In Kommern wird ein uralter Brauch gepflegt – Angeleint und abgeführt: Marco Knips steckte ihm Erbenstroh – Auf seinen Schultern lasteten die Sünden des Dorfes – Rituelles Feuerchen am Bleibach
Mechernich-Kommern – „Ein wandelnder Strohhaufen …!?“ – Darüber wundern sich in Kommern am Veilchendienstag allerhöchstens Neuzugezogene. Den „Äerzebär“ – eine in Erbsenstroh gewickelte Traditionsfigur, mit deren Hilfe nach alter Überzeugung die Wintergeister ausgetrieben werden – kennt hier bald jedes Kind.

In diesem Jahr hatte es Marco Knips vom Kegelclub „Söhne Kommerns“ getroffen. In seinen pieksenden Anzug gesteckt wurde er, wie seit Jahren üblich, auf dem Wingert und unter der Leitung von Peter Hein. Einen offiziellen Verein gibt es nicht, vielmehr ist die Äerzebär-Truppe eine Gruppe von Kommernern, die schon seit Jahren diese Tradition lebt und weitergibt. So wurde auch Peter Heins Sohn Christian bereits in das Ritual des Bindens des Erbsenstrohs eingewiesen.

Danach begab sich der Umzug, begleitet von einem gemischtem Musik-Trüppchen aus Kommern, Eicks und Mechernich, und unterstützt vom Kommerner Familiendreigestirn um Prinz Marcel, I (Rühr) auf seine feuchtfröhliche Runde. Zunächst in Richtung Einkaufs- und Gewerbegebiet, mit Zwischenstation am Lebensmittel- und beim Getränkemarkt Miler, dann zum Bestattungshaus, dem Bäcker im Ort, am Stollen vorbei, über die Kölner Straße, über die Mühlengasse und Schopsland, die Gielsgasse hinauf und zum Bär nach Hause (Am Altusknipp), weiter über den Acker, die Hüllenstraße, bis zur Endstation am Bleibach.

Das Gewicht des Kostüms wiegt schwer, solange es trocken bleibt. Regnet es auf der Tour durch den Ort, kann daraus leicht das Doppelte werden. Was leider in diesem Jahr einmal kurz und kräftig geschah, aber dem Umzug keinen Abbruch tat. An verschiedenen Stationen gab es Getränke und Knabbereien, plus die ein oder andere Geldspende.

Am Ufer des Bleibachs wurde Marco Knips schließlich aus seinem Strohmantel befreit, bevor die „Äetzebär“-Hülle (inklusive etwaiger Karnevalssünden aller Anwesenden) geplantermaßen in Flammen aufging. Bärenführer Peter Hein äußerte sich zufrieden: „Damit sollte der Winter ausgetrieben sein und wir können die Fastenzeit in aller Ruhe genießen.“

pp/Agentur ProfiPress
02/19/2026

