Großer Andrang beim Wolltag im LVR-Freilichtmuseum Kommern – Besucher erlebten die traditionelle Wollverarbeitung hautnah
Mechernich-Kommern – Lautes Blöken, surrende Spinnräder und der Geruch frisch gefärbter Wolle: Beim Wolltag im LVR-Freilichtmuseum Kommern drehte sich am Sonntag alles um eines der ältesten Naturprodukte der Menschheit.
Hunderte Besucher strömten zum Haus aus Rohren am Rand der Baugruppe Eifel, um mitzuerleben, wie aus der natürlich gewachsenen Wolle eines Schafes Schritt für Schritt ein Vlies, Wollfäden, gefärbte Knäuel und schließlich ein Gewebe entsteht, aus dem man Kleidungsstücke schneidern kann. Besonders die Schafschur, das Spinnen und die Mitmachangebote für Kinder und Erwachsene stießen beim aus dem gesamten Rheinland, dem Ruhrgebiet und Benelux angereisten Publikum auf großes Interesse.

Wer den Wolltag besuchte, bekam einen seltenen Einblick in eine Handwerkskunst, die einst zum Alltag jedes Dorfes gehörte. Im Mittelpunkt standen die Museumsschafe, die zunächst fachgerecht geschoren wurden. Die frisch gewonnenen Vliese wurden anschließend – ganz wie früher – über den Gartenzaun des Hauses aus Rohren gehängt, damit sie trocknen konnten.

Für manchen der tierischen Bewohner war die Verwandlung allerdings gewöhnungsbedürftig. Nachdem die Schafe ihre dichte Wolle verloren hatten, schienen einige Lämmer ihre Mütter zunächst nicht mehr zu erkennen. Immer wieder waren laute Rufe zu hören, bis sich Muttertier und Nachwuchs schließlich wiedergefunden hatten.
Während draußen die Schafschur zahlreiche Zuschauer anzog, wurde in und um die historischen Gebäude die weitere Verarbeitung der Wolle demonstriert. Mit geübten Händen verwandelten die Museumshelferinnen Sonja Mauel aus Blankenheim und Bettina Elschner aus Bonn die aufbereitete Wolle am Spinnrad in feine Fäden. Geduldig erklärten sie den Besuchern die einzelnen Arbeitsschritte und ließen Interessierte selbst ausprobieren, wie schwierig es ist, einen gleichmäßigen Wollfaden herzustellen.

„Viele Besucher staunen, wie viel Arbeit in einem einzigen Wollknäuel steckt“, sagte eine der Vorführenden. „Früher war das alltägliche Handarbeit.“ Im historischen Vennhaus führte Ulrike Klinkhammer aus Zehntstelle die Arbeit an einem alten Webstuhl vor. Mit rhythmischen Bewegungen ließ sie Schiffchen und Webblatt durch die Kettfäden laufen und machte sichtbar, wie aus Garn schließlich Stoff entsteht.
Färberkrapp, Zwiebeln und Rainfarn
Für leuchtende Farben sorgte unter anderem Andrea Rolfes-Koenen, die verschiedene Techniken der Wollfärberei präsentierte. In großen Färbebottichen entstanden intensive Gelb-, Rot- und Brauntöne, wie sie seit Jahrhunderten für die Herstellung von Kleidung verwendet wurden. Dazu verwendeten sie und ihre Kolleginnen Naturprodukte wie Färberkrapp, Zweibelschalen und Rainfarn.

Besonders beliebt waren die Mitmachstationen. Dort konnten Kinder und Erwachsene selbst zur Handspindel greifen und versuchen, aus lockerer Wolle einen Faden zu ziehen. Was bei den erfahrenen Handwerkerinnen spielend leicht aussah, verlangte den Besuchern einiges an Geduld und Fingerspitzengefühl ab.
Andrea Rolfes-Koenen sagte der Agentur ProfiPress: „Mit natürlichen Farbstoffen entstehen überraschend kräftige Farben. Das begeistert Kinder genauso wie Erwachsene.“ Sonja Mauel: „Viele Menschen kennen Wolle nur noch als fertiges Knäuel aus dem Laden. Hier können sie erleben, wie viel Handarbeit dahintersteckt.“ Ulrike Klinkhammer: „Ein historischer Webstuhl verlangt Geduld und Konzentration. Aber genau das fasziniert die Besucher immer wieder.“ Eine Besucherin aus Mechernich gab ihren Eindruck mit den Worten wieder: „Man bekommt hier einen Eindruck davon, wie aufwendig Kleidung früher hergestellt wurde. Das sieht man heute kaum noch.“

Der Wolltag gehört seit Jahren zu den beliebten Thementagen des Rheinischen Freilichtmuseums in Kommern. Ziel ist es, historische Arbeitsweisen nicht nur zu zeigen, sondern erlebbar zu machen. Vom Scheren über das Kardieren, Spinnen, Färben und Weben bis hin zum fertigen Stoff wurde die gesamte Verarbeitungskette der Wolle anschaulich vorgeführt. Die Resonanz der Besucher zeigte einmal mehr, dass traditionelle Handwerkstechniken nichts von ihrer Faszination verloren haben.
pp/Agentur ProfiPress
06/15/2026
