Erste Mechernicher Seniorenmesse war ein voller Erfolg – Zahlreiche Besucher informierten sich an 33 Ständen und bei Fachvorträgen – Bürgermeister Michael Fingel kündigte Fortsetzung an
Mechernich – Ein Rollator, der dank künstlicher Intelligenz Steigungen und Hindernisse bewältigt, Notrufgeräte, die im Ernstfall den Standort ihres Trägers übermitteln, und Fitnessangebote, die helfen sollen, auch im hohen Alter möglichst lange beweglich zu bleiben: Bei der ersten Mechernicher Seniorenmesse gab es am Samstag in der Mehrzweckhalle und im angrenzenden Oktogon einiges zu entdecken. 33 Informationsstände und ein abwechslungsreiches Vortragsprogramm machten die Premiere zu einer Anlaufstelle für ältere Menschen, Angehörige und alle, die sich frühzeitig mit dem Älterwerden beschäftigen möchten. Und das Interesse war groß: Zahlreiche Besucherinnen und Besucher nutzten die Gelegenheit, sich zu informieren, beraten zu lassen und miteinander ins Gespräch zu kommen.

„Die älteren Menschen sind ein ganz wichtiger Teil unserer Gesellschaft“, betonte Bürgermeister Michael Fingel bei der Eröffnung. Die Messe solle Begegnung und Austausch ermöglichen und gleichzeitig die Möglichkeit bieten, sich an einem Ort umfassend beraten zu lassen. Für Fingel ist das neue Veranstaltungsformat auch ein Zeichen der Generationenfreundlichkeit Mechernichs. Sein Wunsch: „Es soll sicherlich keine einmalige Sache sein.“

Dass die Idee innerhalb weniger Monate Wirklichkeit wurde, war vor allem dem Engagement von Kati Jakob, Fachbereichsleiterin für Bildung, Kultur und Soziales der Stadt Mechernich, ihrem Team und Claus Helfen zu verdanken. Der selbstständige Regionalpartner von Promedica Plus, einem Anbieter häuslicher Betreuung, hatte die Initiative ergriffen. „Ich habe tagtäglich mit Senioren und ihren Familien zu tun und weiß, dass das Informationsdefizit in den Familien groß ist“, erklärte er. Gemeinsam mit der Stadt entstand daraus die erste Seniorenmesse, bei der die Aussteller keine Standgebühren zahlen mussten.
Technik, die den Alltag erleichtert
Ein besonderer Blickfang war am Stand des Sanitätshauses Dr. Wehner aus Mechernich zu sehen. Geschäftsführer Dr. Peter Schweikert-Wehner präsentierte mit seinem Team einen KI-gestützten Rollator mit elektrischem Antrieb, der seine Nutzer beim Schieben unterstützt und sogar Hindernisse überwinden kann. „Gerade für die Eifel, wo man den Rollator nicht immer leicht bewegen kann, ist das eine interessante Entwicklung“, erläuterte er. Sensoren in den Griffen erkennen die Bewegung. Der Antrieb hilft, das Eigengewicht des Geräts zu bewegen, ohne den Menschen unkontrolliert mitzuziehen. Für Schweikert-Wehner ein Beispiel dafür, wie moderne Technik zu mehr Selbstständigkeit beitragen kann.

Um Sicherheit ging es auch bei Patrick Dost vom Deutschen Roten Kreuz. Er stellte Hausnotrufsysteme und mobile GPS-Notrufgeräte vor. Wer unterwegs stürzt oder Hilfe benötigt, kann darüber Kontakt zur Notrufzentrale aufnehmen und seinen Standort übermitteln lassen. Ergänzend präsentierte das DRK Sturzsensoren und die Rotkreuzdose, die im Kühlschrank wichtige Angaben zu Medikamenten, Erkrankungen und Kontaktpersonen für Rettungskräfte bereithält.
Bewegung hält selbstständig
Dass man auch selbst viel für ein möglichst langes, eigenständiges Leben tun kann, verdeutlichte das Team der Sportwelt Schäfer. Im Mittelpunkt stand die Bedeutung des Muskeltrainings im Alter. Durch gezielte Diagnostik, beispielsweise Messungen der Griffkraft oder Tests beim Aufstehen vom Stuhl, lassen sich körperliche Einschränkungen erkennen. „Wir wollen die Senioren dazu bringen, Vorsorge zu betreiben, sportlich aktiv zu sein und ihre Muskulatur weiter zu trainieren“, erläuterte Franz-Peter Schäfer. Entscheidend sei ein individuell angepasstes Training, das Kraft und Beweglichkeit gleichermaßen fördere.

Wie Menschen Unterstützung im häuslichen Alltag bekommen können, erläuterten die Mitarbeiter der Agentur für Haushaltshilfe. Das Angebot reicht vom Einkauf und der Wohnungsreinigung über Arztbegleitungen bis zum gemeinsamen Spaziergang oder Kaffeetrinken. Beim Erstgespräch werde auch geprüft, welche Leistungen über die Pflegekasse finanziert werden können, erklärte ein Teamkoordinator. Besonders wichtig sei, dass die Chemie zwischen Helfern und betreuten Menschen stimme. Auch Angehörige könnten dadurch spürbar entlastet werden.
Wenn das Eigenheim zu groß wird
Mit Fragen rund um das Wohnen im Alter beschäftigte sich Stefan Lippertz, Leiter der Eifelland Immobilien, die zur VR-Bank EifelLand gehören. Denn auch das eigene Haus kann im Alter zur Herausforderung werden. Barrierefreie Wohnungen, Immobilienverrentung oder Finanzierungsmöglichkeiten für notwendige Umbauten waren deshalb Themen am Stand. „Je besser meine Wohnform an mein Alter angepasst ist, desto länger kann ich eigenständig wohnen bleiben“, erklärte Lippartz. Die Eifelland Immobilien informierten unter anderem über die sogenannte Leibrente und alternative Finanzierungsmöglichkeiten.

Das Informationsspektrum reichte allerdings noch deutlich weiter. Das Kreiskrankenhaus Mechernich war mit Pflegeangeboten und Wohnberatung vertreten, ebenso die Caritas, die Malteser, das Kreuserstift, die Parkinson-Gemeinschaft und die Alzheimer-Gesellschaft. Die Polizei informierte über Kriminalprävention, der Kreis Euskirchen über Pflegeberatung und rechtliche Betreuung. Die GenoEifel stellte ihre Angebote für Nachbarschaftshilfe und gesellschaftliche Teilhabe vor. Am Stand der Eifeler Brunnenhilfe im Eingangsbereich ergaben sich ebenfalls Gespräche mit Messegästen.

Auch schwierige Fragen hatten ihren Platz: Die Bestattungshäuser Ohles und Ernst informierten über Abschied und Bestattungsvorsorge. Hinzu kamen ambulante Pflegedienste, Beratungsstellen, Anbieter von Alltagshilfen und Unterstützungsangebote für pflegende Angehörige. Ein Fachvortragsprogramm ergänzte die persönlichen Gespräche. Dabei ging es unter anderem um Pflegegrade, Vorsorgevollmachten, Sturzprävention, Wohnberatung und Immobilienverrentung.
Kaffee und Kuchen
Für eine gemütliche Verschnaufpause sorgten zahlreiche Ehrenamtliche aus dem Pastoralen Raum Mechernich. Unter der organisatorischen Leitung von Pfarrsekretärin Agnes Peters hatten sich Helferinnen und Helfer aus verschiedenen Orten von Kirche zusammengefunden. Ein entsprechender Aufruf war auf große Resonanz gestoßen. Das Ergebnis konnte sich sehen und schmecken lassen: ein reichhaltiges Buffet mit selbst gebackenen Kuchen und frisch ausgeschenktem Kaffee. So wurde das Oktogon auch zum Treffpunkt für Gespräche abseits der Informationsstände.

Organisatorin Kati Jakob freute sich besonders über die große Bereitschaft der Einrichtungen, an der Premiere teilzunehmen. Einige Interessenten hätten für eine mögliche Neuauflage bereits ihre Teilnahme angekündigt. „Es ist wirklich alles abgedeckt, was ich total schön finde“, sagte die Fachbereichsleiterin mit Blick auf die Themenvielfalt. Lediglich Angebote rund um Seniorenreisen könnten das Programm künftig noch ergänzen.

Für das kommende Jahr denkt Jakob bereits über eine Verbindung der Seniorenmesse mit einem Rollatorentag nach. Platz für weitere Aussteller sei durchaus vorhanden.

Auch Bürgermeister Michael Fingel hatte bei der Eröffnung deutlich gemacht, dass die Stadt das Format weiterentwickeln möchte. Anregungen und Verbesserungsvorschläge seien ausdrücklich willkommen. Die erste Seniorenmesse jedenfalls zeigte, wie vielfältig die Angebote in der Region bereits sind und wie hilfreich es sein kann, sie an einem Ort zusammenzubringen.
pp/Agentur ProfiPress
10/20/2026

