Blick in die Nachbarschaft: Neue Veröffentlichung beleuchtet die Existenzvernichtung der jüdischen Bevölkerung im Altkreis Euskirchen – Buchvorstellung am 3. November im Euskirchener Casino mit Eröffnungsrede von Klaus Voussem MdL
Euskirchen/Mechernich – Bevor die Deportationszüge fuhren, hatten die Verfolgten bereits fast alles verloren. Der NS-Staat hatte jüdische Familien systematisch beraubt, entrechtet und aus dem gesellschaftlichen Leben gedrängt. Wie Menschen auch in der unmittelbaren Mechernicher Nachbarschaft Schritt für Schritt ihrer Lebensgrundlagen beraubt wurden, dokumentiert die neue Veröffentlichung „Die Existenzvernichtung der jüdischen Bevölkerung im Altkreis Euskirchen“.
Das Buch erscheint als Band 39 der Reihe „Geschichte im Kreis Euskirchen“ und wird am Dienstag, 3. November, um 18 Uhr im Casino Euskirchen (Kaplan-Kellermann-Straße 19) vorgestellt. Die Eröffnungsrede hält der Landtagsabgeordnete Klaus Voussem. Bei der Präsentation werden Zeitzeugnisse vorgestellt, die Eingang in die Veröffentlichung gefunden haben.
In den Tod geschickt
Die Studie zeichnet anhand von Fallbeispielen nach, wie auf die finanzielle Beraubung die soziale Ausgrenzung und schließlich die psychische und physische Vernichtung folgten. Zuletzt mussten viele der Verfolgten in sogenannten „Judenhäusern“ unter bedrückenden Bedingungen zusammenleben. Selbst Kleidung, Seife und ausreichende Nahrung wurden ihnen verweigert.

1933 waren im Kreis Euskirchen 768 jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger gezählt worden. Rund ein Drittel von ihnen hatte diese Verfolgung bis zuletzt vor Ort erleiden müssen. Im Juni und Juli 1942 wurden diese Menschen mit drei Transportzügen vom Bahnhof Köln-Deutz in den Tod geschickt. Auch wer zuvor die Anonymität benachbarter Großstädte gesucht hatte, entging der Deportation vielfach nicht.
Wie umfassend die Lebensgrundlagen der Betroffenen zerstört worden waren, offenbarte sich häufig erst nach dem Krieg: In den sogenannten Wiedergutmachungsverfahren versuchten Opfer oder ihre Erben, Entschädigung zu erhalten. Die Veröffentlichung macht diese Schicksale sichtbar und erinnert an Menschen, deren Geschichte untrennbar zur Geschichte ihrer Heimat gehört.
pp/Agentur ProfiPress
10/28/2026

