „Als Vorstand waren wir nicht immer sofort einverstanden“, erklärte Karl-Werner Zimmermann am Montag. Aber er erkennt als Lebenswerk an, was sein Namensvetter hinterlassen hat: „Das ist großartig und außergewöhnlich. Unsere Aufgabe ist es nun, dieses Werk fortzusetzen!“ Rolf Zimmermann habe den „Geist von Solferino“ des Gründers Henry Dunant nach Vogelsang gebracht und „unser Museum“ bundesweit und darüber hinaus bekannt gemacht.

So werden ihn viele in Erinnerung behalten: fröhlich, positiv und mit einem verschmitzten Lächeln. Rolf Zimmermann im Juni 2025 mit Dr. Frauke Hartung von der befreundeten DRK-Schwesternschaft „Bonn“ e.V. vor „Transit 59“, einem der Gebäude in Vogelsang, die er über viele Jahre mit dem Geist und der Idee des Roten Kreuzes erfüllt hat. Und natürlich trägt er dabei ein Peace-Camp-T-Shirt.  Foto: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress
So werden ihn viele in Erinnerung behalten: fröhlich, positiv und mit einem verschmitzten Lächeln. Rolf Zimmermann im Juni 2025 mit Dr. Frauke Hartung von der befreundeten DRK-Schwesternschaft „Bonn“ e.V. vor „Transit 59“, einem der Gebäude in Vogelsang, die er über viele Jahre mit dem Geist und der Idee des Roten Kreuzes erfüllt hat. Und natürlich trägt er dabei ein Peace-Camp-T-Shirt.  Foto: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress

Während Rolf Zimmermanns Zeit als Kreisgeschäftsführer wurde die ehemalige NS-Ordensburg und Schulungseinrichtung für den Nachwuchskader der NSDAP zu einem „Rotkreuz-Campus der Humanität“ umgestaltet. „Wo andere Gebäude sahen, sah Rolf Möglichkeiten“, so DRK-Kreisgeschäftsführer und Syndikusanwalt Klöcker.

„Auch wenn er stets unbestritten der Kopf des Unternehmens war und alle Pläne seine Handschrift trugen“, so sei Rolf Zimmermann doch bei aller individuellen Stärke und Sturheit ein Teamplayer gewesen, urteilen Ex-Vizelandrat und Kreis-Caritasgeschäftsführer Bruno Grobelny und der Mechernicher Diakon Manfred „Manni“ Lang, zwei Weggefährten Rolf Zimmermanns, unter anderem bei der Ferienaktion „Euro Children“ für Kinder aus den damaligen nordirischen Bürgerkriegsfrontstädten Belfast und Derry.

Geschichte lebendig machen und jungen Menschen die Werte des Roten Kreuzes vermitteln: Rolf Zimmermann vor einer Schautafel, die von internationalen Hilfseinsätzen, Jugendrotkreuz und Begegnungen über  Ländergrenzen hinweg erzählt. „Er hatte die sieben Grundsätze des Roten Kreuzes verinnerlicht und zu seinem Lebenskompass erklärt: Menschlichkeit, Unparteilichkeit, Neutralität, Unabhängigkeit, Freiwilligkeit, Einheit und Universalität“, so DRK-Kreisvorsitzender Karl-Werner Zimmermann. Foto: Privat/pp/Agentur ProfiPressProfiPress
Geschichte lebendig machen und jungen Menschen die Werte des Roten Kreuzes vermitteln: Rolf Zimmermann vor einer Schautafel, die von internationalen Hilfseinsätzen, Jugendrotkreuz und Begegnungen über  Ländergrenzen hinweg erzählt. „Er hatte die sieben Grundsätze des Roten Kreuzes verinnerlicht und zu seinem Lebenskompass erklärt: Menschlichkeit, Unparteilichkeit, Neutralität, Unabhängigkeit, Freiwilligkeit, Einheit und Universalität“, so DRK-Kreisvorsitzender Karl-Werner Zimmermann. Foto: Privat/pp/Agentur ProfiPressProfiPress

Als ebenso passionierter wie kontaktfreudiger Rotkreuzler sei Zimmermann weit über den Landesverband Nordrhein hinaus bekannt geworden. „Meine Begeisterung rührt zum einen aus meiner Jugendzeit – zwei Weltpfadfindertreffen, das waren schon besondere Erlebnisse“, rekapitulierte er selbst in einem Interview: „Zum anderen die Fahrten mit Freunden nach Solferino, zum Ursprungsort des Roten Kreuzes. Auch dort erlebte ich junge Leute, aber auch ältere, und man merkt stets, dass sie gemeinsame Ideale haben. Das ist nicht nur so geistig-sphärisch, sondern eben auch praktisch, tatkräftig. Es macht Spaß, sich mit jüngeren Menschen auseinanderzusetzen: Wie sehen die die Dinge, wie reagieren die, wie agieren die? Also das könnte ich noch ewig machen.“

Rotkreuz-Kreisgeschäftsführer alt, Rolf Zimmermann (l.), und neu, Rolf Klöcker, anlässlich des Weltrotkreuztages 2022. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress
Rotkreuz-Kreisgeschäftsführer alt, Rolf Zimmermann (l.), und neu, Rolf Klöcker, anlässlich des Weltrotkreuztages 2022. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Rolf Klöcker, der Rolf Zimmermann und seinen Angehörigen auch nach dessen schwerer gesundheitlicher Beeinträchtigung nach mehreren Reanimationen im November vergangenen Jahres zur Seite gestanden hat – ebenso wie Zimmermanns Weggefährte und DRK-Kreisverbandsarzt Frank Gummelt - sagte am Montag: „Wer mit Rolf gearbeitet hat, erinnert sich an Diskussionen, bei denen man gute Argumente brauchte. An außergewöhnliche Ideen. An seinen Humor, seine Direktheit und dieses verschmitzte Lächeln, bei dem man oft schon die nächste Überraschung kommen sah. Und vielleicht auch an Momente, in denen man zunächst den Kopf schüttelte und später feststellte, dass er vielleicht doch recht gehabt hatte…“

„Maach et joot, Rollef!“

Sein Grundsatz sei nicht gewesen: „Das Leben war schön“, sondern „Es ist schön“. Das sei Ermutigung und Pflichtübung für ihn und seine aktuellen Mitstreiter im Roten Kreuz, sagte Rolf Klöcker, der dem Verstorbenen in Eifeler Mundart ein „Maach et joot, Rolf“ nachruft. Sein Stellvertreter Ralf Krutwig erinnert sich: „Als ich 2001 mit 19 Jahren als Zivildienstleistender zu Rolf Zimmermann kam, hat er mich vom ersten Tag an eingebunden und mir Dinge zugetraut, die man in diesem Alter wahrscheinlich in kaum einer anderen Ausbildung erlebt.“

Einmal habe er ihn im Rotkreuz-Parka mit zu einer Geschäftsführertagung des Landesverbandes Nordrhein genommen: „In der Sitzung sagte er, er komme gleich wieder, und ließ mich dort eine halbe Stunde zwischen all den Geschäftsführern allein. Nachher musste ich berichten – es war seine Art, einen jungen Menschen ernst zu nehmen und teilhaben zu lassen. Rolf hat Potenziale in Menschen gesehen. Er hat jungen Leuten Chancen gegeben, Weiterbildungen und Studienwege ermöglicht und sie früh in Verantwortung gebracht. Viele Menschen arbeiten heute noch im Kreisverband, weil er sie damals für das Rote Kreuz begeistert hat. Das gilt auch für mich. Mit seinem Charisma konnte er Menschen an sich ziehen.“

Humanitäre Hilfe war für Rolf Zimmermann kein abstrakter Begriff: Nach dem verheerenden Erdbeben von 2005 war der Rotkreuzmann selbst in Pakistan im Einsatz. Das Foto zeigt den begnadeten Logistiker und Organisator an einer schwer beschädigten Behelfsbrücke inmitten der Zerstörungen. Foto: Privat/pp/Agentur ProfiPress
Humanitäre Hilfe war für Rolf Zimmermann kein abstrakter Begriff: Nach dem verheerenden Erdbeben von 2005 war der Rotkreuzmann selbst in Pakistan im Einsatz. Das Foto zeigt den begnadeten Logistiker und Organisator an einer schwer beschädigten Behelfsbrücke inmitten der Zerstörungen. Foto: Privat/pp/Agentur ProfiPress

„Natürlich konnte Rolf auch laut und zornig werden“, erinnert sich Krutwig: „Aber wenige Augenblicke später kam er wieder, wechselte das Thema, und alles war wieder gut. Nachtragend war er nicht. Gleichzeitig konnte er Verantwortung abgeben: Er erkannte früh, dass er Nachfolger aufbauen musste, und gab anderen Raum. Ohne seinen Mut und seine Geschwindigkeit wären der Kreisverband und Vogelsang heute nicht das, was sie sind.“

Simon Jägersküpper, Nachfolger von Rolf Zimmermann als Geschäftsführer des Rotkreuz-Museums vogelsang ip, sagte ebenfalls, Zimmermann sei ein Mensch gewesen, der sein Leben verändert hat: „Er hat mich zum Roten Kreuz nach Euskirchen geholt. Dadurch habe ich später meine Frau kennengelernt, und wir haben heute zwei wundervolle Kinder.“

Mit dem Rotkreuz-Museum in Vogelsang schuf Rolf Zimmermann einen Ort, der aus dem Leid von Krieg, Flucht und Gewalt den Auftrag zu Menschlichkeit und Frieden ableitet. Vor den Bildern sinnloser Zerstörung wird der sonst so tatkräftige Macher zum nachdenklichen Betrachter. Foto: Archiv/pp/Agentur ProfiPress
Mit dem Rotkreuz-Museum in Vogelsang schuf Rolf Zimmermann einen Ort, der aus dem Leid von Krieg, Flucht und Gewalt den Auftrag zu Menschlichkeit und Frieden ableitet. Vor den Bildern sinnloser Zerstörung wird der sonst so tatkräftige Macher zum nachdenklichen Betrachter. Foto: Archiv/pp/Agentur ProfiPress

„An meinem ersten Arbeitstag 2009 haben wir im Transit in Vogelsang erst einmal Wände herausgerissen, obwohl ich eigentlich für etwas völlig anderes eingestellt worden war“, so Jägersküpper weiter: „Damit begann unser gemeinsamer Weg durch die ganze Vogelsang-Zeit. Rolf hat mir immer deutlicher gezeigt, welche Werte das Rote Kreuz trägt und wie man sie Menschen auf persönliche Weise vermitteln kann. Rolf hat in Vogelsang ein Wohnzimmer für das Rote Kreuz gebaut: einen Ort, an dem Menschen zusammenkommen, sich wohlfühlen und die Familie des Roten Kreuzes spüren.“

Kondolenz aus aller Welt

„Jetzt erreichen uns Kondolenzmails aus aller Welt. Ehemalige Teilnehmerinnen des Peace Camps, die heute im Roten Kreuz, im Roten Halbmond oder beim Roten Davidstern Verantwortung tragen, schreiben, dass sie diese Zeit und ihre Gespräche mit Rolf nie vergessen werden. Andere erinnern sich an kleine Gesten, etwa an den Flower-Power-Käfer mit Peace-Zeichen, den Rolf einer Teilnehmerin von einem Ausflug mitbrachte, an dem sie selbst nicht teilnehmen konnte. Daran erkennt man, was in den Menschen tatsächlich hängengeblieben ist.“

Rolf Zimmermann und seine Ehefrau Dr. Barbara Roitzheim (3. und 4. v. l.) im Kreis von Mitgliedern des Bergwacht-Bundesvorstandes bei einem Treffen in Vogelsang. Auch der Bergwacht war der langjährige Rotkreuzfunktionär eng verbunden; zeitweise leitete er die Bergwacht im Kreis Euskirchen. Foto: Archiv/pp/Agentur ProfiPress
Rolf Zimmermann und seine Ehefrau Dr. Barbara Roitzheim (3. und 4. v. l.) im Kreis von Mitgliedern des Bergwacht-Bundesvorstandes bei einem Treffen in Vogelsang. Auch der Bergwacht war der langjährige Rotkreuzfunktionär eng verbunden; zeitweise leitete er die Bergwacht im Kreis Euskirchen. Foto: Archiv/pp/Agentur ProfiPress

Patrick Dost, ehemaliger Auszubildender und heutiger Fachbereichsleiter beim Rotkreuz-Kreisverband Euskirchen: „Ich kannte Rolf schon als Kind aus seinem Pfeifenladen, denn mein Vater hat dort viele Jahre Pfeifen und Tabak gekauft. Gleichzeitig war ich seit Anfang der 1990er-Jahre im Jugendrotkreuz aktiv. 2002 hatte ich dann im Laden ein vielleicht fünfminütiges Vorstellungsgespräch mit Rolf, und am nächsten Tag fing ich als Auszubildender beim Kreisverband an. Das war typisch für ihn: schnell entscheiden, machen und einem jungen Menschen etwas zutrauen.“

Mit Rolf Zimmermann habe man sich auch richtig zoffen können, so Dost: „Eine halbe Stunde später kam er wieder herein und sagte, wir gehen gleich was essen. Wenn einer nicht nachtragend war, dann Rolf…“

Internationale Teilnehmer des Rotkreuz-Peace-Camps in Vogelsang 2023. Bei den jährlichen Treffen, hier vor der Kulisse des Kölner Doms, schwor Rolf Zimmermann die Jugendlichen aus aller Welt auf die gemeinsamen Grundsätze der Humanität ein. Foto: Henri Grüger/pp/Agentur ProfiPress
Internationale Teilnehmer des Rotkreuz-Peace-Camps in Vogelsang 2023. Bei den jährlichen Treffen, hier vor der Kulisse des Kölner Doms, schwor Rolf Zimmermann die Jugendlichen aus aller Welt auf die gemeinsamen Grundsätze der Humanität ein. Foto: Henri Grüger/pp/Agentur ProfiPress

Edeltraud Engelen, Blutspende-Beauftragte des DRK-Kreisverbandes Euskirchen, erinnert sich: „An meinem ersten Tag im Ruhestand hatte ich meiner Familie gesagt: ,Ruft mich heute nicht an. Ich bleibe im Bett und mache gar nichts.' Um 7.20 Uhr klingelte das Telefon. Rolf war dran: ,Edel, wo bleibst du?' Ich sagte: ,Denkst du dran, dass ich in Rente bin?' Und er antwortete nur: ,Liegst du noch im Bett? Mach bloß, dass du aufstehst, ich brauche dich.' Das war Rolf. Von diesem Tag an war ich wieder ehrenamtlich dabei…“

Der Euskirchener Landrat Markus Ramers erklärte der Rheinischen Redaktionsgemeinschaft zum Tode von Rolf Zimmermann: „Er war bekannt wie ein bunter Hund – und das im allerbesten Sinne. Gleich beim ersten Treffen meinte er zu mir: ,Hör op met dem Dress, ich bin der Rolf.‘ Das passte zu ihm: direkt, herzlich, bodenständig und immer nah bei den Menschen. Rolf war für mich ein echter Pfundskerl. Ein Macher. Bei allem, was Rolf tat, hatte er einen klaren inneren Kompass. Er war ein aufrechter Verfechter von Menschlichkeit und Völkerrecht. Und gleichzeitig hatte er diese ansteckende Lebensfreude, diesen Optimismus, der zu ihm gehörte wie die rote Weste des DRK. ,Das Leben ist schön’ war deshalb viel mehr als ein Spruch. Er war Ausdruck seiner Haltung.“

pp/Agentur ProfiPress