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Kerstin Rottland

05/12/2026

Abschied von „Mister Bauaufsicht“

Ralf Gehlen geht in den Ruhestand – Juristische Ausarbeitungen waren sein Spezialgebiet – Architekturstudium in Aachen

6 min read

Ralf Gehlen geht in den Ruhestand – Juristische Ausarbeitungen waren sein Spezialgebiet – Architekturstudium in Aachen – „Eigentlich wollte ich ja etwas anderes werden …“

Mechernich – Der letzte Arbeitstag begann für Ralf Gehlen mit einer Überraschung:„Andere gehen in Rente“, steht auf einem Plakat an seiner mit Ballons verzierten Bürotür. „Er startet einfach das nächste Großprojekt.“ – „Ach was!“, winkt der 65-Jährige mit dem Spitznamen „Mister Bauaufsicht“ bescheiden ab. Etwas Bestimmtes habe er nicht vor. „Außer reisen vielleicht – und hier und da ein bisschen am Haus rumwerkeln.“

An und in Gebäuden herumwerkeln: Das ist Ralf Gehlens Passion. Mit viel Geschick und Geduld lässt er gern Neues entstehen. Die mit KI erstellte Grafik verrät tatsächlich so einiges über den langjährigen Teamleiter der Unteren Bauaufsichtsbehörde. Unter anderem etwas, das man auf den ersten Blick vielleicht nicht unbedingt sieht: Der Kollege ist beliebt!

Nach 25-jähriger Zusammenarbeit mit Ralf Gehlen fällt dem Ersten  Beigeordneten der Stadt Mechernich, Thomas Hambach, der Abschied gar nicht so leicht. Foto: Kerstin Rottland/pp/Agentur ProfiPress
Nach 25-jähriger Zusammenarbeit mit Ralf Gehlen fällt dem Ersten  Beigeordneten der Stadt Mechernich, Thomas Hambach, der Abschied gar nicht so leicht. Foto: Kerstin Rottland/pp/Agentur ProfiPress

Auch Bürgermeister Michael Fingel hat Ralf Gehlen zwar nur noch ein vergleichsweise kurzes Stück seines beruflichen Weges im Rathaus begleiten können, in dieser Zeit aber einen sehr positiven Eindruck von ihm gewonnen. „Ich habe Herrn Gehlen als ausgesprochen angenehmen, fachlich sehr versierten und verlässlichen Mitarbeiter kennengelernt“, so Fingel. „Man spürt schnell, dass er mit seiner Aufgabe und mit der Stadt Mechernich über viele Jahre eng verbunden war. Für diese zuverlässige und engagierte Arbeit danke ich ihm herzlich und wünsche ihm für den neuen Lebensabschnitt alles Gute.“

Worin diese Wertschätzung gründet, dämmert einem dann auch ziemlich rasch, während der gebürtige Aachener sanft lächelnd seinen Werdegang beschreibt. – Klar wird dabei auch, was genau der Erste Beigegeordnete der Stadt Mechernich meint, wenn er den grauhaarigen Architekten und Vater von vier Kindern als „äußerst ausgleichenden und lösungsorientierten Charakter“ beschreibt.

Bei Thomas Hambach hat Ralf Gehlen einen Stein im Brett. Ihren guten Ruf verdanke die für Mechernich und Zülpich zuständige Untere Bauaufsichtsbehörde unter anderem ihm, betont der Erste Beigeordnete. Seit dem Jahr 2000 – sprich, seit es sie gibt – hat Gehlen ihre Geschicke geleitet. Mit ruhiger Hand und kühlem Kopf: „Er hat nie das Haar in der Suppe gesucht, sondern im Gegenteil eine Idee, wie es gehen könnte. Auch, wenn die vielleicht mal eher unkonventionell war.“ Am Abschied seines langjährigen Weggefährten hat Hambach sichtlich zu knapsen: „Ich werde ihn vermissen“, seufzt er. „Auch, wenn ich sicher bin, dass sein Stellvertreter Oliver Ahne einen ebenso guten Job machen wird.“

Ausbildung im Hotel Steigenberger

Über die Frage, was ihm an seinem Aufgabengebiet besonders gefallen hat, muss Ralf Gehlen nicht lange nachdenken: „Die juristische Ausarbeitung von Beschwerden und Klagen.“ In 25 Jahren als Teamleiter in Mechernich hat sich der studierte Architekt, der vorher in Aachen und Bergheim tätig war, ein beträchtliches Fachwissen auf diesem Gebiet angeeignet. Nicht nur innerhalb des siebenköpfigen Teams der Unteren Bauaufsichtsbehörde gilt er darum als erfahrener Mentor.

Liebevoll verziert hatten die Kollegen zum Abschied die Bürotür ihres in den Ruhestand gehenden Teamleiters. Foto: Kerstin Rottland/pp/Agentur ProfiPress
Liebevoll verziert hatten die Kollegen zum Abschied die Bürotür ihres in den Ruhestand gehenden Teamleiters. Foto: Kerstin Rottland/pp/Agentur ProfiPress

Dabei sah es nach dem Abitur erstmal nach einer ganz anderen Bestimmung aus, wie Gehlen schmunzelnd einräumt: „Ich wollte Koch werden.“, Nach der dreijährigen Ausbildung im Steigenberger Hotel Aachen sei ihm der Lohn allerdings ziemlich schmal vorgekommen für so viel körperlich anstrengende Arbeit zu eher ungünstigen Zeiten. Gehlen lacht: „Mein Vater war Architekt, der saß tagsüber gemütlich im Büro und hat trotzdem mehr Geld verdient, – das wollte ich auch.“

Im Lauf der Jahre hat Ralf Gehlen unzähligen Bauprojekten im Raum Mechernich und Zülpich zur Geburt verholfen, vom Balkon-Anbau bis zur Gewerbehalle: „Eines der größten war sicherlich der Bau von Hochwald in Obergartzem.“ Auch am Krankenhaus Mechernich und im Gewerbegebiet Zülpichs sei immer viel zu tun gewesen. „Dass ich mich in jedem Gewerk auskenne, war dabei sicher oft von Vorteil.“

„Nachbarn sind heute viel skeptischer.“

Was hat sich in den zurückliegenden 25 Jahren verändert? – „Der Umgang miteinander“, antwortet Ralf Gehlen spontan. „Nachbarn sind heute öfter skeptisch oder stehen sich viel schneller feindlich gegenüber. Früher hat man baurechtliche Streitigkeiten auch mal unter sich geregelt. Und nicht gleich den Anwalt angerufen.“

Seine Aufgabe habe er daher auch zunehmend in der des Vermittlers gesehen, betont der Pensionär in Spe. – Womit er sich nicht immer nur Freunde gemacht habe. „Respekt muss man sich manchmal auch verdienen.“ Einige Bauherren hätten ihn in den letzten Tagen hektisch angerufen, berichtet Gehlen. „Wohl in der Hoffnung, noch rasch meinen Segen zu bekommen für ihre geplanten Projekte, bevor ich durch die Tür bin. Aber so läuft das natürlich nicht.“

Dass „Mister Bauaufsicht“ nun wirklich und wahrhaftig für immer durch die Rathaustür entschwunden ist, mag dort noch keiner so recht glauben. Auch Thomas Hambach nicht, der seinem Kollegen zum Abschied schelmisch zuzwinkert: „Vielleicht hast Du Dich ja bei den Urlaubstagen verrechnet.“

pp/Agentur ProfiPress

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