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Manfred Lang

10/19/2026

„Hütet Euch vor Schattenwölfen!“

Hundert Zuhörer bei Manfred Langs Premierenlesung im Bergbaumuseum Mechernich – Benefizabend zugunsten der ehrenamtlichen Museumsarbeit – Thriller führt in die Abgründe verdrängter Vergangenheit

Hundert Zuhörer bei Manfred Langs Premierenlesung im Bergbaumuseum Mechernich – Benefizabend zugunsten der ehrenamtlichen Museumsarbeit – Thriller führt in die Abgründe verdrängter Vergangenheit

Mechernich – Der Bleiberg hat viele Stollen. Manche führen tief in die Erde, andere mitten hinein in eine Vergangenheit, die sich nicht einfach zuschütten lässt. Bei der Premierenlesung seines Thrillers „Schattenwölfe“ nahm Manfred „Manni“ Lang am Freitagabend hundert Zuhörer im Bergbaumuseum Mechernich mit auf eine ebenso spannende wie beklemmende Spurensuche. Die Geschichte spielt 1981. Ihre Fragen reichen bis in die Gegenwart.

Kurator Günter Nießen begrüßte die Gäste und stellte das Bergbaumuseum Mechernich vor. Die Premierenlesung fand als Benefizveranstaltung zugunsten der ehrenamtlichen Museumsarbeit statt. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress
Kurator Günter Nießen begrüßte die Gäste und stellte das Bergbaumuseum Mechernich vor. Die Premierenlesung fand als Benefizveranstaltung zugunsten der ehrenamtlichen Museumsarbeit statt. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Wer den Autor und katholischen Diakon vor allem als humorvollen Erzähler und Kenner der Eifeler Mundart schätzt, lernte an diesem Abend eine andere Seite kennen. Statt volkstümlichem Eifelslang und vertrauten Pointen gab es einen mysteriösen Thriller über fortlebendes nationalsozialistisches Gedankengut unter der Oberfläche der Gesellschaft. Das Publikum ließ sich auf diesen Wechsel ein: Auch mit seinem ernsten Stoff zog Lang die Zuhörer in den Bann.

Dafür hätte es kaum einen passenderen Ort geben können. Zwischen Grubenlampen, Werkzeugen und Zeugnissen der Mechernicher Bergbaugeschichte gewann die Romanwelt eine besondere Nähe. Kurator Günter Nießen begrüßte die Gäste und stellte das Museum vor, dessen ehrenamtlicher Arbeit der Benefizabend zugutekam. So verband die Buchpremiere die literarische Auseinandersetzung mit dem Bleiberg mit der Unterstützung jener Menschen, die seine Geschichte bewahren und vermitteln.

Manfred „Manni“ Lang stellte im Bergbaumuseum seinen Thriller „Schattenwölfe“ vor. Im Hintergrund Kurator Günter Nießen. Foto: Björn Wassong/pp/Agentur ProfiPress
Manfred „Manni“ Lang stellte im Bergbaumuseum seinen Thriller „Schattenwölfe“ vor. Im Hintergrund Kurator Günter Nießen. Foto: Björn Wassong/pp/Agentur ProfiPress

Im Roman geraten Lena Cremer und der Journalist Albert Neesgen auf Spuren, die aus dem Mechernich des Jahres 1981 zurück in die NS-Zeit führen. Verschlossene Akten, alte Fotografien und verborgene Zusammenhänge weisen in eine Welt, in der das Kriegsende keineswegs das Ende aller Überzeugungen und Verbindungen bedeutete. Hinter dem Rätselhaften und Bedrohlichen stehen Menschen, Interessen und ideologische Netzwerke.

Bleiberg als Metapher

Lang verknüpft die Zeitebenen von 1944/45 und 1981 zu einer Geschichte über Schuld, Schweigen und die Macht einer verdrängten Vergangenheit. Auch die Legenden um geraubte Kunstschätze und das Bernsteinzimmer gehören zu diesem Geflecht. Doch die entscheidende Frage reicht tiefer als die Suche nach einem verborgenen Schatz: Was geschieht mit einer Gesellschaft, wenn menschenverachtende Überzeugungen im Verborgenen weiterleben?

Mitten zwischen den Zeugnissen der Mechernicher Bergbaugeschichte las Manfred Lang aus den „Schattenwölfen“. Hundert Zuhörer kamen zur Buchpremiere ins Bergbaumuseum. Foto: Björn Wassong/pp/Agentur ProfiPress
Mitten zwischen den Zeugnissen der Mechernicher Bergbaugeschichte las Manfred Lang aus den „Schattenwölfen“. Hundert Zuhörer kamen zur Buchpremiere ins Bergbaumuseum. Foto: Björn Wassong/pp/Agentur ProfiPress

Der Mechernicher Bleiberg dient dabei als Metapher. Unter einer scheinbar vertrauten Landschaft liegen Hohlräume, verschlossene Zugänge und Hinterlassenschaften früherer Zeiten. Was sich dem Blick entzieht, ist deshalb noch lange nicht verschwunden. So verhält es sich auch mit dem Gedankengut der „Schattenwölfe“: Es kann überdauern, Verbindungen eingehen und erneut gefährlich werden.

Im Austausch mit dem Publikum, das Gelegenheit zu Fragen hatte, trat diese politische Dimension des Buches deutlich hervor. Der historische Abstand zum Handlungsjahr 1981 bietet keine beruhigende Sicherheit. Die Frage nach Wachsamkeit, nach dem Erkennen menschenverachtender Ideologien und nach der Verantwortung des Einzelnen stellt sich jeder Generation aufs Neue.

Persönliche Widmung inklusive: Manfred Lang signierte die am Büchertisch der Buchhandlung Schwinning erworbenen Exemplare seines Thrillers direkt vor Ort. Foto: Björn Wassong/pp/Agentur ProfiPress
Persönliche Widmung inklusive: Manfred Lang signierte die am Büchertisch der Buchhandlung Schwinning erworbenen Exemplare seines Thrillers direkt vor Ort. Foto: Björn Wassong/pp/Agentur ProfiPress

Dass sich literarische Spannung und ein solcher Anspruch miteinander verbinden lassen, zeigte die Resonanz des Abends auch ganz handfest. Am Büchertisch der Buchhandlung Schwinning fanden die „Schattenwölfe“ zahlreiche Käufer. Lang signierte die erworbenen Exemplare direkt vor Ort und gab ihnen persönliche Widmungen mit auf den Weg.

Jugendlichen Zuhörern schrieb er einen Satz ins Buch, der zugleich über die Romanhandlung hinausweist: „Bleibt wachsam, hütet Euch vor Schattenwölfen!“

pp/Agentur ProfiPress