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Henri Grüger

06/29/2026

Nachhaltiger Strom aus der Natur

Stellten die neuen STAWAG-Bauprojekte im Mechernicher Ausschuss vor: (v. r.) Thorsten Hamm, Flächenentwickler PV und Wind, Jo Kraus, Projektentwickler PV, und Nils Eicker, Projektentwickler Wind. Foto: Henri Grüger/pp/Agentur ProfiPress

Vertreter der Aachener STAWAG stellten im Mechernicher Betriebs-, Umwelt- und Energieausschuss Pläne für den Solarpark Holzheim/Harzheim und den Windpark Mechernich-Stockert vor

Mechernich – Es ging um große Zahlen, Flächen und Fragen: Wie viel erneuerbare Energie kann künftig erzeugt werden? Was bedeutet das für Land(wirt)schaft, Anwohner, Natur und kommunale Einnahmen? Und: Was hat Mechernich selbst davon?

Im Betriebs-, Umwelt- und Energieausschuss der Stadt stellten Thorsten Hamm, Flächenentwickler PV und Wind, Nils Eicker, Projektentwickler Wind, und Jo Kraus, Projektentwickler PV, von der „STAWAG Energie“ ihre Planungen für zwei Projekte vor: den Solarpark Holzheim/Harzheim entlang der Autobahn A1 sowie den Windpark Mechernich-Stockert im Bereich östlich von Holzheim und Weiler am Berge, nahe der Grenze zu Bad Münstereifel.

Stellten die neuen STAWAG-Bauprojekte im Mechernicher Ausschuss vor: (v. r.) Thorsten Hamm, Flächenentwickler PV und Wind, Jo Kraus, Projektentwickler PV, und Nils Eicker, Projektentwickler Wind. Foto: Henri Grüger/pp/Agentur ProfiPress

Solarpark

Nach einer Unternehmens-Vorstellung durch Hamm stellte Kraus die Planungen für den Solarpark vor. Zwischen Holzheim und Harzheim hat die STAWAG nach eigenen Angaben 13 Teilflächen links und rechts der A1 in den Blick genommen. Zusammen umfassen sie rund 44,1 Hektar. Geplant sei eine potenzielle Anlagenleistung von etwa 48,7 Megawatt in der Spitze. Die Flächen würden derzeit überwiegend landwirtschaftlich genutzt. Der Bauantrag sei bereits eingereicht. Neben der technischen Planung seien zahlreiche Prüfungen und Gutachten notwendig, darunter artenschutzrechtliche Untersuchungen, ein Blendgutachten und Baugrunduntersuchungen. Die Module sollen auf gerammten Pfosten montiert werden. Die Versiegelung werde auf ein Minimum begrenzt, etwa für Trafostationen und Zufahrten. Geplant ist der Solarpark zunächst als Volleinspeise-Anlage. Dafür werde ein neues Umspannwerk notwendig sein. Dieses sei wirtschaftlich insbesondere mit dem geplanten Windpark sinnvoll. Die Anlagen seien grundsätzlich fernsteuerbar und könnten abgeregelt werden.

Ein Schwerpunkt der Diskussion war der ökologische Ausgleich. Nach Angaben der STAWAG soll der Biotopwertverlust jedoch durch Maßnahmen im Park selbst und in angrenzenden Bereichen ausgeglichen und sogar überkompensiert werden. Genannt wurden unter anderem extensive Wiesenpflege, Begrünung der Zaunanlagen sowie Ausgleichsmaßnahmen für betroffene Arten wie die Feldlerche. Der Zaun ermögliche Kleintieren wie Kleinsäugern oder Amphibien die Durchlässigkeit.

Deutlich wurde im Ausschuss der Wunsch, dass Mechernich und die Bürgerinnen und Bürger nicht nur Standort der Anlagen sind, sondern auch profitieren. Björn Wassong formulierte den Wunsch, die STAWAG möge das Thema Bürgerbeteiligung „mit nach Aachen“ nehmen. Akzeptanz steige erheblich, wenn die Menschen vor Ort eine Wertschätzung spürten.

Jo Kraus gab genaue Einblicke in die PV-Planungen und zeigte Referenzprojekte wie in Herzogenrath. Foto: Henri Grüger/pp/Agentur ProfiPress
Jo Kraus gab genaue Einblicke in die PV-Planungen und zeigte Referenzprojekte wie in Herzogenrath. Foto: Henri Grüger/pp/Agentur ProfiPress

Thorsten Hamm zeigte sich dazu offen. Bei STAWAG-Projekten sei es durchaus üblich, jährliche Zahlungen in Stiftungen oder Fördermodelle für Vereine vorzusehen. Konkrete Modelle könnten aber erst entwickelt werden, wenn ein Projekt wirtschaftlich belastbar stehe. Auch bei Wartung und Betrieb soll nach Möglichkeit lokale Wertschöpfung entstehen. Der Bau selbst werde durch spezialisierte Unternehmen ausgeführt. Bei Wartung und kleineren technischen Einsätzen arbeite man jedoch mit lokalen Firmen zusammen.

Windpark

Anschließend stellte Nils Eicker den geplanten Windpark Mechernich-Stockert vor. Das Projektgebiet umfasst rund 25 Hektar in einem „Windenergiebeschleunigungsgebiet“ des Teilregionalplans Erneuerbare Energien für den Regierungsbezirk Köln. Es liegt im Süden der ausgewiesenen Flächen, östlich von Holzheim und Weiler am Berge sowie nahe der A1. Hier sieht die STAWAG vier Windenergieanlagen vor. Bei Geländehöhen von knapp 400 Metern seien Anlagen mit einer Gesamthöhe von etwa 180 bis 200 Metern möglich. Als Beispiel nannte Eicker moderne Nordex-Anlagen mit Nennleistungen zwischen 5,7 und sieben Megawatt. Pro Anlage sei ein jährlicher Ertrag von rund 15.000 Megawattstunden zu erwarten. Bilanziell könne eine einzelne Anlage damit Strom für mehr als 4.000 Haushalte erzeugen.

Ein Genehmigungsantrag werde derzeit für 2027 angepeilt. Realistisch in Betrieb gehen sie aber eher 2032 oder 2033. Gründe seien vor allem der schwierige Netzanschluss, mögliche Verzögerungen bei Herstellern und die unsichere Nachfolgeregelung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes.

„Sind Sie sich denn sicher, dass die Projekte auch wirklich umgesetzt werden können?“, fragte der Erste Beigeordnete Thomas Hambach nach. Die STAWAG selbst glaube an das Projekt, betonte Thorsten Hamm. Sonst würde man „nicht bereits jetzt erhebliche Summen in Gutachten und Voruntersuchungen“ investieren. Das Investitionsvolumen für vier Windenergieanlagen wurde grob mit 25 bis 30 Millionen Euro angegeben. Hinzu komme das Umspannwerk als Kosten- und Zeitfaktor.

Bürgermeister Michael Fingel (m.) erklärte auf Nachfrage, dass die Verwaltung Synergien prüfe, die der Stadt zugutekommen könnten. Foto: Henri Grüger/pp/Agentur ProfiPress
Bürgermeister Michael Fingel (m.) erklärte auf Nachfrage, dass die Verwaltung Synergien prüfe, die der Stadt zugutekommen könnten. Foto: Henri Grüger/pp/Agentur ProfiPress

Zuwegung und Brandschutz

Eicker erklärte, man wolle für das Projekt nach derzeitigem Stand nur teilweise in ein angrenzendes Waldstück eingreifen. Für Transport und Bau seien unterschiedliche Zufahrten geplant: eine temporäre Zuwegung für Großtransporte und eine dauerhafte für Servicefahrzeuge. Auch die Kabeltrasse zum Netzanschluss wurde thematisiert. Bevorzugt würden Wirtschaftswege, Straßengräben oder gegebenenfalls alternative Bauweisen wie Spülbohrungen, um Eingriffe in Wald und Natur möglichst zu vermeiden. Die Untere Naturschutzbehörde des Kreises Euskirchen werde in die weiteren Prüfungen eingebunden.

Beim Brandschutz erklärte Eicker, für Windenergieanlagen im Ernstfall häufig einen kontrollierten Abbrand vorsehen. Für Rückbau und Entsorgung sei die Projektgesellschaft verantwortlich. Auch eine archäologische Baubegleitung sei bei Erdarbeiten üblich, falls Funde auftauchen sollten. Ein Ausschussmitglied fragte augenzwinkernd, ob die Windenergieanlagen „die Kommunikation mit Außerirdischen“ störten. Gemeint war der Astropeiler Stockert. Eine mögliche Störung könne theoretisch durch elektrische Signale aus dem Maschinenhaus entstehen. Anders als das Radioteleskop Effelsberg sei der Astropeiler im Regionalplan jedoch nicht als „übergeordneter Ausschlussbelang“ eingestuft worden.

Wunsch nach Beteiligung

Auch hier kam die Frage auf, warum auf Mechernicher Stadtgebiet Strom erzeugt werde, der in der STAWAG-Präsentation bilanziell den Klimazielen Aachens zugerechnet werde. Die Vertreter stellten klar: Der Strom werde in Mechernich erzeugt und in das öffentliche Netz eingespeist. Bei der Zuordnung zu Aachen gehe es um eine bilanzielle Betrachtung. Gleichwohl blieb der Wunsch nach einem konkreteren Nutzen für Mechernich im Raum. Aus der Politik wurde angeregt, stärker über Bürgerstrommodelle, Beteiligungen, lokale Energieversorgung oder ein Pooling-Modell nachzudenken. Auch der Bezug zu möglichen Wasserstoffprojekten und grüner Energie für künftige Gewerbeentwicklungen wurde hergestellt.

Nils Eicker stand für das geplante Windenergie-Projekt Rede und Antwort. Foto: Henri Grüger/pp/Agentur ProfiPress
Nils Eicker stand für das geplante Windenergie-Projekt Rede und Antwort. Foto: Henri Grüger/pp/Agentur ProfiPress

Bürgermeister Michael Fingel machte deutlich, dass die Stadtverwaltung genau diese Themen inzwischen intensiver angehe. Man sei unter anderem mit Energieversorgern im Austausch und prüfe Synergien, die der Stadt zugutekommen könnten. Laut Thomas Hambach sei auch ein rechnerisches Pooling-Modell denkbar, bei dem lokal erzeugter Strom bilanziell an anderer Stelle genutzt werde. Beim Windpark gilt zudem eine gesetzlich geregelte kommunale Beteiligung. Genannt wurde die Mindestvergütung von 0,2 Cent pro Kilowattstunde für die Gemeinde.

Strom für mehr als 25.000 Haushalte

Zum Abschluss fassten die STAWAG-Vertreter das Potenzial beider Projekte zusammen: Der Solarpark könnte auf rund 50 Megawatt installierte Leistung kommen, der Windpark auf etwa 25 Megawatt. Zusammen wären so jährlich etwa 50.000 bis 60.000 Megawattstunden Stromproduktion möglich. Bilanziell könnten damit mehr als 25.000 Drei-Personen-Haushalte versorgt werden. Die CO₂-Einsparung wurde mit rund 75.000 Tonnen beziffert.

Dann durften auch Bürgerinnen und Bürger Fragen stellen. Eine Nachfrage betraf die Kombination aus Solar- und Windenergie sowie erneut die Frage, ob der Strom nach Aachen gehe. Die STAWAG stellte nochmals klar: Physisch werde der Strom ins öffentliche Netz eingespeist und dort verteilt. Der Ausschussvorsitzende Carsten Vogel dankte den Referenten schließlich für die offene Vorstellung und die ausführliche Beantwortung der Fragen. Sicher ist nach diesem Abend: Die Anlagen sind noch nicht gebaut, manche Details sind offen, und die Zeitpläne bleiben abhängig von Genehmigungen, Netzanschluss und Gesetzgebung. Aber die Energiewende hat in Mechernich neue Koordinaten bekommen.

pp/Agentur ProfiPress