Die schwersten Jahre des Bleibuirer Dorfgemeinschaftszentrums schienen überwunden, jetzt tritt der langjährige Vorsitzende Klaus-Peter Hoss wegen „unüberbrückbarer Differenzen“ im Vorstand zurück
Mechernich-Bleibuir – Corona lag hinter dem Dorf, ebenso die verheerenden Folgen der Flutkatastrophe vom 17. Juli 2021, die auch die Alte Schule in Bleibuir schwer getroffen hatte. Jahrelange Sanierungsarbeiten folgten, ein nahezu vollständiger Neuaufbau des Interieurs im historischen Schulgebäude, ergänzt um einen modernen Anbau mit zeitgemäßer Sanitäranlage. Mehrere hunderttausend Euro investierte die Stadt Mechernich in eine schmucke, technisch aufgewertete Dorfgemeinschaftsanlage.

Im Juli 2024 wurde das Ensemble von Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick und Diakon Manni Lang feierlich eingeweiht. Und langsam, vielversprechend, kehrte auch das Leben ins alte Gemäuer zurück: Der Kulturbetrieb nahm wieder Fahrt auf, der Frauentreff wurde neu belebt, die Alte Schule erfüllte erneut jene Rolle, die sie über Jahrzehnte erlangt hatte – als Herz des Dorfes.
Umso überraschender traf Bleibuir zum Jahresende 2025 eine Nachricht, die vielen wie ein Bruch erschien: Klaus-Peter Hoss, seit 26 Jahren Vorsitzender des Fördervereins Alte Schule Bleibuir e.V., trat von seinem Amt zurück.

Dabei hatte nichts auf einen Abschied hingedeutet. Noch im November war Hoss von der Mitgliederversammlung für weitere zwei Jahre im Amt bestätigt worden. Zwei Wochen später erklärte er nach einer Vorstandssitzung seinen Rücktritt – für Außenstehende unerwartet und abrupt. Im Gespräch mit dem „Mechernicher Bürgerbrief“ nannte der bald 75-Jährige als Grund „unüberbrückbare Differenzen“ innerhalb der Vereinsspitze.
Die Vereinsarbeit geht weiter. Der bisherige Stellvertreter Maximilian Münster hat inzwischen den Vorsitz übernommen, Claudia Schlüter fungiert als Schriftführerin. Monika Dardenne blieb als Kassiererin im geschäftsführenden Vorstand, ihr Stellvertreter ist Uli Vossel. Als Beisitzer wirken Manfred Pütz, Kevin Seeliger, Rebecca Seliger und Gabi Kriesch mit.

Doch mit dem Rücktritt von Klaus-Peter Hoss endet eine Ära. Der Förderverein Alte Schule Bleibuir e.V. ist älter als viele vermuten. Seine Wurzeln reichen zurück ins Jahr 1985. Nach der Kirmes entstand damals die Idee, für das Kirchdorf Bleibuir und die beiden Trabantendörfer Bescheid und Wielspütz einen gemeinsamen Treffpunkt zu schaffen – in der leerstehenden Alten Schule.

Schoeller, Milde, Hahn für Hoss
Die Initiative ging vom ehemaligen Mechernicher Stadtbrandmeister und Bleibuirer Ortsbürgermeister Jean Schoeller aus, vom Stadtverordneten Peter Milde und dem ehemaligen Stadtangestellten und Heimatforscher Franz-Josef Hahn. Sie wurden beauftragt, ein Gespräch mit der Stadt Mechernich zu führen. Am 25. November 1985 kam es schließlich in der Alten Schule zur Gründungsversammlung des Fördervereins. Spontan traten 48 Bürgerinnen und Bürger bei.

Zum ersten Vorstand gehörten Jean Schoeller als Vorsitzender und Annemone Roggendorf als seine Stellvertreterin, außerdem Günther Lottermoser, Irene Huppertz, Peter Milde und Peter Mertens. Beisitzer waren Heinrich Schlagloth, Wilhelm Birekoven, Albert Roggendorf und Alois Jentgen.
In den ersten 14 Jahren diente die Alte Schule vor allem als Ort für Familien- und Dorffeste. Die Kirmes wurde in den ehemaligen Unterklassen gefeiert, als im Dorf die letzten Kneipen verschwanden. Der Saal des Eifler Hofes wurde abgerissen, andere Versammlungsstätten schlossen – die Alte Schule übernahm schrittweise die Vollfunktion eines dörflichen Kultur- und Kommunikationszentrums.

Sie ist Wahllokal, Ort für Geburtstage, Hochzeiten, Kommunionfeiern und Beerdigungscafés. Vereine halten hier ihre Versammlungen ab. Die Alte Schule wurde, wie man in Bleibuir sagt, der Nabel des Dorfes – und als Kommunikationsmittelpunkt auch sein „Schnabel“.
1999 schlugen Jean Schöller und der in der Bleibuirer Heimatgeschichte rührige Franz-Josef Hahn Klaus-Peter Hoss als neuen Vorsitzenden vor – obwohl dieser zuvor kein Vorstandsamt bekleidet hatte. Es sollte sich als wegweisende Entscheidung erweisen.

Erfolg mit „Kultur um Dörp“
Gemeinsam mit dem langjährigen Schrift- und Geschäftsführer Prof. Dr. Ulrich Mehler prägte Hoss die Alte Schule entscheidend. Ab 2001 wuchs ihr Bekanntheitsgrad deutlich, vor allem durch das Kleinkunstprogramm „Kultur um Dörp“.
Zwischen 2004 und 2020 traten dort mehr als 60 Künstlerinnen und Künstler auf: Bands wie „Wibbelstetz“, die „Original Eifeler Volksmusikanten“, „Von Stülp“ und die „Eifel-Gäng“, Kabarettisten vom Format Hubert vom Venn, Achim Konejung oder Jupp Hammerschmidt, Sachbuchautoren wie Wilhelm Schmitz, Heinz Höfer oder Berthold Thoma, belletristische Schriftsteller wie Martina Kempf, Thomy Bayer oder Heinz Küpper, dessen familiäre Wurzeln nach Lückerath reichen und der mit seinem Roman Simplicius 1945 internationale Anerkennung fand.

Besonderes Aufsehen erregte eine Ausstellung zum 125. Geburtstag des Eifelmalers Joseph Dedrichs, bei der mit Unterstützung des Fördervereins Maler der Eifel und externer Fachleute mehr als 60 Gemälde aus ganz Deutschland zusammengetragen wurden. Der in Bleibuir geborene und zeitweise lebende Künstler gewann dadurch eine Aufmerksamkeit, wie sie ihm zuvor kaum zuteilgeworden war.
Diese zentrale kulturelle Rolle brachte Verantwortung – und Kritik. Menschen wie Irene Huppertz und Klaus-Peter Hoss kümmerten sich über viele Jahre intensiv um die Belange der Alten Schule. Wie so oft im Dorfleben galt auch da: Wer sich kümmert, steckt die Kritik ein. Lob ist leiser, Verantwortung laut.

So war es auch bei Klaus-Peter Hoss. Wo jemand über Jahrzehnte Verantwortung trägt, entsteht nicht nur Zustimmung, sondern auch Reibung. Kritik gehörte zu seinem Amt – und er wusste das. Sie ließ ihn, so berichten Wegbegleiter, meist erstaunlich gelassen. Er machte still seine Arbeit, ohne großen Gestus, ohne öffentliche Selbstvergewisserung.
Unabhängige Zeugen erinnern sich vor allem an die Jahre, in denen es wenig zu feiern gab: jene lange Phase nach der Flut, als die Alte Schule zweieinhalb Jahre lang kaum mehr war als eine Baustelle. Staub, Schmutz, Materialstapel, Winterkälte. In dieser Zeit war Klaus-Peter Hoss fast täglich vor Ort anzutreffen. Er kümmerte sich um Handwerker, kochte Kaffee – auch bei Minusgraden –, regelte Kleines wie Großes. Ohne dies an die große Glocke zu hängen. Gerade diese stillen Jahre haben sein Wirken geprägt.

Abschied ohne Pathos
Seinen Rücktritt beschreibt Hoss selbst nüchtern. Die zwei Jahre hätte er „durchaus noch gerne vollgemacht – bis zu meinem 75. Lebensjahr, das hätte gut gepasst“. Doch Bitterkeit sei das nicht. „Ich werde in kein schwarzes Loch fallen“, sagte er dem Mechernicher „Bürgerbrief“. Dafür sorge schon die Vielzahl seiner Interessen und Leidenschaften.
Tatsächlich wird Klaus-Peter Hoss kaum „arbeitslos“ werden. Er widmet sich intensiv der Ahnenforschung und der Geschichte seines Heimatdorfes Bleibuir und der Umgebung. Themen, die Geduld verlangen, Genauigkeit – und jene stille Beharrlichkeit, die auch seine Arbeit für die Alte Schule ausgezeichnet hat.
Die Alte Schule Bleibuir bleibt, das Dorfleben auch. Doch mit dem Abschied von Klaus-Peter Hoss endet eine Zeit, in der Beständigkeit selbst zur Kulturleistung geworden war. Ein Insider meinte: „Kein Anlass zur Heiligsprechung, aber zur Dankbarkeit!“
pp/Agentur ProfiPress
02/06/2026

