Stadt am Bleiberg erinnert an ihren Sohn Adolf Meyer, der 1882 in der Turmhofstraße geboren wurde und in Berlin Architekt an der Seite von Walter Gropius wurde, dessen selbstentworfenes Grabkreuz für die Eltern noch auf dem Mechernicher Friedhof steht und an den eine kleine Straße zur Kaspar-Kraemer-Kapelle bei der Communio in Christo erinnert
Mechernich – Schwester Huberta, eigentlich Gertrud Roggendorf (1909 – 1973), war eine katholische Ordensgründerin, Andreas Girkens (1883 – 1944) von Nazis ermordeter Judenfreund und Märtyrer, Eduard Levano (1885 – 1937) ein bedeutender Unternehmer und Getreidehändler, Prof. Dr. Wolfgang Schumacher (1944–2023) Geobotaniker und Erfinder des Vertragsnaturschutzes, Adolf Weber (1876 – 1963) Nationalökonom, Peter Carl Aloys Kreutzwald (1850–1918), in Kommern geborener Generalvikar vierer Kölner Erzbischöfe.
Josef Dederichs (1873–1958), war ein in Bleibuir geborener Landschafts-, Marine- und Tiermaler der Düsseldorfer Schule, Dr. Hans-Josef Horchem Verfassungsschutzpräsident, Heinz Ruland in Satzvey geborener Grafiker (1893 – 1974), Bernhard Clemens August Eick (1814–1868), Bergbeamter, Altphilologe und Altertumsforscher, und Philipp Fries (1882–1950), in Roggendorf geborener Politiker, Mitglied des Reichstags.

Mechernicher Berühmtheiten
Auch die Wiegen zeitgenössischer Berühmtheiten wie die der Wirtschaftsjournalistin Dr. Ursula Weidenfeld, der Physikerin Martina Havenith-Newen, des Autors und Regierungssprechers Klaus Vater, des ARD-Auslandskorrespondenten Udo Lielischkies, der Pianistin Brigitta Wollenweber oder der DFB-Schiedsrichter Georg Dardenne und Thomas Metzen standen am Bleiberg. In Mechernich geboren und verwurzelt ist auch der Architekt Adolf Meyer (1881 – 1929), zweiter Mann neben Walter Gropius und mit ihm Namens- und Impulsgeber des weltberühmten „Bauhaus“-Stils.
Ein Stichweg zum Hospiz, zur Langzeitpflege, dem Mutterhaus und der von dem berühmten Kölner Architekten Kaspar Kraemer entworfenen Kapelle ist nach dem aus Mechernich stammenden „Bauhaus“-Mann benannt. Der von ihm entworfene Grabstein für den Vater auf dem Mechernicher Friedhof konnte der Nachwelt ebenfalls erhalten bleiben, ein Fragment der Vorlage ist in der örtlichen Steinmetzwerkstätte Simons zu finden.
„Der Grabstein von einst steht heute, rund 100 Jahre nach seiner Herstellung, auf dem nördlichen Teil des Friedhofs, am Ende eines langen gepflasterten und doch leicht moosbewachsenen Weges, der gesäumt ist von kleinen Hecken. Es ist ein ausdrucksstarker Ort“, schrieb die Journalistin Kirsten Röder in einem Report für die Agentur ProfiPress im Jahre 2019.

Georg Simons hatte sich seinerzeit mit dem damaligen Friedhofamtsleiter Franz Josef Hahn aus Bleibuir dafür stark gemacht, dass das Grabkreuz, das der Bauhaus-Meister Adolf Meyer für seinen Vater angefertigt hatte, für die Nachwelt erhalten blieb.
In Deutschland ist das „Bauhaus“ vor allem mit dem Namen von Walter Gropius verbunden, der als einer der größten Propheten moderner Architektur galt. Weit weniger bekannt, aber nicht weniger begabt war Adolf Meyer, der Stellvertreter von Gropius im „Bauhaus“ und oft genug ausführendes, planendes und zeichnendes Organ seiner Entwürfe.
Hundert Jahre „Bauhaus“
Tausende Berliner und Besucher aus aller Welt drängten sich im Januar 2019 beim Eröffnungsfestival „100 Jahre Bauhaus“ in die Akademie der Künste am Hanseatenweg in Berlin. Ein Ansturm, der die Erwartungen der Veranstalter bei weitem übertraf. Das „Bauhaus“ von Weimar wurde 1919 als Kunstschule von Walter Gropius gegründet. Der Begriff „Bauhaus“ wurde zu einem Synonym für eine neue Stil- und Kunstepoche.

In Deutschland ist das „Bauhaus“ vor allem mit dem Namen von Gropius verbunden. Neben Frank Lloyd Wright, Le Corbusier und Mies van der Rohe gilt Gropius als einer der größten Vertreter moderner Architektur – nicht weniger begabt war Adolf Meyer. Er ist am Mechernicher Bleiberg aufgewachsen, worauf bereits vor vielen Jahren der Mechernicher Regionalhistoriker Erich Stoffels aufmerksam machte.
Adolf Meyer wurde am 17. Juni 1882 in der Turmhofstraße von Mechernich geboren. Seine Eltern lebten und starben am Bleiberg, der Vater 1928 und die Mutter 1938. Vater Wilhelm Meyer, aber auch schon Meyers Großvater und Urgroßvater kamen vom Bleiberg. Zu den berühmtesten Schöpfungen von Gropius und Meyer gehörte das 1911 entworfene Fagus-Werk in Alfeld. Es gilt unter Fachleuten als das erste und bedeutende Werk des neuen Bauens in Deutschland.
Meyer war dafür bekannt, mit einem Minimum an Stoff und Raum das Maximum an Wirkung zu erzielen. Rationalität sowie Funktionalität wurden entscheidende Stichwörter dieser Epoche. Später, nach der Zeit mit Gropius, wurde der „Bauhaus“-Meister Meyer als Leiter der Bauberatung nach Frankfurt berufen.

Meyers Einfluss bei der Gestaltung der Großstadt ist bis heute an verschiedenen Wohnbauprojekten sichtbar. Architektonisch bedeutsam wurden seine Entwürfe für das Gaswerk am Osthafen als auch für den Neubau des Prüfwerks „6“ der Elektrizitätswerke.
Den Grabstein für seinen Vater entwarf der damals bereits berühmte Architekt Adolf Meyer selbst und ließ ihn von dem Frankfurter Bildhauer Josef Hartwig ausführen, mit dem der in Frankfurt unter anderem als Dozent an der Kunsthochschule wirkende Adolf Meyer eng zusammenarbeitete. Hartwig kreierte auch das Grabkreuz aus Ulmenholz für Adolf Meyer selbst, der am 24. Juli 1929 bei einem Badeunfall in der Nordsee vor Baltrum zu Tode kam.
Rettung durch Hahn und Simons
Das dazugehörige Fragment, Meyers Gips-Vorlage für die Jesus-Figur am Kreuz des Grabsteins, hängt heute noch in der Mechernicher Steinmetzwerkstätte Simons am Stiftsweg. Kleine, mit Bleistift fein säuberlich gemachte Markierungen im „Gesicht“ des Fragments fallen sofort ins Auge.

„Die hat Adolf Meyer selbst eingezeichnet. Mein Großvater, gelernter Steinmetz, hat zusammen mit ihm daran gearbeitet“, berichtete Michael Simons seinerzeit der Kommerner Autorin Kirsten Röder. Die Markierungen wurden Punkt für Punkt mit einer speziellen Maschine von der Gipsvorlage in den Stein übertragen. Heute noch sei diese Rekonstruktions-Technik weit verbreitet, so Simons.
An seinem neuen Standort nimmt das Kreuz eine Symbolwirkung für diesen Teil des Friedhofs ein. Beinahe wäre das Denkmal unwiederbringlich verloren gewesen. „Das ist nicht sein Ursprungsplatz auf dem Mechernicher Friedhof, vorher stand es unweit der alten Kirche“, verriet Michael Simons Kirsten Röder. Dort sollte es seinerzeit abgebrochen werden. Der damalige Friedhofsamtsleiter Franz Josef Hahn aus Bleibuir und Vater Georg Simons retteten das Kreuz und ließen es an den jetzigen Standort versetzen.
Der frühere Amts- und Gemeindedirektor Norbert Leduc schrieb 1994 eine Artikelserie im Mechernicher „Bürgerbrief“, in der er unter anderem beklagte, dass die lokalen Kölner Zeitungen nie über den großen Sohn der Stadt berichtet hätten. Erst Everhard Maintz habe 1963 im Magazin des Eifelvereins über „den Eifeler und das »Bauhaus« Weimar“ publiziert. Maintz, der in den zwanziger Jahren ein „Bauhaus“-Schlafzimmer von Meyer entwerfen ließ, propagierte schon damals, dass Mechernich „dem großen Sohn“ einen Straßenzug widmen solle.

Ein Unterfangen, das Anfang der 2000er-Jahren an der Zuwegung zu den Pflegeeinrichtungen des Sozialwerks und dem Mutterhaus des Ordo Communionis in Christo vom Kiefernweg aus Realität wurde. Der von Adolf Meyer und Walter Gropius geprägte Baustil ist auch in die 2015 auf dem Gelände des Communio-in-Christo-Sozialwerks errichtete Kapelle eingeflossen, wie der berühmte Kölner Architekt Kaspar Kraemer und Sozialwerks-Geschäftsführer Norbert Arnold, seinerzeit Kirsten Röder erklärten.
Einfluss auf Kaspar-Kraemer-Kapelle
Der Entwerfer des spirituell beeindruckenden Bauwerks machte dabei deutlich, dass die „Bauhaus“-Vertreter Weichen für nachfolgende Architekten-Generationen gestellt haben: „Ohne diese Entwicklung, würde man heute nicht so selbstverständlich mit dem Baustil umgehen, der geprägt ist von klaren Linien und Reduktion auf das Wesentliche“, so Kaspar Kraemer, der Architekt der Communio-in-Christo-Kapelle, die in der Adolf-Meyer-Straße ihren Platz gefunden hat.
Letztendlich seien einige Architekturmomente in dem Bauwerk zusammengeschmolzen – von der Zahlen-Allegorie des Mittelalters bis hin zu „Bauhaus“-Merkmalen. Das Bauhaus selbst entstand in Weimar durch die Vereinigung der Großherzoglich-Sächsischen Kunstschule Weimar mit der 1907 von Henry van de Velde gegründeten Großherzoglich-Sächsischen Kunstgewerbeschule Weimar.

Sie wurde zum direkten Vorläufer des Bauhauses, das dann in van de Veldes Schulgebäuden seine Arbeit aufnahm. 1925 erfolgte der Umzug nach Dessau – ab 1926 im Gebäude des Bauhauses Dessau. 1932 musste das Bauhaus nach Berlin umziehen und wurde 1933 geschlossen.
Kirsten Röder schreibt: „Der Einfluss des »Bauhauses« war so bedeutend, dass umgangssprachlich der Begriff »Bauhaus« oft auch mit der Moderne in Architektur und Design gleichgesetzt wird. Kunstgeschichtlich ist es jedoch problematisch, den sogenannten »Bauhaus«-Stil und die Entwicklungen in Deutschland isoliert zu betrachten und »Bauhaus« als Stilbegriff, als Architekturstil oder Möbelstil, zu verwenden.“
Walter Gropius geht ins Exil
Die Entwürfe und Arbeiten von Lehrern und Schülern am Bauhaus würden daher als Teil von länderübergreifenden, längerfristigen Strömungen gesehen und unter Begriffen wie Funktionalismus, Klassische Moderne, Neue Sachlichkeit, Internationaler Stil, Neues Bauen eingeordnet

Im »Bauhaus« seien die traditionell getrennten Bereiche der bildenden Kunst, der angewandten Kunst und der darstellenden Kunst auf der Grundlage des Konzeptes miteinander verbunden, was wiederum starke Ausstrahlung auf Malerei, darstellende Kunst und Musik hatte.
1934 emigrierte Walter Gropius nach Angriffen der Nationalsozialisten auf das »Bauhaus« als der „Kirche des Marxismus“ nach England und 1937 weiter in die USA nach Cambridge, wo er als Professor für Architektur an der „Graduate School of Design“ der Harvard University tätig war.

1938 zog er in sein neu errichtetes Wohnhaus in Lincoln, Massachusetts, das heute unter der Bezeichnung „Gropius House“ als „National Historic Landmark“ im „National Register of Historic Places“ eingetragen und der Öffentlichkeit als Museum zugänglich ist. Zu diesem Zeitpunkt war sein einstiger Mitstreiter aus Mechernich bereits neun Jahre tot.
pp/Agentur ProfiPress
03/31/2026

