Wonach suchen Sie

Ronald Larmann

01/28/2026

Etat als Einladung zum Dialog

Keine leichte Aufgabe für die Premiere: Stefan Mannz hat seinen ersten Haushalt als Kämmerer der Stadt Mechernich eingebracht

7 min read

Keine leichte Aufgabe für die Premiere: Stefan Mannz hat seinen ersten Haushalt als Kämmerer der Stadt Mechernich eingebracht – Erstmals seit zehn Jahren müssen die Steuern erhöht werden und doch bleibt unter dem Strich ein Defizit

Mechernich Nervös? Stefan Mannz lächelt kurz. Viel Anlass zur Aufregung sieht der neue Kämmerer der Stadt Mechernich nicht. Zwar bringt er den Haushalt erstmals offiziell unter seiner Führung ein, ganz neu ist das Geschäft für ihn allerdings nicht. Denn in den vergangenen 25 Jahren hat er den Etat bereits gemeinsam mit Kämmerer Ralf Claßen verantwortet. „Von daher ist das für mich kein Sprung ins kalte Wasser“, sagt Mannz.

Dennoch markiert der Haushaltsentwurf für 2026 einen Einschnitt. Nicht nur, weil nun sein Name – gemeinsam mit dem des neuen Bürgermeisters Michael Fingel – unter dem Papier steht. Sondern auch, weil Mannz bei der Haushaltseinbringung bewusst neue Akzente setzen will.

Bereits lange Teil der Kämmerei, aber dieses Mal ist es für Stefan Mannz eine Premiere: Zum ersten Mal hat er einen Haushaltsentwurf als Kämmerer in den Rat eingebracht. Foto: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress
Bereits lange Teil der Kämmerei, aber dieses Mal ist es für Stefan Mannz eine Premiere: Zum ersten Mal hat er einen Haushaltsentwurf als Kämmerer in den Rat eingebracht. Foto: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress

Die Einbringung, die jetzt im Rat erfolgt ist, versteht der Kämmerer als Auftakt für Austausch und Diskussion. Vorgestellt werden die zentralen Eckpunkte: die finanzielle Lage sowie die anstehenden Herausforderungen.

„Wir bringen den Haushalt ein und laden anschließend dazu ein, sich damit auseinanderzusetzen“, erläutert Mannz. Dieses Angebot richtet sich nicht nur an die Politik, sondern ausdrücklich auch an die Bürgerinnen und Bürger. Der Haushalt soll verständlich sein und zur Beteiligung einladen. Dazu passt, dass das Zahlenwerk auch als interaktive Version auf der Internetseite der Stadt Mechernich zur Verfügung gestellt wird.

Auch schwierige Wahrheiten klar benennen

Mannz möchte dabei auch schwierige Wahrheiten klar benennen. Nach rund zehn Jahren ohne Steuererhöhungen wird die Stadt diesen Weg 2026 verlassen müssen. „Die finanzielle Ausgangslage hat sich in den vergangenen Jahren spürbar verschlechtert“, sagt der Kämmerer.

Zwar habe das Jahr 2024 formal noch mit einem geringen Minus abgeschlossen, dieses sei jedoch ausschließlich auf einen Sondereffekt zurückzuführen, die Auflösung einer nicht mehr benötigten Rückstellung. „Strukturell sind wir schon seit einiger Zeit nicht mehr ausgeglichen“, so Mannz.

Das drückt sich für 2026 in Zahlen aus. Den Erträgen von 75 Millionen Euro stehen Ausgaben in Höhe von rund 82 Millionen Euro entgegen. Durch die Nutzung der Ausgleichsrücklage und durch die Anwendung eines globalen Minderaufwands kann das Defizit zwar auf rund fünf Millionen Euro gesenkt werden, der Blick in die Zukunft, mach aber deutlich, ohne Steuererhöhungen wird es nicht mehr gehen. 

Ziehen an einem Strang: Bürgermeister Michael Fingel (l.) und Kämmerer Stefan Mannz müssen in diesen finanziell angespannten Zeiten einige Herausforderungen meistern. Foto: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress
Ziehen an einem Strang: Bürgermeister Michael Fingel (l.) und Kämmerer Stefan Mannz müssen in diesen finanziell angespannten Zeiten einige Herausforderungen meistern. Foto: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress

Bereits in der mittelfristigen Finanzplanung des Haushalts 2025 waren die Anpassungen angekündigt. Nun schlägt die Verwaltung eine Erhöhung der Grundsteuer B auf 800 Prozent vor. Das sind 15 Prozentpunkte weniger als ursprünglich vorgesehen, aber notwendig, um die Handlungsfähigkeit der Stadt zu sichern. Dazu tragen auch die Erhöhungen der Grundsteuer A für land- und forstwirtschaftliche Betriebe auf 575 Prozent und der Gewerbesteuer auf 530 Prozent bei.

Die Stadt selbst wird auch nicht untätig bleiben, sondern versuchen, strukturelle Veränderungen anzustoßen, Standards zu überprüfen und neue Wege zu gehen. „Uns geht es darum, den finanziellen Spielraum so lange wie möglich zu erhalten“, betont Mannz. Ohne Gegenmaßnahmen würde die Ausgleichsrücklage in den kommenden Jahren deutlich schneller aufgezehrt. Mit der jetzigen Planung bleibe der Stadt zumindest bis 2029 ausreichend Luft, um aktiv zu gestalten statt nur zu reagieren.

Viele Ausgaben sind Pflichtausgaben

Gleichzeitig macht der Kämmerer deutlich, dass Einsparungen allein das Problem nicht lösen können. „Natürlich prüfen wir unsere Aufwendungen“, sagt Mannz. Doch freiwillige Leistungen oder kleinere Gebührenanpassungen könnten keinen Millionenbetrag ausgleichen.

Viele Ausgaben seien Pflichtaufgaben – etwa in den Bereichen Schule, Betreuung, Infrastruktur oder Verwaltung. „Eine Kommune kann sich nicht aussuchen, welche Aufgaben sie erfüllt“, so Mannz. Gerade darin liege aber auch die besondere Verantwortung der kommunalen Ebene.

Ein Haushaltsentwurf ist Teamarbeit: Alle Fachbereiche haben daran mitgewirkt und insbesondere seine Kolleginnen Stephanie Wefers (l.) und Nadine Schmitz hatten maßgeblich Anteil an dem Zählwerk. Foto: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress
Ein Haushaltsentwurf ist Teamarbeit: Alle Fachbereiche haben daran mitgewirkt und insbesondere seine Kolleginnen Stephanie Wefers (l.) und Nadine Schmitz hatten maßgeblich Anteil an dem Zählwerk. Foto: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress

Trotz der angespannten Lage plant die Stadt weiterhin Investitionen. Dazu zählen unter anderem Maßnahmen in Schulen, der Ausbau der Ganztagsbetreuung, Kitas, energetische Sanierungen sowie größere Infrastrukturprojekte wie der Ausbau der Feytalstraße.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Akquise von Fördermitteln, etwa aus dem Rheinischen Revier. Um diese Potenziale besser zu nutzen, soll eine neue Stelle im Fördermittelmanagement geschaffen werden. Die Erwartung: Zusätzliche Investitionen ermöglichen, ohne den Haushalt dauerhaft zu belasten.

Zahlenwerk ist Teamwork

Zum Abschluss betont Mannz, dass der Haushalt kein Einzelwerk ist. „Das ist das Ergebnis der Arbeit vieler“, sagt er. Alle Fachbereiche hätten ihre Bedarfe eingebracht, besonders sein Team in der Kämmerei mit Stephanie Wefers  und Nadine Schmitz habe maßgeblich an der Aufstellung mitgewirkt.

Für den Kämmerer ist der Haushalt 2026 damit mehr als ein reines Zahlenwerk. Er versteht ihn als Einladung zur Diskussion und dafür, gemeinsam Verantwortung für die finanzielle Zukunft der Stadt Mechernich zu übernehmen. Auch das macht ihn nicht nervös. Denn er weiß, wenn viele gemeinsam an einem Strang ziehen, dann lassen sich auch schwierige Aufgaben bewältigen.

Nach der jetzt erfolgten Einbringung haben die Fraktionen Zeit, das Zahlenwerk zu analysieren und zu besprechen. Folgende Termine sind geplant: Haushaltsberatung im Ausschuss am 24. Februar, Beschluss des Haushalts in der Ratssitzung am 24. März. Zum virtuellen Haushaltsentwurf gelangen Interessierte über den folgenden Link: www.mechernich.de/rathaus-und-politik/dienstleistungen-der-verwaltung/finanzen

pp/Agentur ProfiPress

Name Goes Here

Name Goes Here

Position

Your content goes here. Edit or remove this text inline or in the module Content settings. You can also style every aspect of this content in the module Design settings and even apply custom CSS to this text in the module Advanced settings.