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Kerstin Rottland

08/12/2026

Hochspannung im Trafohäuschen

Kreative Satzveyerinnen gründeten mit Secondhand-Büchern und geschenkten Möbeln die „Erste Satzveyer Bücherstube“ – Schmökern mit Charme: Das ehemalige Stromhäuschen steckt voller Geschichten – Kindereis und Getränke statt strenger Rückgabefristen

Kreative Satzveyerinnen gründeten mit Secondhand-Büchern und geschenkten Möbeln die „Erste Satzveyer Bücherstube“ – Schmökern mit Charme: Das ehemalige Stromhäuschen steckt voller Geschichten – Kindereis und Getränke statt strenger Rückgabefristen

Mechernich-Satzvey – In Satzvey gab es keine Bücherei, dafür ein leerstehendes Trafohäuschen. Diese Kombination reichte zwei cleveren Satzveyerinnen aus, um auf eine kreative Idee zu kommen: Warum nicht das ungenutzte Backsteingebäude zur Bücherstube umfunktionieren? – Jetzt hat der Ort nicht nur eine ziemlich ungewöhnliche Bibliothek, sondern auch ein neues kulturelles Highlight.

Petra Chelmowski (rechts) und Monika Härle-Dreijer und ein Team aus engagierten Satzveyerinnen und Satzveyern verwandelten das verlassene Trafohäuschen in eine Bibliothek. Foto: Kerstin Rottland/pp/Agentur ProfiPress
Petra Chelmowski (rechts) und Monika Härle-Dreijer und ein Team aus engagierten Satzveyerinnen und Satzveyern verwandelten das verlassene Trafohäuschen in eine Bibliothek. Foto: Kerstin Rottland/pp/Agentur ProfiPress
Keine Strafgebühren: „Wir schreiben zwar auf, was ausgeliehen wurde, aber wenn es mit der Rückgabe mal länger dauert, dann ist das halt so“, sagt Monika Härle-Dreijer. Foto: Kerstin Rottland/pp/Agentur ProfiPress
Keine Strafgebühren: „Wir schreiben zwar auf, was ausgeliehen wurde, aber wenn es mit der Rückgabe mal länger dauert, dann ist das halt so“, sagt Monika Härle-Dreijer. Foto: Kerstin Rottland/pp/Agentur ProfiPress

Kultur, Charme und Historie, das kennt man in Satzvey eher vom anderen Ortsende: Die Wasserburg der Gräflichen Familie Beissel zu Gymnich ist ob ihrer Schönheit – und natürlich auch durch die mehrmals jährlich stattfindenden Ritterspiele – weltweit bekannt. Den ortsansässigen Adeligen gehört aber auch (und das wissen vermutlich die Wenigsten) noch ein anderes Kleinod: Nämlich das ausgediente Trafohäuschen an der Gartzemer Straße 1a. Wo über viele Jahrzehnte hinweg Strom für die Arbeiten in der mittlerweile geschlossenen Tongrube umgewandelt wurde, fanden zwar hin und wieder noch einzelne Kunstausstellungen statt, doch seit geraumer Zeit stand das schnuckelige Häuschen leer.

Außen Werbefläche, innen Leere

Besser gesagt, es stand leer. Seit Neuestem geben sich dort zweimal wöchentlich kleine und große Leseratten die Klinke in die Hand. Lesestoff zum Nulltarif – das lockt. Die vergleichsweise lockeren Regeln tun ihr Übriges, Strafgebühren gibt es nicht. „Wir schreiben zwar auf, was ausgeliehen wurde, aber wenn es mit der Rückgabe mal länger dauert, dann ist das halt so.“ Hinzu kommt der Umweltaspekt: nachhaltiger als hier geht es kaum. Drinnen stehen gespendete Bücherregale, geschmückt mit gespendeten Girlanden und gespendeten Gardinen. Draußen sitzt man auf ausrangierten Stühlen unter geschenkten Sonnenschirmen. Sogar einen geliehenen Kühlschrank voll mit Getränken und Kindereis gibt es. – Zum Selbstkostenpreis, klar.

Hier ist Spannung drin: Schon nach dem ersten Aufruf auf Facebook wurde jede Menge gut erhaltenen Lesestoff für die „Erste Satzveyer Bücherstube“ abgegeben. Foto: Kerstin Rottland/pp/Agentur ProfiPress
Hier ist Spannung drin: Schon nach dem ersten Aufruf auf Facebook wurde jede Menge gut erhaltenen Lesestoff für die „Erste Satzveyer Bücherstube“ abgegeben. Foto: Kerstin Rottland/pp/Agentur ProfiPress
Seit Neuestem geben sich hier zweimal wöchentlich kleine und große Leseratten die Klinke in die Hand. Lesestoff zum Nulltarif – das lockt. Foto: Kerstin Rottland/pp/Agentur ProfiPress
Seit Neuestem geben sich hier zweimal wöchentlich kleine und große Leseratten die Klinke in die Hand. Lesestoff zum Nulltarif – das lockt. Foto: Kerstin Rottland/pp/Agentur ProfiPress

Zu verdanken ist das pfiffige Kultur-Projekt Petra Chelmowski und Monika Härle-Dreijer und einigen fleißigen Mitstreiterinnen und Mitstreitern aus dem Ort. Chelmowskis Gutachter-Firma hatte das Trafohäuschen seit Längerem als Werbefläche gemietet, inklusive Innenraum. „Obwohl der von uns gar nicht benötigt wurde. So kamen wir auf die Idee, den leeren Raum zu nutzen. Familie Beissel zu Gymnich hatte zum Glück nichts gegen die Umwandlung zur Bücherstube.“ Und das Dorf spielte auch mit.

Außen Werbung, innen Leerstand: Über viele Jahrzehnte hinweg wurde hier der Strom für die Arbeiten in der mittlerweile geschlossenen Tongrube umgewandelt. Foto: Kerstin Rottland/pp/Agentur ProfiPress
Außen Werbung, innen Leerstand: Über viele Jahrzehnte hinweg wurde hier der Strom für die Arbeiten in der mittlerweile geschlossenen Tongrube umgewandelt. Foto: Kerstin Rottland/pp/Agentur ProfiPress
Beliebter Treffpunkt: Ein paar Ausrüstungsgegenstände für den Außenbereich werden derzeit noch gesucht, wie Klappstühle und ein Sonnensegel. Foto: Kerstin Rottland/pp/Agentur ProfiPress
Beliebter Treffpunkt: Ein paar Ausrüstungsgegenstände für den Außenbereich werden derzeit noch gesucht, wie Klappstühle und ein Sonnensegel. Foto: Kerstin Rottland/pp/Agentur ProfiPress

Schon nach dem ersten Aufruf auf Facebook wurde jede Menge gut erhaltenen Lesestoff für die „Erste Satzveyer Bücherstube“ abgegeben. Zuvor hieß es aber noch: „Spinnweben weg und Pinsel raus!“ Die Renovierung in Eigenregie habe nur wenige Wochen gedauert, erzählen die Gründerinnen. Mit einigen Spritzern Sekt wurde das Häuschen Ende Mai eingeweiht, und zur großen Freude des gesamten Teams von Klein und Groß sofort prima angenommen.

Krimis, Koch- und Kinderbücher

Das literarische Spektrum hinter den roten Backsteinmauern entpuppt sich als überraschend breit: Neben den „Großen Drei“ (Kochbücher, Krimis, Kinderbücher) gibt es auch allerlei Interessantes zu Themen wie Gesundheit, Garten, Reisen und Geschichte zu entdecken. „Als ehemalige Medizinjournalistin hatte ich natürlich ein paar tolle Fachbücher beizusteuern“, lacht Monika Härle-Dreijer. Englischsprachige Literatur ist in den gespendeten Holzregalen ebenso vertreten, wie Märchen und Fantasy-Romane. Nur eine Kategorie wurde, versteckt vor Kinderaugen, auf ein einsames Regalbrett in luftiger Höhe verbannt. (Stichwort: „Fifty Shades of Grey“.)

Monika Härle-Dreijer präsentiert den geliehenen Kühlschrank voll mit Getränken und Kinder-Eis. Der Inhalt ist zum Selbstkostenpreis erhältlich. Foto: Kerstin Rottland/pp/Agentur ProfiPress
Monika Härle-Dreijer präsentiert den geliehenen Kühlschrank voll mit Getränken und Kinder-Eis. Der Inhalt ist zum Selbstkostenpreis erhältlich. Foto: Kerstin Rottland/pp/Agentur ProfiPress
Wer Lust hat, der Satzveyer Bücherstube einen Besuch abzustatten: Dienstags und donnerstags ist die Tür des Trafohäuschens zwischen 16 und 18 Uhr geöffnet. Foto: Kerstin Rottland/pp/Agentur ProfiPress
Wer Lust hat, der Satzveyer Bücherstube einen Besuch abzustatten: Dienstags und donnerstags ist die Tür des Trafohäuschens zwischen 16 und 18 Uhr geöffnet. Foto: Kerstin Rottland/pp/Agentur ProfiPress

Und damit ist die Kreativität der Satzveyerinnen noch lange nicht erschöpft. Mit einem geschenkten Beamer und DVDs aus der Verleih-Schublade planen sie schon bald den ersten Open-Air-Kinoabend am Trafohäuschen. „Der Termin wird noch bekannt gegeben.“ Auch zwei Vorlesenachmittage sind geplant, nämlich am Dienstag, 15., und Donnerstag, 17. September jeweils ab 16 Uhr. Ein paar Ausrüstungsgegenstände würden dafür noch gesucht, so die Organisatorinnen: „Klappstühle wären super! Und ein Sonnensegel ...“

Wer Lust hat, der Satzveyer Bücherstube einen Besuch abzustatten:  Dienstags und donnerstags ist die Tür des Trafohäuschens zwischen 16 und 18 Uhr geöffnet.

pp/Agentur ProfiPress