Mechernicher Galerie im Rathaus wurde zum „Korridor der Träume“ – Vernissage mit Werken der neuen Kuratorin Ela Rübenach sowie Heiner Kirch und Gerhard H. Lenz
Mechernich – Voll wurde es an diesem Freitagabend in der Galerie im Rathaus – und still an den richtigen Stellen. Zur Vernissage der Ausstellung „Korridor der Träume“ (zu sehen bis Mitte April im Mechernicher Rathaus) trafen Kunst, Musik und sehr persönliche Lebensgeschichten aufeinander: Werke von Gerhard H. Lenz, der derzeit schwer krank im Hospiz des Mechernicher Sozialwerks Communio in Christo e.V. begleitet wird, Arbeiten der neuen Kuratorin Ela Rübenach – und Digitalart ihres 2023 verstorbenen Ehemanns Heiner Kirch.


Bürgermeister Michael Fingel eröffnete den Abend mit dem Wunsch, das Rathaus möge ein „Ort der Begegnung, des Austauschs und der Kunst“ sein. Er würdigte zudem den langjährigen Kurator Franz Kruse, der die Galerie über 15 Jahre geprägt habe, und begrüßte Ela Rübenach offiziell in ihrer neuen Rolle. Dass diese erste Ausstellung unter ihrer kuratorischen Verantwortung gleich drei Handschriften zusammenführt, passte für Fingel perfekt. Kunst kenne „keine zeitlichen Schranken“ – oft reiche ihre Kraft „sogar über den Tod hinaus“.


Für einen warmen, getragenen Rahmen sorgten das Trio Uli van Staa, Jojo Joisten und Peter Hensen: Unter anderem mit dem „Waltz No. 2“ von Dmitri Schostakowitsch – auf ausdrücklichen Wunsch von Lenz – und „Every breath you take“ von The Police.
„Reicher hinaus als hinein“
Mit ganzem Herzen dabei war Ela Rübenach – und so sprach sie auch. Nicht wie jemand, der „nur“ ein neues Amt antritt. Sie bedankte sich sichtlich bewegt für den Andrang („…dass ihr so in Massen gekommen seid“) – und für das Vertrauen in ihre neue Aufgabe. Vor allem aber machte sie deutlich, dass diese Ausstellung kein „Konzept im klassischen Sinn“ sei, sondern eine bewusste, persönliche Auswahl: Kunst, sagte sie, sei kein abgeschlossener Zustand, sondern ein Prozess – verbunden mit Menschen, Biografien, mit dem Leben selbst.


Ihre emotionalsten Sätze gehörten dabei dem „Warum“: Sie habe Heiner Kirch bewusst mit hineingenommen – ihren verstorbenen Mann, dessen Arbeiten nun posthum in Mechernich präsent sind. Und als sie von der schweren Krankheit von Gerhard Lenz erfahren habe, sei für sie klar gewesen: sie wolle sein besonderes Lebenswerk würdigen.


Dass Lenz selbst an diesem Abend teilnehmen konnte, war der nächste besondere Augenblick: Seine Enkelin Luka hatte ihn per iPad zugeschaltet – so war er „die ganze Zeit dabei. Ich bin stolz, dass das heute funktioniert, dass er das mitbekommt“, erklärte sie: seine Gemälde gefielen ihr besonders gut. Zuvor sei es ihm zwar nicht gut gegangen; an diesem Abend aber sei er „richtig glücklich“ gewesen. Besonders bewegend: Ein Bild mit Pfingstrosen namens „Von mir zu Dir“, erzählte Luka, habe er für sie im Hospiz gemalt. Das sei „eine sehr große Ehre“: „Ich bin sehr stolz auf ihn. Er ist aber auch einfach richtig krass!“

Ein selbstgeschriebenes Gedicht für diesen Abend hatte Gerhard Lenz zuvor eingesprochen, dem alle Anwesenden andächtig zuhörten. Ein Bild, so Lenz darin, werde beim Aufhängen ein Stück weit aus der Hand gegeben, gehöre dann auch dem Betrachter. Und vielleicht gehe man am Ende aus der Vernissage „reicher hinaus als hinein“.
Besondere Eindrücke

Als Vorsitzender des Kulturausschusses empfahl Dr. Peter Schweikert-Wehner den Gästen, sich Zeit für jedes einzelne Werk zu nehmen – und nannte Beispiele, an denen er sich festmachte: Lenz’ Darstellung des Titusbogens etwa, die ihn an geschichtliche Linien und Erinnerungskultur denken ließ; einen „blauen Engel“, der für ihn eine Brücke vom 15. bis ins 20. Jahrhundert schlug; und nicht zuletzt Rübenachs Kölner Dom, der – „wie nach drei Tagen Karneval“, wie er augenzwinkernd anspielte –fast zu zerfließen scheint. Gut gefiel ihm auch ein Werk „Luftschloss“ von Heiner Kirch, in dem eine Frau die Reichsburg Cochem scheinbar mühelos auf den Händen trägt: „ein Bild starker Frauen“.

Dr. Michael Stöhr verband in seiner Einführung mehrere Ebenen: Kunstbetrachtung, Biografie – und einen sehr konkreten sozialen Gedanken. Denn: Die Hälfte des Verkaufspreises möglicher Verkäufe solle an die Mechernich-Stiftung gespendet werden.

Zu Rübenachs Arbeiten sprach Stöhr von leuchtenden Farben, glänzenden Flächen, fließenden Formen – und davon, dass Kunst „gefühlt“ werden wolle. Als seine persönlichen Favoriten nannte er neben dem Dom auch eine Erde-Flusslandschaft unter dem Titel „Quelle des Seins“ – vor allem aber das Werk „Verwobene Seelen“: ein Bild, das Rübenach als Verbindung zwischen sich und Heiner Kirch versteht – Licht und Dunkel, getrennt und doch ineinander verschmolzen. Dies ist, als Zeichen ihrer Verbundenheit, auch das Lieblingswerk der Kuratorin – neben der „Torheit der Massen“ von Gerhard Lenz. Gerade in der heutigen Zeit ein wichtiges Motiv.


Kirchs Digitalart beschrieb Stöhr als surreal, futuristisch, detailreich. Die Motive gäben sich nicht beim ersten Blick preis. Sein Lieblingsbild von Kirch sei ebenso das „Luftschloss“. Bei Lenz schließlich hob Stöhr die Spannweite hervor: Realismus und Surreales, Malerei und Gedichte – und auch wieder die „Torheit der Massen“: ein Bild, das rätselhaft, aber auch erschreckend klar wirke.


Geprägt war dieser besondere Abend von klaren, wenn auch unterschwelligen Themen: Verbundenheit, Liebe, Dankbarkeit, Abschied und Erinnerung. So wurde die Galerie im Rathaus auch unter der neuen Kuratorin Ela Rübenach wieder zu einem gemeinsamen Raum, in dem Kunst nicht nur gezeigt, sondern geteilt und gefühlt wird.
pp/Agentur ProfiPress
01/20/2026
