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Manfred Lang

06/15/2026

Vom Schaf zum Stoff

Großer Andrang beim Wolltag im LVR-Freilichtmuseum Kommern – Besucher erlebten die traditionelle Wollverarbeitung hautnah

Großer Andrang beim Wolltag im LVR-Freilichtmuseum Kommern – Besucher erlebten die traditionelle Wollverarbeitung hautnah

Mechernich-Kommern – Lautes Blöken, surrende Spinnräder und der Geruch frisch gefärbter Wolle: Beim Wolltag im LVR-Freilichtmuseum Kommern drehte sich am Sonntag alles um eines der ältesten Naturprodukte der Menschheit.

Hunderte Besucher strömten zum Haus aus Rohren am Rand der Baugruppe Eifel, um mitzuerleben, wie aus der natürlich gewachsenen Wolle eines Schafes Schritt für Schritt ein Vlies, Wollfäden, gefärbte Knäuel und schließlich ein Gewebe entsteht, aus dem man Kleidungsstücke schneidern kann. Besonders die Schafschur, das Spinnen und die Mitmachangebote für Kinder und Erwachsene stießen beim aus dem gesamten Rheinland, dem Ruhrgebiet und Benelux angereisten Publikum auf großes Interesse.

Frisch geschorene und gewaschene Wollvliese trockneten traditionell über dem Gartenzaun des Hauses aus Rohren am Rande der Baugruppe Eifel im LVR-Freilichtmuseum Kommern. Foto: Sabine Roggendorf/pp/Agentur ProfiPress
Frisch geschorene und gewaschene Wollvliese trockneten traditionell über dem Gartenzaun des Hauses aus Rohren am Rande der Baugruppe Eifel im LVR-Freilichtmuseum Kommern. Foto: Sabine Roggendorf/pp/Agentur ProfiPress

Wer den Wolltag besuchte, bekam einen seltenen Einblick in eine Handwerkskunst, die einst zum Alltag jedes Dorfes gehörte. Im Mittelpunkt standen die Museumsschafe, die zunächst fachgerecht geschoren wurden. Die frisch gewonnenen Vliese wurden anschließend – ganz wie früher – über den Gartenzaun des Hauses aus Rohren gehängt, damit sie trocknen konnten.

Die Schafschur gehörte zu den Höhepunkten des Wolltags und lockte zahlreiche Besucher an. Sie stand am Beginn einer ganzen Verarbeitungskette traditioneller Textilherstellung, die am Sonntag im LVR-Freilichtmuseum vorgeführt wurde. Foto: Sabine Roggendorf/pp/Agentur ProfiPress
Die Schafschur gehörte zu den Höhepunkten des Wolltags und lockte zahlreiche Besucher an. Sie stand am Beginn einer ganzen Verarbeitungskette traditioneller Textilherstellung, die am Sonntag im LVR-Freilichtmuseum vorgeführt wurde. Foto: Sabine Roggendorf/pp/Agentur ProfiPress

Für manchen der tierischen Bewohner war die Verwandlung allerdings gewöhnungsbedürftig. Nachdem die Schafe ihre dichte Wolle verloren hatten, schienen einige Lämmer ihre Mütter zunächst nicht mehr zu erkennen. Immer wieder waren laute Rufe zu hören, bis sich Muttertier und Nachwuchs schließlich wiedergefunden hatten.

Während draußen die Schafschur zahlreiche Zuschauer anzog, wurde in und um die historischen Gebäude die weitere Verarbeitung der Wolle demonstriert. Mit geübten Händen verwandelten die Museumshelferinnen Sonja Mauel aus Blankenheim und Bettina Elschner aus Bonn die aufbereitete Wolle am Spinnrad in feine Fäden. Geduldig erklärten sie den Besuchern die einzelnen Arbeitsschritte und ließen Interessierte selbst ausprobieren, wie schwierig es ist, einen gleichmäßigen Wollfaden herzustellen.

Museumshelferinnen Sonja Mauel (r.) aus Blankenheim und Bettina Elschner aus Bonn demonstrierten an Spinnrädern, wie aus Schafwolle feine Fäden entstehen. Foto: Sabine Roggendorf/pp/Agentur ProfiPress
Museumshelferinnen Sonja Mauel (r.) aus Blankenheim und Bettina Elschner aus Bonn demonstrierten an Spinnrädern, wie aus Schafwolle feine Fäden entstehen. Foto: Sabine Roggendorf/pp/Agentur ProfiPress

„Viele Besucher staunen, wie viel Arbeit in einem einzigen Wollknäuel steckt“, sagte eine der Vorführenden. „Früher war das alltägliche Handarbeit.“ Im historischen Vennhaus führte Ulrike Klinkhammer aus Zehntstelle die Arbeit an einem alten Webstuhl vor. Mit rhythmischen Bewegungen ließ sie Schiffchen und Webblatt durch die Kettfäden laufen und machte sichtbar, wie aus Garn schließlich Stoff entsteht.

Färberkrapp, Zwiebeln und Rainfarn

Für leuchtende Farben sorgte unter anderem Andrea Rolfes-Koenen, die verschiedene Techniken der Wollfärberei präsentierte. In großen Färbebottichen entstanden intensive Gelb-, Rot- und Brauntöne, wie sie seit Jahrhunderten für die Herstellung von Kleidung verwendet wurden. Dazu verwendeten sie und ihre Kolleginnen Naturprodukte wie Färberkrapp, Zweibelschalen und Rainfarn.

Andrea Rolfes-Koenen zeigte beim Wolltag in Kommern verschiedene Techniken der Wollfärberei und präsentierte leuchtende Naturfarben, die mit Hilfe von Krapp, Zwiebelschalen und Rainfarn entstanden. Foto: Sabine Roggendorf/pp/Agentur ProfiPress
Andrea Rolfes-Koenen zeigte beim Wolltag in Kommern verschiedene Techniken der Wollfärberei und präsentierte leuchtende Naturfarben, die mit Hilfe von Krapp, Zwiebelschalen und Rainfarn entstanden. Foto: Sabine Roggendorf/pp/Agentur ProfiPress

Besonders beliebt waren die Mitmachstationen. Dort konnten Kinder und Erwachsene selbst zur Handspindel greifen und versuchen, aus lockerer Wolle einen Faden zu ziehen. Was bei den erfahrenen Handwerkerinnen spielend leicht aussah, verlangte den Besuchern einiges an Geduld und Fingerspitzengefühl ab.

Andrea Rolfes-Koenen sagte der Agentur ProfiPress: „Mit natürlichen Farbstoffen entstehen überraschend kräftige Farben. Das begeistert Kinder genauso wie Erwachsene.“ Sonja Mauel: „Viele Menschen kennen Wolle nur noch als fertiges Knäuel aus dem Laden. Hier können sie erleben, wie viel Handarbeit dahintersteckt.“ Ulrike Klinkhammer: „Ein historischer Webstuhl verlangt Geduld und Konzentration. Aber genau das fasziniert die Besucher immer wieder.“ Eine Besucherin aus Mechernich gab ihren Eindruck mit den Worten wieder: „Man bekommt hier einen Eindruck davon, wie aufwendig Kleidung früher hergestellt wurde. Das sieht man heute kaum noch.“

Am historischen Webstuhl führte Ulrike Klinkhammer aus Zehntstelle vor, wie aus gesponnenem Garn Stoff gewebt wird. Eine Besucherin aus Mechernich gab ihren Eindruck mit den Worten wieder: „Man bekommt hier einen Eindruck davon, wie aufwendig Kleidung früher hergestellt wurde. Das sieht man heute kaum noch.“ Foto: Sabine Roggendorf/pp/Agentur ProfiPress
Am historischen Webstuhl führte Ulrike Klinkhammer aus Zehntstelle vor, wie aus gesponnenem Garn Stoff gewebt wird. Eine Besucherin aus Mechernich gab ihren Eindruck mit den Worten wieder: „Man bekommt hier einen Eindruck davon, wie aufwendig Kleidung früher hergestellt wurde. Das sieht man heute kaum noch.“ Foto: Sabine Roggendorf/pp/Agentur ProfiPress

Der Wolltag gehört seit Jahren zu den beliebten Thementagen des Rheinischen Freilichtmuseums in Kommern. Ziel ist es, historische Arbeitsweisen nicht nur zu zeigen, sondern erlebbar zu machen. Vom Scheren über das Kardieren, Spinnen, Färben und Weben bis hin zum fertigen Stoff wurde die gesamte Verarbeitungskette der Wolle anschaulich vorgeführt. Die Resonanz der Besucher zeigte einmal mehr, dass traditionelle Handwerkstechniken nichts von ihrer Faszination verloren haben.

pp/Agentur ProfiPress