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Manfred Lang

09/09/2026

Morden vor ausverkauftem Haus

Krimifestival „Nordeifel Mordeifel“ mit Ralf Kramp, Peter Godazgar, Klaus Stickelbroeck und dem Landespolizeiorchester furios gestartet – Rund 200 „Tatverdächtige“ beim Auftakt in Euskirchen – Bis Sonntag wird an außergewöhnlichen Orten weiter gemeuchelt – Mechernicher Festivalabend am Freitag im QuBi mit Thomas Kiehl, Manni Lang und der „NE.W-Band KONTRASTE“

Krimifestival „Nordeifel Mordeifel“ mit Ralf Kramp, Peter Godazgar, Klaus Stickelbroeck und dem Landespolizeiorchester furios gestartet – Rund 200 „Tatverdächtige“ beim Auftakt in Euskirchen – Bis Sonntag wird an außergewöhnlichen Orten weiter gemeuchelt – Mechernicher Festivalabend am Freitag im QuBi mit Thomas Kiehl, Manni Lang und der „NE.W-Band KONTRASTE“

Euskirchen/Mechernich – Wer am Samstagabend das Forum der Sparkasse in Euskirchen betrat, geriet augenblicklich in schlechte Gesellschaft. Drei Männer auf einem Ledersofa, reichlich Mord und Totschlag, eine Polizeikapelle, die keineswegs für Ruhe und Ordnung sorgte, und rund 200 Menschen, von denen sich niemand eines wasserdichten Alibis rühmen konnte: Mit einem ausverkauften Eröffnungsabend ist das achte Krimifestival „Nordeifel Mordeifel“ am Wochenende gestartet.

Und wenn der Auftakt ein Gradmesser für die kommenden Tage sein sollte, dann steht der ansonsten eher friedfertigen Nordeifel bis kommenden Sonntag einiges bevor. Noch bis zum 13. September wird in Gewölbekellern und Werkshallen, im ehemaligen Sezierraum eines Krankenhauses, zwischen Lamas und Alpakas und sogar an einem Ort gemordet, an dem normalerweise Bildung, berufliche Förderung und Zukunft im Mittelpunkt stehen: dem QuBi.Eifel in Mechernich.

Drei Gentlemen und viele Leichen

„Die Gentlemen bitten zur Kasse“ hatten die Veranstalter den Auftakt überschrieben – und das S-Forum dafür kurzerhand in einen etwas aus der Zeit gefallenen britischen Gentlemen’s Club verwandelt. Samtvorhänge, Bilderrahmen und ein nostalgisches Ledersofa sorgten für gediegene Atmosphäre. Dass sich auf diesem Sofa ausgerechnet Ralf Kramp, Peter Godazgar und Klaus Stickelbroeck niederließen, ließ allerdings nichts Gutes erwarten.

Denn die drei Herren gehören zu jener Spezies von Zeitgenossen, bei denen ein friedlicher Ausflug, ein Umzug aufs Land oder eine harmlose Begegnung zuverlässig damit enden, dass irgendjemand nicht mehr unter den Lebenden weilt.

Fast wie im englischen Gentlemen’s Club – nur erheblich gefährlicher: Moderatorin Susanne Edl nahm beim ausverkauften Auftakt von „Nordeifel Mordeifel“ im Forum der Sparkasse in Euskirchen Autoren und Gastgeber ins Verhör. Ralf Kramp, Peter Godazgar und Klaus Stickelbroeck sorgten für literarischen Mord und Totschlag, Landrat Markus Ramers (l.) und Daniel Ruland von der Kreissparkasse ließen sich ebenfalls „kriminelle“ Geheimnisse entlocken. Foto: Nordeifel Tourismus GmbH/pp/Agentur ProfiPress
Fast wie im englischen Gentlemen’s Club – nur erheblich gefährlicher: Moderatorin Susanne Edl nahm beim ausverkauften Auftakt von „Nordeifel Mordeifel“ im Forum der Sparkasse in Euskirchen Autoren und Gastgeber ins Verhör. Ralf Kramp, Peter Godazgar und Klaus Stickelbroeck sorgten für literarischen Mord und Totschlag, Landrat Markus Ramers (l.) und Daniel Ruland von der Kreissparkasse ließen sich ebenfalls „kriminelle“ Geheimnisse entlocken. Foto: Nordeifel Tourismus GmbH/pp/Agentur ProfiPress

Kramp, seit Jahrzehnten als Meister des schwarzen Krimihumors unterwegs, ließ in „Mutter bei die Fische“ erkennen, dass bereits eine Seefahrt ein erhebliches Lebensrisiko mit sich bringen kann. „Krimi-Cop“ Klaus Stickelbroeck führte sein Publikum mit „Trulledull“ ins vermeintlich beschauliche Kronenburg, während Peter Godazgar mit „Sein großer Fan“ einmal mehr bewies, dass Verehrung durchaus tödliche Nebenwirkungen haben kann.

Für den Soundtrack zum literarischen Verbrechen sorgte ausgerechnet die Staatsmacht: Die Jazz-Rock-Pop-Band des Landespolizeiorchesters Nordrhein-Westfalen unter Leitung von Hans Steinmeier lieferte den drei Autoren die musikalische Steilvorlage. Und spätestens, als die berühmte „Tatort“-Melodie durchs Forum ging, war endgültig geklärt, welcher Geist über diesem Abend schwebte.

Radio-Euskirchen-Moderatorin Susanne Edl führte schlagfertig durch den Abend und nahm in ihrer Talkrunde nicht nur die Autoren, sondern auch Landrat Markus Ramers und Daniel Ruland, stellvertretendes Vorstandsmitglied der Sparkasse, ins Verhör.

Landrat wird zum Krimileser

Eine besondere Rolle fiel dem Landrat zu. Ramers durfte nicht nur Grußworte sprechen, sondern selbst zur kriminellen Tat schreiten – jedenfalls literarisch. Er zitierte aus Peter Godazgars neuem Kurzkrimi „Sein großer Fan“. Godazgar hatte die Geschichte eigens für den Kreis Euskirchen geschrieben – und ausgerechnet ein Landrat spielt darin eine entscheidende Rolle.

Die Geschichte ist in der frisch erschienenen Anthologie „Nordeifel Mordeifel 3“ enthalten, die Ralf Kramp und Elke Pistor zum Festival herausgegeben haben. Zahlreiche Geschichten des Sammelbandes erleben während der neun Krimitage ihre Bühnenpremiere. Bereits bei der Vorstellung des Festivals hatte Ramers die neue Anthologie als „Krönchen“ bezeichnet, das Kramp und Pistor dem Festival aufgesetzt hätten.

„Wir können stolz sein auf die Nordeifel und auf das, was sie literarisch zu bieten hat“, sagte der Landrat beim Auftakt. Und tatsächlich ist aus dem einstigen Nachhall der großen „Criminale“, die 2010 im Kreis Euskirchen gastierte, längst ein eigenes Veranstaltungsformat geworden. Zum achten Mal verwandeln Nordeifel Tourismus GmbH und Förderverein Eifelmuseum Blankenheim den Kreis gemeinsam mit Kommunen, Sponsoren und zahlreichen Helfern für neun Tage in ein gefährliches Pflaster – zumindest auf dem Papier.

Schlachthof und Gewölbekeller

Bereits am Sonntag ging das Morden im ehemaligen Euskirchener Schlachthof weiter. Der Ort war nicht zufällig gewählt: Isabella Archan, Stefan Barz und Sabine Trinkaus bildeten dort das „kriminelle Trio“. Gerade diese Verbindung von Geschichte, ungewöhnlichem Schauplatz und passender Literatur gehört zum Erfolgsrezept von „Nordeifel Mordeifel“.

Am Montag ging es im Gewölbekeller des Blankenheimer Museumscafés mit Rudi Jagusch und Andreas J. Schulte weiter. Jagusch brachte in seinem Kurzkrimi „Ausgezapft“ Gerste, Heimatgefühl und Verbrechen zusammen, während Schulte mit „Eifelschatten“ zum Laacher See führte, wo ein erschlagener Mann, ein verwüstetes Wohnmobil und die geheimnisvolle Fracht eines 1942 versunkenen britischen Bombers zusammenfanden.

Am Dienstag folgten unter anderem Veranstaltungen in Kall und Weilerswist, bevor am Mittwoch gleich wieder mehrere Tatorte bespielt werden. In Nettersheim heißt es „Vorhang auf für Jacques Berndorf“ – eine Hommage an jenen Autor, der mit seinen Siggi-Baumeister-Romanen wie kaum ein anderer dafür gesorgt hat, dass die Eifel auf der deutschen Krimilandkarte tiefschwarz eingefärbt wurde.

Ebenfalls am Mittwoch werden in Euskirchen „Dunkle Geheimnisse in der Heimat“ aufgetischt. Donnerstag steigt die Temperatur weiter: In Dahlem wartet „Mörderische Versuchung“, während im alten Sezierraum des Krankenhauses Schleiden unter dem Titel „Der letzte Schnitt“ gelesen wird. Schon die Wahl dieses Ortes dürfte dafür sorgen, dass auch hartgesottene Krimifans gelegentlich über die Schulter schauen. Der Kölner Stadt-Anzeiger bezeichnete ihn bereits bei der Festivalvorstellung als einen der wohl makabersten und ungewöhnlichsten Leseorte der diesjährigen Ausgabe.

Mechernich: Mord mit Bildungsauftrag

Für Mechernicher Krimifreunde schlägt die Stunde der erdachten Wahrheit am Freitag, 11. September, um 19.30 Uhr. Dann heißt es im QuBi.Eifel an der Friedrich-Wilhelm-Straße 3 „Bildungsauftrag: Mord – Krimis und Musik mit Herz“.

Der Titel ist wörtlich zu nehmen. Das QuBi ist normalerweise ein Ort, an dem gelernt, qualifiziert, gefördert und an beruflicher Zukunft gearbeitet wird. Am Freitag dagegen wird auf den Schienen vor der Tür ein Vorbestrafter gefunden – und das ist erst der Anfang.

Der Kölner Autor Thomas Kiehl liest seinen Kurzkrimi „Abstellgleis“ aus „Nordeifel Mordeifel 3“. Darin liegt Lars auf den Gleisen. Der nächste Zug kommt. Gut, dass der Mann rechtzeitig entdeckt wird. Weniger gut: Bald liegt dort noch jemand. Kiehl bringt außerdem einen Ausschnitt aus „Nordeifel/Mordeifel 2“ mit nach Mechernich.

Auch der Mechernicher Autor Manfred „Manni“ Lang liest einen Krimi aus der aktuellen Festivalausgabe und erstmals im Rahmen des Festivals aus seinem im September aktuell erschienenen historischen Thriller „Schattenwölfe“, der sein Publikum von St. Petersburg über dunkle Hinterlassenschaften des Nationalsozialismus und des Kalten Krieges bis tief unter den Mechernicher Bleiberg führt.

Schauplatz des Romans ist zu großen Teilen Mechernich im Jahr 1981. Eine junge Stadtbeamtin und ein Lokalreporter beginnen nach dem Fund eines Toten im stillgelegten Tagebau Virginia an der offiziellen Version eines Unglücks zu zweifeln. Alte Fotografien, verschlossene Akten und die Stollen des ehemaligen Bleibergwerks führen sie immer tiefer in eine Vergangenheit, die offensichtlich noch längst nicht vergangen ist.

Dass Lang aber nicht nur düster kann, zeigt sein heiterer Beitrag „Pocahontas und die Diamanten“, in dem ein Geierweibchen aus dem Wildfreigehege Hellenthal einen nicht unwesentlichen Teil kriminalistischer Ermittlungsarbeit übernimmt.

KONTRASTE liefert den Soundtrack

Damit es im QuBi nicht beim gesprochenen Mord bleibt, greift die NE.W-Band KONTRASTE zu den Instrumenten. Die Formation aus dem Umfeld der Nordeifel-Werkstätten ist die hauseigene Band des QuBi und sorgt zwischen den literarischen Tatbeständen für Musik. Gerade diese Mischung macht den Mechernicher Abend zu einer der vielseitigeren Veranstaltungen des Festivals: zwei Autoren, Thriller und schwarzhumoriger Kurzkrimi, Musik und dazu die Gelegenheit, bei einer optionalen Kurzführung hinter die Kulissen des QuBi zu schauen.

Beginn ist um 19.30 Uhr, Einlass ab 19 Uhr. Der Vorverkaufspreis beträgt zwölf Euro; Softgetränke und Fingerfood werden auf Spendenbasis angeboten. Doch auch danach ist noch lange nicht Schluss. Am Samstag, 12. September, wird unter anderem in Zülpich kriminell weitergemacht. Und am Sonntag, 13. September, fährt das Festival noch einmal groß auf.

In der alten Scheune auf dem Witscheiderhof bei Bad Münstereifel treffen Isabella Archan, Judith Merchant und Jutta Wilbertz zu „Mörderischen Saiten auf der Scheunenbühne“ aufeinander. Merchant gibt dort unter anderem Einblicke in ihren neuen Thriller „Aprikosenkind“.

Das familienfreundliche Gegenstück und zugleich ein Schlusspunkt des Festivals wartet im Lampakaland in Schmidtheim. Bestsellerautorin Judith Merchant geht dort mit jungen Zuhörern auf „Magische Spurensuche“. Dass Lamas und Alpakas dabei eine deutlich höhere Überlebenschance haben als die durchschnittliche Figur eines Eifelkrimis, darf immerhin angenommen werden. Schon bei der Vorstellung des Programms hatte ausgerechnet ein Lama mit Ralf Kramp für den wohl friedlichsten „Überfall“ der Krimitage gesorgt – es stibitzte dem Autor eine zwischen die Zähne geklemmte Möhre.

Fast alles ausverkauft

Die Resonanz dürfte den Organisatoren des Festivals recht geben. Für die insgesamt 15 Veranstaltungen werden mehr als 1000 Besucher erwartet, und schon zum Festivalauftakt waren nach Angaben der Nordeifel Tourismus GmbH bis auf wenige Restkarten fast sämtliche Veranstaltungen ausverkauft.

Veranstaltet wird „Nordeifel Mordeifel“ von der Nordeifel Tourismus GmbH (NeT) und dem Förderverein Eifelmuseum Blankenheim mit zahlreichen örtlichen Partnern. Hauptsponsoren sind die Kultur- und Sportstiftung der Sparkasse und e-regio; Unterstützung kommt außerdem von der Kreisverwaltung Euskirchen, vom Autorenverband „Das Syndikat“, der Regionalverkehr Köln GmbH (RVK) und Dzubiel-IT.

Landrat Markus Ramers brachte beim Auftakt auf den Punkt, was die kommenden Tage versprechen: gemeinsam jene Spannung zu genießen, die das Genre so einzigartig macht.

pp/Agentur ProfiPress