Die Ausstellung „Texturen. Orte. Menschen.“ zeigt Werke des Mechernicher Künstlers Tom Krey – Rund 80 Gäste kamen zur Vernissage in die Galerie im Rathaus – Laudator Micha Kreitz würdigt Leben und Werk
Mechernich – Freitagabend, 22.15 Uhr. Die Gäste haben die Galerie im Rathaus verlassen, die Gespräche sind verklungen, die Eindrücke wirken nach. Der Künstler meldet sich selbst per Nachricht: „Alles war so schön!!!“ Ein Satz mit drei Ausrufezeichen und sie passen zu einem Abend, der vielen noch lange in Erinnerung bleiben dürfte. Gemeint ist die Eröffnung der Ausstellung „Texturen. Orte. Menschen.“ von Tom Krey, zu der mehr als 80 Besucherinnen und Besucher ins Mechernicher Rathaus gekommen waren.

Wer Tom Krey begegnet, merkt schnell: Seine Kunst ist kein Zufallsprodukt. Sie ist über Jahre gewachsen, von Erfahrungen geprägt und durch Begegnungen bereichert. In seiner Laudatio zeichnete Micha Kreitz, Schulleiter des Gymnasiums Am Turmhof und an diesem Abend als Laudator eingeladen, genau diesen Weg nach. Das tat er persönlich und kenntnisreich. „Heute ist dies Raum für ‚Texturen. Orte. Menschen.‘ und damit Gelegenheit, auf das Lebenswerk von Tom Krey zurückzublicken“, sagte Kreitz zu Beginn.

In seiner Rede zeichnete er den Weg des Künstlers nach – von der Kindheit in Garmisch-Partenkirchen über prägende Erfahrungen bis hin zur Entwicklung einer ganz eigenen künstlerischen Handschrift. „Vielleicht fragen Sie sich, warum wir den Blick so sehr auf den Lebensweg des Künstlers richten? Die vordergründige Antwort wäre, dass eine solche Würdigung dem Rahmen angemessen ist. Er selber aber beantwortet die Frage wie folgt: ‚Ich kann nicht einfach eine Katze malen‘“, sagte der Laudator.
Was zunächst schlicht klingt, beschreibt den Kern von Kreys Arbeiten. Seine Motive sind nie beliebig, sondern immer persönlich geprägt. Erlebnisse und Begegnungen, Eindrücke und Beziehungen fließen in seine Werke ein. So finden sich in der Ausstellung Bergmotive aus seiner alten Heimat ebenso wie Meermotive des Hochseeseglers und Arbeiten aus seiner heutigen Heimat in Mechernich.

Wenn Farbe zu Struktur wird
Im Zentrum der Ausstellung steht Kreys charakteristische Technik: die sogenannte Ölpixel-Malerei. Aus der Nähe erscheinen die Werke fragmentiert, beinahe abstrakt. Erst mit Abstand fügen sich die einzelnen Farbflächen zu einem Ganzen zusammen.
Der Ausstellungstitel ist dabei mehr als nur eine inhaltliche Klammer. „Texturen. Orte. Menschen.“ Die Anfangsbuchstaben ergeben nicht zufällig den Namen des Künstlers: TOM. Ein augenzwinkerndes, zugleich treffendes Leitmotiv, das sich durch die gesamte Ausstellung zieht, zwischen Landschaften, Persönlichkeiten und den feinen Strukturen seiner Malerei.

Insgesamt 25 Arbeiten sind in der Ausstellung zu sehen und sie spannen einen weiten Bogen. Besonders im Eingangsbereich hat Krey dabei bewusst eine Art „Welt im Kleinen“ zusammengestellt: das Gebirge mit der „Zugspitze – Mittagssonne“, das Meer mit Motiven wie „Karibik“ oder „Ewiger Rhythmus“ und schließlich Mechernich mit dem „Waldweg“.
Dabei ist nichts zufällig gewählt. Die Zugspitze hat Krey selbst bestiegen, die Karibik als Segler bereist – von San Maarten nach Antigua und zurück – und den Mechernicher Waldweg hat er über Jahrzehnte hinweg selbst beim Joggen erlaufen. Kunst wird so zur verdichteten Lebenserfahrung.

Passend dazu hängt neben dem Karibik-Motiv das Porträt von Ernest Hemingway, der rund 20 Jahre auf Kuba lebte. Dessen Haltung begleitet Krey bis heute uns ist ihm besonders wichtig: „Nie mutlos werden.“ Eine Botschaft, die – so der Künstler – gerade in der heutigen Zeit aktueller denn je sei. Für ihn ergibt sich daraus eine bewusste, „runde Sache mit Sinn“.
Darüber hinaus widmet sich Krey großen Persönlichkeiten: Pablo Picasso oder Ludwig van Beethoven erscheinen in seinen Bildern als charakterstarke, fast greifbare Figuren. Mit Werken wie „Bleiberg“ setzt er zudem ganz bewusst lokale Akzente – eine Hommage an die Region, in der er lebt und arbeitet.

Bürgermeister Michael Fingel eröffnete den Abend und begrüßte den Künstler sowie die zahlreichen Gäste zur 48. Ausstellung in der Galerie im Rathaus. Er unterstrich die Bedeutung der Ausstellung für das kulturelle Leben in der Stadt, gleichzeitig betonte er, dass ihn die Werke von Tom Krey faszinierten. Der Künstler sei schließlich auch kein Unbekannter in Mechernich und in der Galerie im Rathaus. Bereits drei Mal war er mit seinen Werken zu Gast im Verwaltungsgebäude an der Bergstraße.
„Was mich persönlich sehr freut: Tom ist nicht nur als Künstler präsent, sondern auch als Mensch“, sagte Michael Fingel. Und weiter: „ Gemeinsam mit seiner Familie ist er bei nahezu jeder Ausstellung zu Gast. Man könnte fast sagen, es hat sich schon so etwas wie ein kleiner ‚Stammtisch‘ entwickelt. Das zeigt, wie lebendig und verbindend Kunst sein kann.“

Für Tom Krey selbst war der Abend dann vor allem eines: emotional. „Wenn man monatelang im Atelier arbeitet, ist dieser Moment, wenn die Werke den privaten Raum verlassen und in den Dialog mit der Öffentlichkeit treten, immer ein ganz besonderer“, sagte er.
Er nutzte die Gelegenheit, sich bei vielen Wegbegleitern zu bedanken. Allen voran bei Bürgermeister Fingel für die Unterstützung sowie bei Kuratorin Ela Rübenach, die die Ausstellung maßgeblich möglich gemacht habe. Ebenso richtete er seinen Dank an Gabriele Schumacher, die als städtische Mitarbeiterin die Ausstellungen in der Galerie im Rathaus organisatorisch begleitet: „Ohne dieses Engagement im Hintergrund wäre ein solcher Rahmen nicht denkbar.“

Die wichtigste Jury: seine Familie
Besonders persönlich wurde es, als der Künstler über seine Familie sprach. „Jedes neue Bild zeige ich zuerst meiner Frau Maggie und meiner Tochter Marina“, erzählte er. „Das ist meine hauseigene Opposition.“ Mit einem Lächeln ergänzte er: „Die beste Bewertung ist ein Wow. Wenn es mit einem ‚Also…‘ beginnt, weiß ich: Da ist noch Arbeit nötig.“ Ein Satz, der im Publikum für Schmunzeln sorgte und gleichzeitig zeigte, wie nah Kunst und Leben bei Krey beieinander liegen.
Musikalisch wurde die Ausstellungseröffnung von Uli van Staa & Friends begleitet. Die Friends waren Sängerin Veronika Németh und Peter Hensen am Schlagzeug. Mit ihrer kraftvollen Musik schufen sie eine wunderbare Atmosphäre, wie gemacht für diese Ausstellung und am Ende blieb genau das Gefühl, das Tom Krey später in seiner Nachricht auf den Punkt brachte: „Alles war so schön!!!“
Und so sollte die Einladung des Laudators Micha Kreitz auch in den kommenden Wochen für die künftigen Besucher nachwirken: „Seine Werke laden uns als Betrachter nun ein, Geschichten von Orten und Menschen zu ergründen, die in den vielfältigen Farben und Texturen verborgen liegen.“
pp/Agentur ProfiPress
04/21/2026
