Dr. Jürgen Wegner erhielt im LVR-Freilichtmuseum Kommern den „Rheinlandtaler“ – Hohe Auszeichnung für jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement im Förderverein und für kulturelle Entwicklung
Mechernich-Kommern – Im „Handwerkerhaus Henkel“ des LVR-Freilichtmuseums Kommern, dessen Entstehung eng mit seinem Namen verbunden ist, wurde Dr. Jürgen Wegner mit dem Rheinlandtaler in der Kategorie Kultur ausgezeichnet. Die Vorsitzende der Landschaftsversammlung Rheinland, Anne Henk-Hollstein, überreichte die hohe Auszeichnung im Beisein zahlreicher Gäste, Vertreterinnen und Vertreter des LVR, des Kreises, der Stadt, des Museums und des Fördervereins. Darunter war auch Johannes Ley, der den ersten „Taler“ für seinen Einsatz rund um die Dauerausstellung „Wir Rheinländer“ in Kommern erhalten hatte.

Schon zur Begrüßung machte Museumsdirektor Dr. Carsten Vorwig deutlich: Dr. Wegner stehe „aus gutem Grund“ im Mittelpunkt. Mit Einsatz, Ausdauer und einem unermüdlichen Bestreben habe er dafür gesorgt, dass das Museum heute dort stehe, „wo wir stehen – beziehungsweise sitzen“. Deshalb habe man auch nicht lange überlegen müssen, als die Idee aufkam, ihn für den Rheinlandtaler vorzuschlagen. Im Namen des gesamten Museumsteams dankte er ihm „für die vielfältige Unterstützung, für Ihre Verlässlichkeit und Ihr Engagement“.
Fleißig wie die Heinzelmännchen
Anne Henk-Hollstein schlug in ihrer Laudatio einen humorvollen Bogen zu den Kölner Heinzelmännchen. Wenn man in der Domstadt von heimlichen Helfern spreche, dauere es bekanntlich nicht lange, bis diese kleinen fleißigen Wesen ins Gespräch kämen. Schaue man auf die Arbeit eines Fördervereins, könne man fast den Verdacht bekommen, sagte sie augenzwinkernd: „Die Heinzelmännchen sind nie wirklich verschwunden. Heute tragen sie Mitgliedsausweise, verbringen ihre Freizeit in Vorstandssitzungen und trinken bei Ausstellungseröffnungen gerne mal ein Glas Riesling.“

Eine solche moderne Variante der Heinzelmännchen habe einen Namen: Dr. Jürgen Wegner. Sein Engagement für das LVR-Freilichtmuseum Kommern und den Förderverein sei seit vielen Jahrzehnten von unschätzbarem Wert. Die Laudatorin nannte zahlreiche Beispiele: den Tante-Emma-Laden in der Baugruppe Westerwald, die Unterstützung bei Projekten, Ausstellungen und Veranstaltungen, Kurse zu alten Wirtschaftstechniken wie Stuhlflechten, Sensen oder Obstbaumschnitt sowie Hilfen für mehr Inklusion.

Auch das Projekt „Wilde Vielfalt im Museum“ würdigte Henk-Hollstein. Dr. Wegner habe großen Wert auf ehrenamtliche Unterstützung gelegt, Gartenpatenschaften intensiviert und Tierpatenschaften zum Erhalt aussterbender Haustierrassen ausgebaut. Zudem sei der Förderverein bei Großveranstaltungen wie der „Jahrmarkt anno dazumal“ oder dem „Advent im Museum“ eine wesentliche Säule. Die Auszeichnung würdige deshalb nicht nur einzelne Projekte, sondern ein Lebenswerk, so Henk-Hollstein. Zum Schluss griff sie ihr Bild von den Heinzelmännchen noch einmal auf: Anders als diese verschwinde Dr. Wegner nicht, sobald man ihn anschaue. „Ein Glück für das Rheinland und ein Glück für dieses Museum.“

Für die Stadt Mechernich sprach Bürgermeister Michael Fingel dem Geehrten die Glückwünsche aus. Nach der Laudatio und der feierlichen Übergabe des Rheinlandtalers sei eindrucksvoll deutlich geworden, „wie viel Sie für das LVR-Freilichtmuseum Kommern, für seinen Förderverein und damit auch für die kulturelle Landschaft im Rheinland geleistet haben“. Für Mechernich sei das LVR-Freilichtmuseum Kommern ein bedeutender kultureller Ankerpunkt, so Fingel.

Auch der stellvertretende Euskirchener Landrat Ralf Claßen gratulierte dem Geehrten. Er freue sich, dass ein Mensch ausgezeichnet werde, der sich über viele Jahre mit großem persönlichen Einsatz für etwas stark gemacht habe, „das für unsere Region von besonderem Wert ist: den Erhalt unserer Geschichte, unserer Kultur und unserer Heimat“. Wenn man über das Freilichtmuseum Kommern spreche, so Claßen, spreche man nicht einfach über ein Museum. Man spreche über einen Ort, an dem Geschichte lebendig werde: in Häusern, auf Wegen, in Werkstätten, Gärten und Feldern.
„Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft“
Dr. Jürgen Wegner blickte in seiner Danksagung zunächst auf die Anfänge seiner Verbindung zum Freilichtmuseum zurück – und damit zugleich auf die Geschichte des Handwerkerhauses. Er habe bei Henkel in Düsseldorf unter anderem im Bereich Kleb- und Dichtstoffe für das Handwerk gearbeitet. Ausgangspunkt sei Anfang der 1990er Jahre die Auseinandersetzung mit dem Handwerkermarkt in den USA und Kanada gewesen. Dort sei man vielfach der Auffassung begegnet, dass Handwerker in Deutschland und anderen deutschsprachigen Ländern „viel zu intensiv ausgebildet“ würden. Für Wegner und seine Kollegen war das Gegenteil richtig: Gerade Ausbildung, Erfahrung und Können machten das Handwerk stark.

So sei die Idee entstanden, einen Ort zu schaffen, an dem „Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Handwerks unter einem Dach“ sichtbar werden. In Gesprächen mit dem damaligen Museumsleiter Dr. Dieter Pesch habe sich schnell gezeigt, dass das Freilichtmuseum Kommern dafür der richtige Standort sei. Mit Unterstützung der Firma Henkel und des Fördervereins sei das Projekt schließlich Wirklichkeit geworden.

Wegner betonte, dass das Handwerkerhaus bis heute nicht nur zurückblicke, sondern auch nach vorne. Das Handwerk befinde sich im Wandel – durch Umweltschutz, Arbeitsschutz, Ressourcenfragen, Kosten und Kreislaufwirtschaft. Besonders würdigte Dr. Wegner die enge Verbindung zwischen Museum, Förderverein, Ehrenamt und Region. Das habe ihm ermöglicht, sich einzubringen, und diverse Projekte mitzugestalten. Im Anschluss an den Festakt klang der besondere Nachmittag bei einem Glas Sekt und vielen persönlichen Gesprächen aus – ganz im Sinne eines Mannes, der über Jahrzehnte nicht nur Strukturen gefördert, Projekte ermöglicht und Geldmittel erschlossen hat, sondern vor allem Menschen zusammengebracht hat.
Der Förderverein des Rheinischen Freilichtmuseums Kommern unterstützt das Museum seit 1983. Was einst mit neun engagierten Menschen begann, ist heute eine Gemeinschaft mit rund 4.000 Mitgliedern bundesweit. Museum und Förderverein seien stets eng und freundschaftlich miteinander verbunden gewesen – nicht zuletzt durch den persönlichen Einsatz Dr. Wegners.
pp/Agentur ProfiPress
06/11/2026
