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Henri Grüger

10/30/2026

„Mach et joot, Rolf“

Rund 350 Menschen nahmen in Vogelsang Abschied von Rotkreuz-Urgestein Rolf Zimmermann. Bei Einbruch der Dunkelheit liefen sie in einem gemeinsamen Lichterzug entlang der Einrichtungen und Projekte, die auf seine Ideen und Visionen zurückgehen. Foto: Niklas Rose/DRK-Kreisverband Euskirchen/pp/Agentur ProfiPress

Erinnerungen, Begegnungen und ein Lichterzug im Zeichen der Menschlichkeit: Rund 350 Menschen verabschiedeten sich von Rolf Zimmermann - Langjähriger Rotkreuzler und Visionär hatte Entwicklung des Kreisverbandes und Vogelsangs über Jahrzehnte entscheidend geprägt

Schleiden-Vogelsang – „Rolf hat Spuren hinterlassen. Sie finden sich vor allem in den Menschen, denen er begegnet ist, die er geprägt, ermutigt und für seine Ideen gewonnen hat“. Mit diesem Satz hatte der DRK-Kreisverband Euskirchen offensichtlich recht. Denn nicht weniger als 350 Menschen waren nach Vogelsang gekommen, um Abschied von Rolf Zimmermann zu nehmen.

Rund 350 Menschen nahmen in Vogelsang Abschied von Rotkreuz-Urgestein Rolf Zimmermann. Bei Einbruch der Dunkelheit liefen sie in einem gemeinsamen Lichterzug entlang der Einrichtungen und Projekte, die auf seine Ideen und Visionen zurückgehen. Foto: Niklas Rose/DRK-Kreisverband Euskirchen/pp/Agentur ProfiPress
Rund 350 Menschen nahmen in Vogelsang Abschied von Rotkreuz-Urgestein Rolf Zimmermann. Bei Einbruch der Dunkelheit liefen sie in einem gemeinsamen Lichterzug entlang der Einrichtungen und Projekte, die auf seine Ideen und Visionen zurückgehen. Foto: Niklas Rose/DRK-Kreisverband Euskirchen/pp/Agentur ProfiPress

Der ehemalige Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes und Mitbegründer des Rotkreuz-Museums Vogelsang war am 13. September im Alter von 74 Jahren nach langer Krankheit verstorben. Organisiert wurde die öffentliche Abschiedsfeier nun von den Verantwortlichen des „Rotkreuz-Museum vogelsang ip e. V.“ um dessen Geschäftsführer Simon Jägersküpper gemeinsam mit dem Kreisverband.

Unter den Gästen waren haupt- und ehrenamtliche Rotkreuzler, langjährige Wegbegleiter, Vertreter aus Politik und Gesellschaft, Angehörige anderer Hilfsorganisationen wie DLRG, THW und Feuerwehr sowie Freunde des Roten Kreuzes aus aller Welt. Sie alle verband etwas mit Rolf Zimmermann: Manche hatten über Jahrzehnte mit ihm zusammengearbeitet, andere waren ihm bei gemeinsamen Projekten begegnet oder hatten sich von seinen Ideen begeistern lassen.

Rolf Zimmermann hatte die Entwicklung des Kreisverbandes und Vogelsangs als Visionär über Jahrzehnte entscheidend geprägt. Sein Motto war so einfach wie legendär: „Das Leben ist schön!“ Archivbild: pp/Agentur ProfiPress
Rolf Zimmermann hatte die Entwicklung des Kreisverbandes und Vogelsangs als Visionär über Jahrzehnte entscheidend geprägt. Sein Motto war so einfach wie legendär: „Das Leben ist schön!“ Archivbild: pp/Agentur ProfiPress

Begegnung im Mittelpunkt

Bewusst verzichteten die Organisatoren auf klassische Trauerreden und einen offiziellen Festakt. Denn wer Rolf kannte, wusste: „Eine lange Abfolge von Grußworten und Würdigungen hätte wohl kaum seinen Vorstellungen entsprochen!“ Stattdessen stand das im Mittelpunkt, was ihm selbst stets besonders wichtig war: die Begegnung zwischen Menschen. Bei Kaffee und Kuchen kamen die Gäste miteinander ins Gespräch, erzählten Geschichten und erinnerten sich an gemeinsame Erlebnisse: An außergewöhnliche Ideen, Diskussionen, seinen Humor und an einen Menschen, der mit seiner Hartnäckigkeit und Begeisterungsfähigkeit vieles in Bewegung gesetzt hatte.

Dabei wurde nicht nur getrauert, sondern auch gelacht und geschmunzelt. In verschiedenen Räumen der Rotkreuz-Akademie konnten sich die Besucher zurückziehen und Rolf auf ganz unterschiedliche Weise noch einmal begegnen. Originalvideos, Podcasts mit seiner Stimme, Fotografien und Interviews ließen ihn noch einmal selbst zu Wort kommen. Wer wollte, konnte sich in Stille Zeit nehmen, zuhören, zurückblicken und auf ganz persönliche Weise Abschied nehmen.

Auch eigene Gedanken bekamen Raum. Aus einzelnen Bausteinen entstand gemeinschaftlich ein Modell, während man persönliche Botschaften schreiben, malen und in Umschlägen auf den Weg bringen konnte: „So wurde aus vielen einzelnen Erinnerungen ein gemeinsames Zeichen der Verbundenheit.“

Erinnerungen teilen, gemeinsam lachen und an Rolf Zimmermann denken: Persönliche Begegnungen standen bewusst im Mittelpunkt des Nachmittags. Foto: Niklas Rose/DRK-Kreisverband Euskirchen/pp/Agentur ProfiPress
Erinnerungen teilen, gemeinsam lachen und an Rolf Zimmermann denken: Persönliche Begegnungen standen bewusst im Mittelpunkt des Nachmittags. Foto: Niklas Rose/DRK-Kreisverband Euskirchen/pp/Agentur ProfiPress

Lichterzug auf Spuren seiner Visionen

Als die Dunkelheit über Vogelsang hereinbrach, begann der besondere Höhepunkt: eine gemeinsame Fiaccolata, ein Lichterzug in der Tradition der internationalen Rotkreuzbewegung. Von der Akademie aus machten sich nahezu alle Gäste mit brennenden Kerzen auf den Weg zum Museum. Für ältere und mobilitätseingeschränkte Teilnehmende stand ein Shuttle zur Verfügung. Der Weg führte über die „One Mile for Future“, entlang der sich die verschiedenen Rotkreuz-Liegenschaften auf dem Gelände befinden. Jede dieser Einrichtungen geht auf die Ideen und Visionen Rolf Zimmermanns zurück: „Orte, die er gemeinsam mit zahlreichen Mitstreitern geschaffen hat und die heute für Bildung, Begegnung, Erinnerung und eine humanitäre Zukunft stehen.“

Auch die Kerzen selbst hatten eine besondere Bedeutung. Sie stammten aus jener italienischen Kerzenmanufaktur, mit der das Italienische Rote Kreuz für die jährliche Fiaccolata in Solferino zusammenarbeitet. Dort erinnert die internationale Rotkreuzgemeinschaft alljährlich mit einem Fackelzug an die historischen Ursprünge der Bewegung.

So verband der Lichterzug die Geschichte des Roten Kreuzes mit dem Lebenswerk eines Menschen, der dessen Grundsätze über mehr als fünf Jahrzehnte mit großer Überzeugung gelebt hatte. Ausgerechnet an einem Ort, dessen Geschichte einst von der menschenverachtenden Ideologie des NS-Regimes geprägt war, hatte Rolf mit vielen Mitstreitern einen Ort der Humanität, der Verständigung und der internationalen Begegnung geschaffen. So findet hier jährlich das „International Peace Camp“ statt, in dem Jugendliche aus aller Welt unter anderem gemeinsam Demokratiearbeit leisten.

Landrat Markus Ramers (r.) im Gespräch mit dem DRK-Kreisvorsitzenden Karl-Werner Zimmermann. Eine von vielen persönlichen Begegnungen mit gemeinsamen Erinnerungen an Rolf Zimmermann. Foto: Niklas Rose/DRK-Kreisverband Euskirchen/pp/Agentur ProfiPress
Landrat Markus Ramers (r.) im Gespräch mit dem DRK-Kreisvorsitzenden Karl-Werner Zimmermann. Eine von vielen persönlichen Begegnungen mit gemeinsamen Erinnerungen an Rolf Zimmermann. Foto: Niklas Rose/DRK-Kreisverband Euskirchen/pp/Agentur ProfiPress

„Baum der Erinnerung“

Am Rotkreuz-Museum angekommen, erwartete die Teilnehmenden die „Weilerswist and District Pipe Band“. Mit einem kurzen Dudelsack-Konzert schufen die Musikerinnen und Musiker einen ebenso feierlichen wie bewegenden Rahmen für den Abschluss der gemeinsamen Verabschiedung.

Die letzten Worte gehörten Simon Jägersküpper, Geschäftsführer des Museumsvereins und maßgeblicher Organisator der Veranstaltung. Statt einer klassischen Abschiedsrede erzählte er die Kindergeschichte von Eule und Fuchs, „Der Baum der Erinnerung“. Ihr Bild eines Baumes, in dem Erinnerungen an einen geliebten Menschen weiterleben, passte auf besondere Weise zu Rolf Zimmermann: „Denn Rolf hat Spuren hinterlassen, die sich nicht allein in Gebäuden, Projekten oder Ämtern messen lassen, sondern in den Menschen denen er begegnet ist, die er geprägt, ermutigt und für seine Ideen gewonnen hat.“ Bei einer heißen Suppe und Gesprächen klang der Abend schließlich in Gemeinschaft aus.

Ein Licht für Rolf Zimmermann: Die Teilnehmer der Fiaccolata trugen Kerzen aus jener italienischen Manufaktur, die auch das Italienische Rote Kreuz für seinen traditionellen Lichterzug in Solferino nutzt. Foto: Niklas Rose/DRK-Kreisverband Euskirchen/pp/Agentur ProfiPress
Ein Licht für Rolf Zimmermann: Die Teilnehmer der Fiaccolata trugen Kerzen aus jener italienischen Manufaktur, die auch das Italienische Rote Kreuz für seinen traditionellen Lichterzug in Solferino nutzt. Foto: Niklas Rose/DRK-Kreisverband Euskirchen/pp/Agentur ProfiPress

„Ein besonderer Dank gilt dem Team der Rotkreuz-Akademie, den engagierten Mitgliedern des `Rotkreuz-Museum vogelsang ip e. V.´ um Geschäftsführer Simon Jägersküpper sowie der Familie von Rolf Zimmermann, die diesen besonderen Abschied gemeinsam mit viel Herzblut vorbereitet und gestaltet haben“, betonte der DRK-Kreisverband. Ebenso gelte der Dank den zahlreichen freiwilligen Helferinnen und Helfern, die beim Auf- und Abbau sowie hinter den Kulissen tatkräftig unterstützt hatten: „Erst durch dieses gemeinsame Engagement wurde ein Abschied möglich, der Rolf und seinem Lebenswerk auf so persönliche und würdevolle Weise gerecht wurde.“

„Das Leben ist schön!“

Rolf Zimmermann hatte sein Leben über mehr als fünf Jahrzehnte dem Roten Kreuz gewidmet. Als Helfer, Führungskraft, langjähriger Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes Euskirchen und insbesondere als Visionär der Rotkreuzarbeit in Vogelsang hatte er vieles angestoßen, das bis heute Bestand hat.

Simon Jägersküpper, Geschäftsführer des „Rotkreuz-Museum vogelsang ip e. V.“, erzählte zum Abschluss die Geschichte „Der Baum der Erinnerung“. Ein bewegender Moment, der sinnbildlich für das Vermächtnis Rolf Zimmermanns stand. Foto: Niklas Rose/DRK-Kreisverband Euskirchen/pp/Agentur ProfiPress
Simon Jägersküpper, Geschäftsführer des „Rotkreuz-Museum vogelsang ip e. V.“, erzählte zum Abschluss die Geschichte „Der Baum der Erinnerung“. Ein bewegender Moment, der sinnbildlich für das Vermächtnis Rolf Zimmermanns stand. Foto: Niklas Rose/DRK-Kreisverband Euskirchen/pp/Agentur ProfiPress

Doch sein vielleicht größtes Vermächtnis sind nicht die Gebäude und Einrichtungen, die durch seine Initiative entstanden sind: „Es ist die Überzeugung, dass Humanität mehr sein muss als ein Grundsatz auf dem Papier. Dass sie Menschen zusammenbringen, Grenzen überwinden und Zukunft gestalten kann.“

„Das Leben ist schön!“ war Rolf Zimmermanns Lebensmotto. Und vielleicht gab es kaum eine passendere Art, ihn zu verabschieden, als mit einem Nachmittag und Abend, an dem neben aller Trauer auch die Dankbarkeit, das Miteinander und die Freude über die gemeinsamen Erinnerungen ihren Platz fanden. „Mach et joot, Rolf.“

pp/Agentur ProfiPress