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Ronald Larmann

06/29/2026

Endstation und neuer Anfang

Sie brachten mit einer Modenschau beim Richtfest Farbe ins Spiel. Foto: Michael Nielen/pp/Agentur ProfiPress

Historischer Bahnhof Walporzheim feiert Richtfest im Kommerner Freilichtmuseum – Wochenspiegel-Redakteur Michael Nielen schreibt über Wiederaufbau, Flut-Erinnerung und Eisenbahngeschichte – Ein Pressespiegel

Mechernich-Kommern. Es ist Endstation und Anfang zugleich: Das wurde beim Richtfest des historischen Bahnhofs Walporzheim im LVR-Freilichtmuseum Kommern wurde deutlich. Denn auf dem Marktplatz Rheinland entsteht mehr als der Wiederaufbau eines alten Gebäudes Es ist eine Zeitreise durch mehr als 100 Jahre Eisenbahngeschichte, ein Erinnerungsort an die Flutkatastrophe im Ahrtal und ein Symbol für den Wiederaufbau einer ganzen Region.

Sie brachten mit einer Modenschau beim Richtfest Farbe ins Spiel. Foto: Michael Nielen/pp/Agentur ProfiPress
Sie brachten mit einer Modenschau beim Richtfest Farbe ins Spiel. Foto: Michael Nielen/pp/Agentur ProfiPress

Darüber berichtet Redakteur Michael Nielen im Wochenspiegel. Bei hochsommerlichen Temperaturen verfolgten zahlreiche Gäste das Richtfest. Über dem Gebäude wehte der Richtkranz, während Zimmermann Edgar „Eddy“ Lauterbach den traditionellen Richtspruch sprach. Darin erinnerte er an die bewegte Geschichte des Bauwerks: „Dann kam die Flut mit dunkler Macht, hat Leid und schwere Zeit gebracht. Der Bahnhof stand als letzter Hort, dahinter lag Zerstörung fort.“ Heute steht das Gebäude an einem neuen Ort. „Nun steht er hier am neuen Ort, bewahrt Geschichte fort und fort“, rief Lauterbach den Gästen zu.

Zahlreiche Gäste waren bei hochsommerlichen Temperaturen zum Richtfest in das LVR-Freilichtmuseum Kommern gekommen. Foto: Michael Nielen/pp/Agentur ProfiPress
Zahlreiche Gäste waren bei hochsommerlichen Temperaturen zum Richtfest in das LVR-Freilichtmuseum Kommern gekommen. Foto: Michael Nielen/pp/Agentur ProfiPress

Tore zur Welt

Begonnen hatte alles mit einem Anruf. Monika Lindener, damalige Fahrdienstleiterin in Walporzheim, hatte dem Museum berichtet, dass das Gebäude abgerissen werden soll. Für Museumsleiter Dr. Carsten Vorwig war sofort klar, dass dies eine einmalige Chance sei. „Ein Bahnhof war schon lange fester Bestandteil der musealen Konzeption, denn Bahnhöfe sind gerade im ländlichen Raum die Tore zur Welt“, erläuterte er. Sie seien weit mehr als bloße Verkehrsknotenpunkte: „Sie verbinden Orte miteinander, erschließen Märkte und Möglichkeiten und fördern Teilhabe wirtschaftlich und gesellschaftlich.“

Zimmermann Edgar „Eddy“ Lauterbach leerte nach dem Richtspruch sein Schnapsglas und ließ es auf dem Boden zerschellen. Foto: Michael Nielen/pp/Agentur ProfiPress
Zimmermann Edgar „Eddy“ Lauterbach leerte nach dem Richtspruch sein Schnapsglas und ließ es auf dem Boden zerschellen. Foto: Michael Nielen/pp/Agentur ProfiPress

Vorwig bezeichnete das Richtfest als „einen Moment des Innehaltens zwischen Idee und Verwirklichung, zwischen Plan und Vollendung“. Dass der Bahnhof heute originalgetreu in Kommern steht, verdankt das Museum der Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn und dem unermüdlichen Einsatz des museumseigenen Bauhofs. „Es ist unseren Museumshandwerkern zu verdanken, dass der historische Bahnhof mit seiner originalen Bausubstanz heute hier steht2, betonte er.

Gerettet wurde nicht nur die Bausubstanz, auch das Inventar wie Kaffeetasse, Kugelschreiber, Schreibblock und vieles mehr. „Geschichte steckt nicht nur in großen Ereignissen, sondern vor allem im Alltag“, so Vorwig.

Ein Pfiff, ein Signal und freie Fahrt für einen Bahnhof im Museum. Foto: Michael Nielen/pp/Agentur ProfiPress
Ein Pfiff, ein Signal und freie Fahrt für einen Bahnhof im Museum. Foto: Michael Nielen/pp/Agentur ProfiPress

Verletzlichkeit und Stärke

Die Verbindung zur Flutkatastrophe von 2021 zog sich wie ein roter Faden durch das Richtfest. Der Bahnhof Walporzheim war damals zur rettenden Insel geworden. „So steht die Bahn an der Ahr heute für zweierlei: für die Verletzlichkeit unserer Infrastruktur, aber auch für die Stärke einer Region, die sich nicht aufgibt“, sagte Vorwig.

Anne Henk-Hollstein, Vorsitzende der Landschaftsversammlung Rheinland, hielt eine sehr unterhaltsame Rede. Foto: Michael Nielen/pp/Agentur ProfiPress
Anne Henk-Hollstein, Vorsitzende der Landschaftsversammlung Rheinland, hielt eine sehr unterhaltsame Rede. Foto: Michael Nielen/pp/Agentur ProfiPress

Anne Henk-Hollstein würdigte den Bahnhof als Ort voller Geschichten: „Kaum ein anderer Ort vereint so viele Geschichten von Ankunft und Aufbruch, von Hoffnung und Wehmut, von Vorfreude oder auch von Verlust“, sagte die Vorsitzende der Landschaftsversammlung Rheinland. Das Besondere des Projekts sei das Konzept der verschiedenen Zeitschnitte: Denn der Bahnhof zeigt gleichzeitig seinen Zustand von 2023, die Wartehalle der 1950er Jahre und ein Stellwerk aus der Erbauungszeit. „Dieser Bahnhof erzählt nicht nur von einer Zeit, sondern gleich von mehreren", so die Vorsitzende. Die Versetzung des Gebäudes nannte sie eine „handwerkliche Meisterleistung“ und ein „Zeichen des Wiederaufbaus und der Resilienz“.

Blick ins Publikum. Foto: Michael Nielen/pp/Agentur ProfiPress
Blick ins Publikum. Foto: Michael Nielen/pp/Agentur ProfiPress

Die Bauforscherin des Museums, Anne Karl, erläuterte die wissenschaftlichen Herausforderungen. Das hohe Fundament etwa habe seine Bedeutung: „Dieser Bahnhof stand auf einem Bahndamm, der sehr prägend war auch für das Bild des Bahnhofes.“ Für die Rekonstruktion des Innenraums von 2023 wurde jedes Detail erfasst und gesichert: „Wir haben jeden Kuli, jeden Notizblock, alles wirklich aufgenommen, mitgenommen.“ Besucher sollen das Gefühl haben, der Fahrdienstleiter sei gerade erst hinausgegangen und komme gleich wieder.

Bahnhöfe sind für Museumsleiter Dr. Carsten Vorwig im ländlichen Raum Tore zur Welt: „Sie verbinden Orte miteinander, erschließen Märkte und Möglichkeiten und fördern Teilhabe wirtschaftlich und gesellschaftlich.“ Foto: Nielen/pp/Agentur ProfiPress
Bahnhöfe sind für Museumsleiter Dr. Carsten Vorwig im ländlichen Raum Tore zur Welt: „Sie verbinden Orte miteinander, erschließen Märkte und Möglichkeiten und fördern Teilhabe wirtschaftlich und gesellschaftlich.“ Foto: Nielen/pp/Agentur ProfiPress

Problem: Restgeld im Automaten

Als besonderen Glücksfall bezeichnete Karl die Nachricht, dass der originale Fahrkartenautomat aus Walporzheim doch noch ins Museum kommt. Lange hatte Restgeld im Gerät eine Übergabe blockiert – bis die Deutsche Bahn den Automaten kurzerhand selbst ausräumte. „Der Fahrkartenautomat ist jetzt leer. Wir bekommen doch den originalen Fahrkartenautomat“, freute sich Karl.

Die Besucher erlebten ein unterhaltsames Richtfest. Foto: Michael Nielen/pp/Agentur ProfiPress
Die Besucher erlebten ein unterhaltsames Richtfest. Foto: Michael Nielen/pp/Agentur ProfiPress

Für Farbe und Begeisterung sorgten Mitglieder des Freundeskreises historischer Eisenbahnuniformen im Rheinland mit einer Modenschau, die – passend für ein Museum – die Entwicklung der Bahnuniformen vom 19. Jahrhundert bis in die Neuzeit lebendig werden ließ.

pp/Agentur ProfiPress