Kämmerer Stefan Mannz legte im Rat Zahlen vor – Defizit mit 3,2 Millionen Euro im Jahresabschluss 2025 geringer als gedacht– Freiwillige Haushaltskonsolidierung angestrebt – Stadt beteiligt sich am bundesweiten Aktionstag „Kommunen am Limit“
Mechernich – Die Stadt Mechernich steht finanziell vor großen Herausforderungen. Das machte Kämmerer Stefan Mannz jetzt im Rat deutlich, als er den Entwurf des Jahresabschlusses 2025 sowie den ersten Finanzbericht für 2026 vorstellte. Seine Botschaft war klar: „Die fetten Jahre sind vorbei.“
Während der Jahresabschluss 2024 noch nahezu ausgeglichen war und lediglich ein Defizit von rund 40.000 Euro auswies, schließt das Haushaltsjahr 2025 mit einem Fehlbetrag von rund 3,2 Millionen Euro ab. Zwar liegt das Ergebnis um knapp eine Million Euro besser als die ursprünglich prognostizierten minus 4,2 Millionen Euro, doch von einer Entspannung könne keine Rede sein, betonte Mannz. „3,2 Millionen Euro Defizit sind dramatisch.“

Die Stadt könne den Fehlbetrag noch aus ihrer Ausgleichsrücklage decken. Dort stehen derzeit rund 21 Millionen Euro zur Verfügung. Gleichzeitig machte der Kämmerer jedoch deutlich, dass diese Rücklage in den kommenden Jahren zunehmend abgeschmolzen werde. Bereits jetzt liegt das Eigenkapital der Stadt unter dem Ausgangswert bei der Einführung des Neuen Kommunalen Finanzmanagements im Jahr 2006.
Gewerbesteuer bricht ein
Besonders schwer wiegt der Rückgang bei der Gewerbesteuer. Gegenüber dem Vorjahr gingen die Einnahmen um mehr als drei Millionen Euro zurück. Auch im Vergleich zur Haushaltsplanung fehlen rund 2,5 Millionen Euro. Die höheren Einnahmen aus dem Gemeindeanteil an der Einkommensteuer sowie gestiegene Schlüsselzuweisungen des Landes können diesen Einbruch nicht annähernd ausgleichen.
Gleichzeitig steigen viele Ausgaben weiter an. Allein die Kreisumlage verschlingt inzwischen rund ein Drittel der gesamten Aufwendungen der Stadt. Hinzu kommen höhere Kosten für Dienstleistungen, steigende Abschreibungen infolge zahlreicher Investitionen sowie die Verlustabdeckung kommunaler Gesellschaften. „Die Lage ist ernst, aber ich hoffe nicht hoffnungslos“, sagte Mannz vor den Ratsmitgliedern.
Vermögen wächst, Schulden ebenfalls
Trotz der schwierigen Haushaltslage hat Mechernich in den vergangenen Jahren massiv investiert. Das Anlagevermögen der Stadt ist deutlich gestiegen. Zu den größeren Projekten zählen unter anderem das Rückhaltebecken Kallmuth, Straßen- und Entwässerungsmaßnahmen in mehreren Ortschaften, der Dorfplatz Kallmuth, die Zufahrt zum neuen Feuerwehrgerätehaus Kommern sowie die neue Grundschule Firmenich-Obergartzem.
Diese Investitionen erhöhen zwar den Wert des städtischen Vermögens, wurden jedoch vielfach über Kredite finanziert. Entsprechend steigen auch die Verbindlichkeiten der Stadt.

Besorgniserregend sind die Prognosen für das laufende Jahr. Nach aktuellem Stand könnte das Defizit 2026 auf rund 7,3 Millionen Euro anwachsen. Hauptursache bleibt erneut die schwache Entwicklung der Gewerbesteuer. Trotz einer Erhöhung des Hebesatzes bleiben die Einnahmen deutlich hinter den Erwartungen zurück. „Die finanzielle Situation vieler Gewerbetreibender in Mechernich hat sich offenbar weiter verschlechtert“, erklärte Mannz.
Zwar gibt es positive Signale bei Einkommensteueranteilen, Landeszuweisungen und einzelnen Ertragspositionen. Diese reichen jedoch nicht aus, um die Ausfälle zu kompensieren. Gleichzeitig steigen die Zinskosten wieder an. Auch die geopolitische Lage mit ihren Auswirkungen auf Energiepreise und Finanzmärkte wirkt sich zunehmend auf kommunale Haushalte aus. „Für große neue Sprünge ist kein finanzieller Spielraum vorhanden“, stellte der Kämmerer unmissverständlich fest.
Kommunale Selbstverwaltung erhalten
Gemeinsam mit Bürgermeister Michael Fingel, der Verwaltung und der Politik will Mannz deshalb Gespräche über ein freiwilliges Haushaltssicherungskonzept aufnehmen. Ziel sei es, die Finanzen wieder zu stabilisieren, ohne die kommunale Selbstverwaltung einzuschränken.
Vor diesem Hintergrund beteiligt sich die Stadt Mechernich am Montag, 22. Juni, am bundesweiten Aktionstag „Kommunen am Limit“. Zu dem Aktionstag haben der Deutsche Städtetag, der Deutsche Landkreistag und der Deutsche Städte- und Gemeindebund gemeinsam aufgerufen. Sie wollen auf die dramatische Finanzlage der Kommunen aufmerksam machen und Bund sowie Länder zu strukturellen Lösungen bewegen. Bundesweit verzeichneten die Kommunen zuletzt ein Rekorddefizit von mehr als 30 Milliarden Euro.
Mannz sieht die Entwicklung in Mechernich als Teil eines bundesweiten Problems: Immer mehr Aufgaben würden auf Städte und Gemeinden übertragen, ohne dass die Finanzierung dauerhaft gesichert sei. Die Folgen seien mittlerweile überall sichtbar – auch in Mechernich. Der Kämmerer brachte die Situation im Rat auf einen einfachen Nenner: „Wir haben noch Handlungsspielräume. Aber wir müssen jetzt handeln, damit das so bleibt.“
pp/Agentur ProfiPress
06/22/2026

