Michael Fingel blickt Buchstabe für Buchstabe auf sein erstes Jahr als Bürgermeister zurück – Von Museen und Heimatliebe über neue Ideen für die Jugend bis zu großen Herausforderungen bei Stadtentwicklung und Finanzen – Warum er auch nach zwölf Monaten noch mit Begeisterung ins Rathaus fährt und für die Zukunft viele Pläne hat
Mechernich – Zehn Buchstaben, zehn Stichworte und jede Menge Gesprächsstoff: Zum ersten Jahrestag seines Amtsantritts am 1. November blickt Mechernichs Bürgermeister Michael Fingel auf zwölf ereignisreiche Monate zurück. Die Stadt, deren Geschicke er seit einem Jahr lenkt, liefert dabei selbst den roten Faden. Von M wie Museen bis H wie Hochwildpark führt eine gedankliche Reise durch Mechernich, die zugleich eine persönliche Bilanz und einen Ausblick auf die kommenden Jahre ermöglicht. „Es ging schnell vorbei“, sagt Fingel über sein erstes Jahr. Er habe viele tolle Menschen kennengelernt, interessante Gespräche geführt und vor allem eines erfahren: „Ich merke so langsam, was es heißt, die Verantwortung für eine Stadt zu übernehmen.“

Dabei verschweigt der Bürgermeister weder die Herausforderungen noch die schwierigen Entscheidungen. Es habe Höhen und Tiefen, Erfolge und Rückschläge gegeben, auch die eine oder andere schlaflose Nacht. Trotzdem fällt sein Fazit positiv aus: „Es macht nach wie vor unwahrscheinlich viel Spaß.“ Und weil zum Bürgermeisteramt nicht nur der Rückblick, sondern vor allem der Blick nach vorne gehört, sind es noch vier weitere Jahre, in denen er die Stadt mitgestalten möchte.

M wie Museen
Beim ersten Buchstaben muss Michael Fingel nicht lange überlegen. Museen fallen ihm ein, schließlich hat Mechernich gleich zwei bedeutende Einrichtungen zu bieten. Seine Wahl fällt auf das Bergbaumuseum. „Weil es zu unserer Geschichte passt“, begründet er seine Entscheidung. Der Bergbau gehört zur Identität der Stadt, das Freilichtmuseum Kommern ist ein weiterer touristischer Anziehungspunkt.
Ohnehin sieht Fingel im Tourismus eine große wirtschaftliche Chance. Die zahlreichen Ausflugsziele im Stadtgebiet möchte er stärker miteinander vernetzen und gezielt weiterentwickeln. Davon könnten Gastronomie und Handel ebenso profitieren wie die Menschen vor Ort. Sein Ziel: Mechernich soll für Einheimische, Tagesgäste und Urlauber gleichermaßen attraktiv sein. „Wir haben viele tolle Spots schon jetzt im Stadtgebiet“, sagt er. Diese Potenziale gelte es zu nutzen, ohne alles gleichzeitig umsetzen zu wollen.

E wie erstes Jahr
Spannend, abwechslungsreich und vor allem erstaunlich schnell vergangen: So beschreibt Fingel seine ersten zwölf Monate im Amt. Besonders beeindruckt haben ihn die vielen Begegnungen mit Menschen. Dazu gehören ausdrücklich auch kritische Gespräche. Denn Lob und Widerspruch helfen ihm nach eigener Aussage gleichermaßen dabei, seine Arbeit zu hinterfragen.
Der ehemalige Angestellte der Deutschen Rentenversicherung hat trotz seiner beruflichen Vorerfahrung viel Neues gelernt. Die Zusammenarbeit mit politischen Gremien, komplexe Projekte und Entscheidungen, deren Auswirkungen manchmal erst Monate später sichtbar werden, gehören inzwischen zu seinem Alltag. „Ich lerne nach wie vor unwahrscheinlich viel dazu“, sagt der Bürgermeister.
Und er ahnt bereits, dass auch die kommenden vier Jahre schnell vergehen könnten. „Wenn dann die Legislatur zu Ende geht, denke ich mir wahrscheinlich: Ging das jetzt schnell vorbei.“

C wie Chancen
Eine Kernstadt und 43 weitere Ortschaften: Gerade diese Vielfalt macht Mechernich für Michael Fingel besonders reizvoll. Er kann zugleich die Entwicklung einer Stadt und das dörfliche Leben in der Eifel begleiten.
„Ich fühle mich insofern ein bisschen privilegiert“, sagt er. Die unterschiedlichen Charaktere der Ortschaften eröffneten viele Möglichkeiten, eigene Ideen einzubringen und gemeinsam mit den Menschen vor Ort Veränderungen anzustoßen.
Dabei möchte er die Chancen nicht nur erkennen, sondern auch nutzen. Ob Wirtschaft, Tourismus, Infrastruktur oder Dorfgemeinschaft: Die Entwicklung der Stadt sieht Fingel als langfristige Aufgabe, bei der viele kleine Schritte zum Ziel führen können.

H wie Heimat
Es ist nicht irgendeine Kommune, für die Michael Fingel Verantwortung trägt. Es ist seine Heimat. Er lebt selbst in Kommern und kennt viele Menschen, deren Alltag von kommunalpolitischen Entscheidungen unmittelbar berührt wird. Dass er seine Heimat an so herausgehobener Stelle mitgestalten darf, empfindet er als „eine riesige Ehre“ und als Privileg.
Allerdings betont er, dass ein Bürgermeister die Stadt niemals allein gestalte. Dazu brauche es den Rat, die Verwaltung und vor allem die Bürgerinnen und Bürger. Eigene Ideen einzubringen sei das eine, andere Menschen dafür zu gewinnen und politische Mehrheiten zu finden das andere.
Die Nähe zu den Menschen empfindet er dabei keineswegs als Belastung. Im Gegenteil: „Das ist ein Ansporn.“ Auf Dorffesten, Veranstaltungen und bei persönlichen Begegnungen bekommt er unmittelbar Rückmeldungen zu seiner Arbeit. Diesen Spiegel möchte er bewusst nutzen.
Allerdings weiß Fingel auch, dass er es nicht jedem recht machen kann. Umso wichtiger sei es, Entscheidungen verständlich zu erläutern. „Ich möchte nicht der Jasager sein, ich möchte auch nicht der Wunscherfüller sein“, sagt er. Wenn ein Nein notwendig sei, müsse dieses Nein erklärt werden. Seine Erfahrung: Wer sich dafür Zeit nehme und ehrlich mit den Menschen spreche, stoße häufig auf Verständnis. „Ich muss nichts verkaufen. Das Erklären reicht eigentlich schon.“

E wie Erklären
Damit ist der nächste Buchstabe eigentlich schon vergeben. Denn Kommunikation gehört für Fingel zu den wichtigsten Aufgaben eines Bürgermeisters. Ehrlichkeit, Transparenz und Verständlichkeit sind für ihn keine bloßen Schlagworte.
Gerade in Zeiten, in denen politische Entscheidungen zunehmend kritisch betrachtet werden, hält er persönliche Gespräche für unverzichtbar. Manchmal lasse sich eine schwierige Entscheidung bei einem Bier auf einer Dorfveranstaltung besser erklären als in einem langen Schriftwechsel.
Auch unbequeme Wahrheiten müssten ausgesprochen werden. Die Menschen seien durchaus in der Lage, schwierige Zusammenhänge zu verstehen und unterschiedliche Interessen nachzuvollziehen. „Wenn man das nicht macht, dann verlieren wir die Menschen“, warnt Fingel vor mangelnder politischer Kommunikation.

R wie Rathaus
Wenn Michael Fingel morgens zur Arbeit fährt, tut er das nach eigenen Worten mit großer Freude. „Ich fahre wahnsinnig gerne ins Rathaus.“ Einen Tag im Homeoffice habe er bislang weder machen wollen noch machen müssen.
Besonders angetan ist er von den Beschäftigten der Stadtverwaltung. „Das Rathaus ist voll von echt tollen und klugen Menschen“, sagt er. Er schätzt die offene Arbeitsatmosphäre, das konstruktive Miteinander und die Bereitschaft, auch fachbereichsübergreifend nach Lösungen zu suchen.
Dabei denkt er ausdrücklich auch an die Kolleginnen und Kollegen außerhalb des Rathauses, etwa beim Bauhof sowie in den Bereichen Wasser und Abwasser. Viele Beschäftigte leisteten deutlich mehr, als sie eigentlich müssten.
Wie gut der Zusammenhalt funktioniert, habe auch ein gemeinsamer Betriebsausflug an die Ahr gezeigt. Noch Tage später sei im Rathaus darüber gesprochen worden. Fingel erinnert sich an einen hervorragend organisierten Ausflug, viel Freude und vielleicht „die eine oder andere Traube zu viel“. Sein Fazit aus einem Jahr Verwaltungsarbeit in Mechernich: „Dass Verwaltung auch sexy sein kann, finde ich schon irgendwie cool.“

N wie Nyons
Beim N landet der Bürgermeister gedanklich bei den Städtepartnerschaften mit dem französischen Nyons und dem polnischen Skarszewy. Zwei europäische Freundschaften, die in Mechernich seit vielen Jahren mit Leben gefüllt werden. Während die Verbindung mit Skarszewy in diesem Jahr ihr zehnjähriges Bestehen feierte, steht in Nyons 2027 bereits das 60-jährige Partnerschaftsjubiläum an.
Fingel hat die Stadt in der Provence bereits besucht und erinnert sich an einen ausgesprochen herzlichen Empfang. Trotz der vielen Kilometer Entfernung habe er sich dort beinahe wie zu Hause gefühlt. Solche Beziehungen seien keine Selbstverständlichkeit, sondern müssten ebenso gepflegt werden wie Freundschaften.
Besonders freut er sich auf die weitere Zusammenarbeit mit seinem französischen Amtskollegen Christian Teulade, dessen Humor und positive Ausstrahlung ihn begeistert haben. Für die kommenden Jahre kann er sich auch eine Zusammenarbeit der Feuerwehren vorstellen. Schließlich hat Südfrankreich bereits viel Erfahrung im Umgang mit Vegetations- und Waldbränden, die auch in der Eifel zunehmend zum Thema werden könnten.
Dass europäische Freundschaften über Generationen hinweg wachsen, zeigt auch die Verbindung nach Skarszewy. Die ersten Kontakte nach Polen reichen bis ins Jahr 2009 zurück und wurden maßgeblich durch die Communio in Christo vermittelt. Seit 2016 besteht die offizielle Städtepartnerschaft. Zum zehnten Geburtstag reiste im Sommer eine Mechernicher Delegation um den stellvertretenden Bürgermeister Egbert Kramp nach Polen.

I wie Ideen
An Ideen mangelt es Michael Fingel nicht. Einige davon sind bereits auf den Weg gebracht worden. Die Neuausrichtung des Erlebnisparks Eifeltor zählt ebenso dazu wie das geplante Kinder- und Jugendparlament, für das er sich besonders einsetzt.
Die Idee zur stärkeren Beteiligung junger Menschen wurde auch in der Stadtverwaltung bereits früher diskutiert. Den entscheidenden Anstoß erhielt Fingel nach eigenen Worten jedoch durch Gespräche mit dem heutigen Bürgermeister von Weilerswist, Dino Steuer, der von entsprechenden Erfahrungen berichtete.
Inzwischen hat Mechernich mit dem Vorhaben bei einer Ausschreibung der Hertie-Stiftung 5.000 Euro und professionelle Unterstützung gewonnen. Vorgesehen sind ein Kinderforum und ein Jugendforum, in denen junge Menschen eigene Ideen entwickeln, diskutieren, darüber abstimmen und möglichst auch umsetzen können.

Wichtig ist Fingel, dass Kinder und Jugendliche dabei unabhängig bleiben. Sie sollten weder von der Politik noch von Vereinen für deren Interessen vereinnahmt werden. Stattdessen sollen sie eigene Erfahrungen mit demokratischen Prozessen, Erfolgen und Niederlagen sammeln. Auch eine finanzielle Ausstattung des Gremiums ist vorgesehen.
„Die Jugend hat Bock drauf, ernst genommen zu werden“, ist Fingel nach Begegnungen mit Schulklassen und Praktikanten überzeugt. „Man sollte auf jeden Fall die Jugend nicht unterschätzen.“

C wie City
Ein zweites C bietet Gelegenheit, über die Zukunft der Mechernicher Innenstadt zu sprechen. Die Neugestaltung, die sein Vorgänger Dr. Hans-Peter Schick bereits angestoßen hat, ist für Fingel eines der spannendsten Projekte der kommenden Jahre.
Es geht um weit mehr als Straßen und Plätze. Klimaanpassung, Schattenbereiche, Bewässerung, Parkmöglichkeiten und eine attraktive Stadtgestaltung müssen miteinander verbunden werden. Der Bürgermeister vergleicht die Aufgabe augenzwinkernd mit dem Städtebauen aus Kindertagen. Wer früher gerne mit Lego gespielt habe, könne sich vielleicht vorstellen, welchen Reiz solche Planungen hätten.
Allerdings sind die Rahmenbedingungen alles andere als einfach. Die angespannte Finanzlage der Kommunen, aufwendige Förderverfahren und zusätzliche Aufgaben ohne ausreichende Gegenfinanzierung erschweren die Arbeit.
Fingel möchte deshalb realistisch bleiben, ohne den Gestaltungswillen aufzugeben. „Probleme sind zum Lösen da“, sagt er. Trotz schwieriger Haushaltslage ließen sich weiterhin Projekte verwirklichen. Als Beispiele nennt er Kunstrasenplätze und Dorfgemeinschaftshäuser, bei denen Verwaltung, Fördergeber und ehrenamtlich engagierte Menschen zusammenarbeiten.
„Es geht immer noch was“, lautet seine Botschaft. Vielleicht müsse manches in kleineren Schritten geschehen, aber Stillstand sei für ihn keine Lösung.

H wie Hochwildpark
Zum Abschluss des Alphabets geht es nach Kommern. Der Hochwildpark ist für Michael Fingel ein besonderer Ort, den er schon besucht hat, lange bevor er selbst in Kommern wohnte.
Beim jüngsten Austausch mit der Betreiberfamilie ging es auch um die Zukunft des Parks. Ein konkretes Anliegen hat der Bürgermeister bereits im Blick: Eine seit Jahren fehlende Brücke soll möglichst wiederhergestellt werden, um den unteren Parkbereich mit dem übrigen Gelände zu verbinden.
Fingel schwärmt von dem landschaftlich reizvollen Bereich, den er augenzwinkernd mit einer „vergessenen Welt“ aus einem Abenteuerfilm vergleicht. Gemeinsam mit dem städtischen Fördermanagement möchte er Möglichkeiten ausloten, finanzielle Unterstützung für eine neue Brücke zu gewinnen.
Für ihn ist der Hochwildpark ein weiteres Beispiel dafür, welches touristische Potenzial in Mechernich steckt. Und damit schließt sich der Kreis zum ersten Buchstaben.

Noch viele Bahnen vor sich
Zehn Buchstaben reichen kaum aus, um alle Themen anzusprechen, die Michael Fingel beschäftigen. Die großen Infrastrukturprojekte gehören ebenso dazu wie das geplante Wasserstoff-Testgelände der RVK auf der Peterheide, die weitere Entwicklung des Mühlenparks und die Zukunft des Schwimmbads.
Gerade das Schwimmen liegt dem Bürgermeister persönlich am Herzen. Schließlich engagiert er sich weiterhin ehrenamtlich als Schwimmausbilder bei der DLRG. Wenn es sein Terminkalender zulässt, steht er samstags selbst am Beckenrand oder im Wasser. „Ehrenamt ist mir sehr, sehr wichtig“, betont er. Das wolle er nicht nur erzählen, sondern selbst vorleben.
Auch sein Blick auf die langfristigen Herausforderungen reicht weit über die laufende Amtszeit hinaus. Heiße Sommer, zunehmende Trockenheit, Fragen der Wasserversorgung und die Gefahr größerer Vegetationsbrände werden die Kommunen nach seiner Einschätzung künftig noch stärker beschäftigen. Darauf müsse man sich frühzeitig vorbereiten.

Und würde er sich nach seinem ersten Jahr noch einmal für das Bürgermeisteramt entscheiden? „Zum jetzigen Zeitpunkt auf jeden Fall“, antwortet Fingel ohne Zögern. Gleichzeitig ist sein Respekt vor der Lebensleistung seines Vorgängers Dr. Hans-Peter Schick gewachsen, der die Stadt 26 Jahre lang geführt hat. Ob er selbst einmal so lange im Amt bleiben möchte, weiß Fingel heute noch nicht.
Eine endgültige Überschrift für seine persönliche Bürgermeistergeschichte will er ohnehin erst nach Ablauf der fünfjährigen Wahlperiode finden. Die ersten zwölf Monate seien jedenfalls ein Abenteuer gewesen, mit Höhen und Tiefen, Erfolgen und Rückschlägen, aber vor allem mit vielen bereichernden Erfahrungen.
Und weil der Bürgermeister das Schwimmen liebt, liegt zum Schluss ein sportliches Bild nahe: Michael Fingel ist vom Startblock gekommen, ins kalte Wasser gesprungen und hat seine ersten Bahnen hinter sich. „Die laufen auf jeden Fall gut“, sagt er lachend. Und fügt hinzu: „Ich bin auf jeden Fall noch fit für ein paar Bahnen.“
pp/Agentur ProfiPress
10/30/2026

