Burgfeyer Stollen: Land NRW investiert 30 Millionen Euro in größte Schwermetallreinigungsanlage Deutschlands – Michael Fingel stellte Wirtschaftsministerin Mona Neubauer und Umweltminister Oliver Krischer den künftigen Standort am Klärwerk Mechernich vor
Mechernich-Burgfey – Hoher Besuch für Michael Fingel: Auf der winterlich weißen Wiese neben der Kläranlage begrüßte Mechernichs Bürgermeister jetzt NRW-Umweltminister Oliver Krischer, sowie die die nordrhein-westfälische Ministerin für Wirtschaft und Klimaschutz, Mona Neubauer.

Grund für das Treffen mit den Düsseldorfern ist ein uraltes Umweltproblem mit Wurzeln im historischen Erzbergbau Mechernichs: Aus dem Burgfeyer Stollen strömt bis heute stark schwermetallbelastetes Wasser in Veybach, Erft und Rhein. Historische Altlasten, für die die Bürgerinnen und Bürger vom Bleiberg nichts können und mit deren Behebung die Kommune überfordert wäre. Dank finanzieller Unterstützung des Landes NRW soll damit nun Schluss sein.
Am Klärwerk Mechernich besichtigten Minister Oliver Krischer und Ministerin Mona Neubaur gemeinsam mit Bürgermeister, Vertretern von Erftverband sowie Landrat Markus Ramers und Ex-Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick den vorgesehenen Standort der geplanten Schwermetallreinigungsanlage in Burgfey.

Mit dem Projekt entsteht in Mechernich die größte und modernste Anlage dieser Art in Deutschland. Rund 30 Millionen Euro investiert das Land Nordrhein-Westfalen in Planung, Bau und Betrieb der Anlage. Finanziert wird das Vorhaben vollständig aus Mitteln des Umweltministeriums sowie des Wirtschafts- und Klimaschutzministeriums.
„Beseitigung einer historischen Umweltbelastung“
„Mit der neuen Anlage beseitigen wir eine historische Umweltbelastung“, betonte Umweltminister Oliver Krischer beim Ortstermin. „Das Stollenwasser wird künftig gereinigt, bevor es in unsere Bäche und Flüsse gelangt. Das ist gut für die Umwelt, die Gesundheit der Menschen und für den Gewässerschutz bis hin zur Nordsee.“

Über den rund 7,5 Kilometer langen Burgfeyer Stollen fließen jährlich etwa zehn Millionen Kubikmeter Wasser aus dem ehemaligen Bergbaugebiet bei Mechernich über den Veybach in die Erft und weiter in den Rhein. Das Wasser ist durch den geologischen Untergrund und den jahrhundertelangen Bleierzabbau stark mit Schwermetallen belastet. Zu den nachgewiesenen Stoffen zählen unter anderem Zink, Kupfer, Nickel, Blei, Cadmium, Kobalt und Arsen. Für einzelne Stoffe, insbesondere Nickel und Cadmium, werden die gesetzlichen Umweltqualitätsnormen deutlich überschritten.
Auch Wirtschafts- und Klimaschutzministerin Mona Neubaur unterstrich die Bedeutung des Projekts: „Die innovative Wasseraufbereitung ist ein echter Fortschritt für den Umweltschutz und die Lebensqualität der Menschen vor Ort. Der Bergbau hat über Jahrhunderte Wohlstand gebracht – die ökologischen Folgekosten tragen wir bis heute. Jetzt übernehmen wir Verantwortung und schaffen eine zukunftsfähige Lösung mit Wirkung weit über die Region hinaus.“

Michael Fingel ist dankbar, dass das Problem vor seiner Haustür nun mithilfe modernster Technik angepackt wird: „Ich bin froh, dass es Entwicklung und Technik gibt, mit der wir den Schäden aus der Vergangenheit aktiv entgegenwirken können“, betonte Mechernichs Bürgermeister. Das bundesweit einzigartige Projekt zeige, wie Bund, Land, Kreis und Kommune erfolgreich zusammenarbeiteten, um Mensch und Umwelt mit innovativer Technik zu schützen.
Technisch anspruchsvolle Reinigung
Künftig sollen die Schwermetalle direkt vor Ort aus dem Stollenwasser entfernt werden. Geplant ist ein mehrstufiges Reinigungsverfahren, bei dem zunächst Eisen und Mangan herausgefiltert werden, bevor in einem weiteren Schritt spezielle Ionenaustauscherharze gezielt die Schwermetalle binden. Die Anlage wird stündlich bis zu 1.100 Kubikmeter Wasser behandeln können.

„Die Schwermetallbelastung des Stollenwassers ist eine der letzten großen ungelösten Altlasten des historischen Bleibergbaus in Mechernich“, erklärte Professor Heinrich Schäfer, Vorstand des Erftverbandes. „Wir freuen uns, dieses Jahrhundertprojekt aktiv mitzugestalten und mit dieser Anlage die Gewässer nachhaltig zu verbessern.“ Dass das Land die vollständige Finanzierung übernimmt, sei ein starkes Signal.
Zusätzliche Dringlichkeit erhält das Projekt durch den Braunkohleausstieg: Mit dem Wegfall der bisherigen Kühlwassereinleitungen wird der Durchfluss der Erft künftig deutlich sinken, wodurch sich Schadstoffkonzentrationen ohne Gegenmaßnahmen weiter erhöhen würden.

Inbetriebnahme ab 2031 geplant
Der Standort auf dem Gelände der Kläranlage Mechernich gilt als ideal, da hier Wasserzuführung, Behandlung und Wiedereinleitung gebündelt erfolgen können. Derzeit laufen Artenschutz-, Boden- und Vermessungsgutachten sowie vorbereitende Planungen. Nach Abschluss der Genehmigungsverfahren soll der Bau beginnen, die Inbetriebnahme der Anlage ist derzeit für das Jahr 2031 vorgesehen.
Mit der geplanten Behandlungsanlage wird eine Umweltlast angegangen, deren Ursprung bis in die Römerzeit zurückreicht. Für Mechernich und die gesamte Region bedeutet das Projekt einen entscheidenden Schritt hin zu saubereren Gewässern und nachhaltigem Umweltschutz.
pp/Agentur ProfiPress
01/09/2026

